"Mariä Empfängnis"
8. Dezember
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"HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU
UND GOTTESMUTTER MARIA"

Die Glaubenslehre,
dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an von aller Erbschuld frei war, wird ausdrücklich in der Heiligen Schrift nicht ausgesprochen, doch wurden einige Aussagen der Schrift schon früh in dem Sinn verstanden, dass Maria das reinste, in einmaliger Weise von Gott bevorzugte Geschöpf war, die neue Eva, die ohne Sünde blieb und so zur „Mutter aller Lebenden“ werden konnte.

Dabei bleibt klar,
1. dass Maria auf natürliche Weise als Kind ihrer Eltern geboren wurde und
2. dass auch sie alle Gnade durch Jesus Christus, durch seinen Kreuzestod, empfangen hat.
(Zitat: "Schott Messbuch")

Das Dogma:

„Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“

Pius IX., Apostolisches Schreiben „Ineffabilis Deus“ (= der "unbegreifliche Gott"), verkündet am 8. Dezember 1854

Das päpstliche Dogma stieß damals wie heute sowohl in der protestantischen wie in der orthodoxen und auch zum Teil in der katholischen Kirche selbst auf Unverständnis und Ablehnung.

Hier - wie auch in anderen Glaubenssätzen - stützt sich die katholische Kirche auf "die im Glauben gelebte und vom Heiligen Geist geführte Auslegung der Offenbarung".

Das Fest der Empfängnis der Gottesmutter Maria, bezieht sich auf die Empfängnis der Maria durch ihre Mutter Anna, der Gattin Joachims. Damit soll auf die Erwählung Mariens hingewiesen werden, die - nach christlichem Verständnis - dazu berufen wurde, den Messias zur Welt zu bringen. Genau neun Monate vor dem Fest "Mariä Geburt" (8. September) feiert die katholische Kirche die "unbefleckte" Empfängnis der Gottesmutter.

Die Bezeichnung "unbefleckt" ist irreführend, weil damit das Verständnis nahe liegt, Geschlechtsakt und Empfängnis seien etwas "Befleckendes". Diese Sicht hat trotz aller gegenteiliger Gerüchte nie Eingang in die offizielle Lehre der Kirche gefunden. Mit diesem Dogma bekennt die katholische Kirche vielmehr eine Grundbotschaft des christlichen Glaubens: Gott überlässt den Menschen nicht dem Bösen (dem "Befleckenden", der "Erbsünde"), sondern er erlöst ihn davon.

Maria ist von Gott selbst erwählt und befähigt, Mutter Christi zu werden. Das ist gemeint, wenn der Engel Gabriel – wie es im Lukasevangelium heißt – Maria mit den Worten grüßt: "...du bist voll der Gnade!"
"Gnade" meint die lebendige Gegenwart des liebenden Gottes und die Verwandlung, die seine Nähe bewirken kann.



Mutter Anna unterrichtet Maria
beim Lesen der Hl. Schrift.
Süddeutsch, Anf. 19. Jh.
R. Provenienz Sammlung Hugo Maier Furtwangen

 

Entwicklung und Geschichte des Festes:

In der Ostkirche wird sicher seit dem 7. Jahrhundert, vielleicht sogar schon seit dem 5. Jahrhundert das Fest der Empfängnis Mariens am 9.12. gefeiert. In der Westkirche wurde das Fest vom 12. Jahrhundert an zunächst in England (Anselm von Canterbury um 1100) dann auch in Deutschland am 8.12. begangen. 1708 wurde das Fest in der katholischen Kirche von Klemens XI. vorgeschrieben. 1854 verkündete Papst Pius IX. das Dogma (siehe oben).
Dass Maria sich nur 4 Jahre später (1858) selbst als 'Unbefleckte Empfängnis' in Lourdes zu erkennen gab, war vielen eine himmlische Bestätigung des umstrittenen Dogmas. Dieses Dogma war nämlich ein Anlaß zur späteren Abtrennung der altkatholischen Kirche. Alle nicht katholischen christlichen Kirchen haben das Dogma von der unbefleckten Empfängnis nicht übernommen.
Das - für Laien kaum verständliche - Problem liegt in der Frage, wann Maria von der Erbsünde befreit wurde. Die Lehre von der Erbsünde, die Augustinus entwickelte, sagt aus, dass jeder Mensch von Geburt an schuldig ist, sich also der Verstrickung in die Sünde nicht entziehen kann. Unstrittig ist unter Theologen, dass Maria von der Erbsünde befreit wurde, da sie nur so das "Gefäß" für die Geburt Gottes werden konnte. Fraglich ist aber, ob in den Bezeichnungen der frühen Kirche von der ganz unberührten allerreinsten Jungfrau Maria die unbefleckte Empfängnis mitgemeint ist - ausdrücklich wird sie nämlich nicht genannt - oder ob diese Frage bewusst der menschlichen Philosophie und Logik entzogen bleiben sollte. Bis in das Mittelalter hinein wurde auch die Auffassung vertreten, die Befreiung sei bei der Verkündigung der Geburt erfolgt. So sind die jüngeren Mariendogmen der römisch-katholischen Kirche nicht einfach Feststellungen von Glaubenssätzen, die seit Anbeginn der Kirche galten, sondern vielleicht auch Einengungen und Beschränkungen göttlichen Handelns auf die Gesetze der in der katholischen Kirche angewandten (und heute vielleicht überholten) aristotelischen Logik (vgl. Thomas von Aquin).