"Herz Jesu"
am Freitag der 3. Woche nach Pfingsten
01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Alles Fragen und Forschen nach Gott gelangt nur bis an den äußeren Rand seines Wesens. Sein inneres Geheimnis aber, sein „Mysterium“, ist die Liebe. Das wissen wir, weil er selbst es uns offenbart hat: durch seine Propheten, und schließlich durch den Sohn. Im Herzen des Sohnes wohnt die ganze Fülle der Liebe. Die Liebe ist gekreuzigt worden. Und die Liebe wartet auf Antwort: die Antwort des Glaubens, der Treue und der reinen Hingabe an die Glut des Geistes.

Die Botschaft von der barmherzigen Liebe wird als „gute Nachricht“ nur von den Sündern begriffen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren rechtschaffene Leute; sie fanden das Verhalten Jesu den Sündern gegenüber ebenso ärgerlich wie seine Botschaft. - Müssen wir Sünder werden, um die Barmherzigkeit Gottes zu verstehen, die in Jesus sichtbar geworden ist? Wir brauchen es nicht zu werden; wir müssen nur eine Ahnung von der Heiligkeit Gottes haben, um zu wissen, dass wir es sind. Dann werden wir auch das Danken lernen.

Die Propheten des Alten Bundes haben als das größte Geheimnis Gottes seine Liebe erkannt, und zwar die Liebe zu seinem Volk, das dieser Liebe immer wieder davonlief. In Jesus ist die Liebe Gottes sichtbar und greifbar geworden, und am Kreuz wurde sie zur „Torheit“ (1 Kor 1,23). Sie ist das Zeichen des Widerspruchs, sie ist aber auch die einzige Hoffnung für die Menschen in ihrer Not.

(Zitat: "Schott Messbuch")

Evangelium (Joh 19, 31-37)

Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen [Ex 12,46; Ps 34,21]. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben [Sach 12,10].


Entstehung und Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung:




Herz-Jesu-Statue
in der Pfarrkirche Stadlau
Die Herz-Jesu-Verehrung ist ein Ausdruck der katholischen Spiritualität bzw. Volksfrömmigkeit. Dabei wird Jesus Christus unter dem Gesichtspunkt seiner im Herzen symbolisierten Liebe verehrt.

Entstehung

Impulse zur Herz-Jesu-Verehrung kamen aus der deutschen Mystik des Spätmittelalters, und besonders von der französischen Nonne Margareta Maria Alacoque, deren Visionen zwischen 1673 und 1675 um den Sühnegedanken, den häufigen Kommunionempfang und ein Herz-Jesu-Fest kreisten.

Verbreitung

Die Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung ist vor allem den Jesuiten zu verdanken, die sich ausgehend von Marguerites Maria Alacoques Beichtvater Claude de la Colombière SJ dieser Spiritualität annahmen. Starken Aufschwung erhielt die Herz-Jesu-Frömmigkeit im späten 18. und 19. Jahrhundert.
Jeweils am dritten Freitag nach Pfingsten (Freitag nach der Fronleichnams-Oktav) ist das Herz-Jesu-Fest, das Papst Pius IX. 1856 als Gedenktag für die ganze Kirche eingeführt hat. Außerdem heißt der erste Freitag jedes Monats "Herz-Jesu-Freitag".
1899 weihte Papst Leo XIII. in der Enzyklika Annum sanctum die ganze Welt dem Herzen Jesu. 1970 wurde das Herz-Jesu-Fest im römischen Messbuch eingetragen.

Die Pfarrkirche in Wien, Stadlau wurde 1924 von Kardinal Piffl dem „Herz Jesu“ geweiht. Eine Herz-Jesu-Statue an der Rückwand weist in besonderer Weise darauf hin.

Herz-Jesu-Verehrung heute

Die Herz-Jesu-Verehrung hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts innerkatholisch stark an Boden verloren; zumindest eine einseitig emotional betonte Herz-Jesu-Verehrung wird von vielen katholischen Christen abgelehnt. Obwohl die geschichtliche Entwicklung zeigt, dass die Herz-Jesu-Verehrung kein rein katholisches Phänomen ist, wird sie oft als spezifisch konfessionell eingeengte Frömmigkeitsform gesehen. Auch eine Hilflosigkeit in Theologie und Frömmigkeit gegenüber dem Sühnegedanken insgesamt kommen als Gründe in Frage.
Durch Papst Johannes Paul II. wurde der kirchliche Akzent verstärkt auf die Barmherzigkeit Gottes gesetzt. Im Katechismus der Katholischen Kirche wird die Herz-Jesu-Verehrung auf christozentrischem Fundament zusammengefasst und neu empfohlen.
Nichtkatholiken stehen der Herz-Jesu-Frömmigkeit gewöhnlich ablehnend gegenüber. Allerdings bietet sie durch ihren christozentrischen Akzent auch ökumenische Anknüpfungspunkte.

In bildlichen Darstellungen kann man gelegentlich eine Jesusfigur antreffen, die auf ihr von außen sichtbares Herz deutet. Dieses Herz ist im Widerspruch zur menschlichen Anatomie meist in der Mitte im oberen Brustbereich platziert. Diese Freiheit der künstlerischen Darstellung weist darauf hin, dass es bei der Herz-Jesu-Verehrung nicht um ein Körperorgan geht, sondern um das Herz als Ursymbol der menschlichen Liebe sowie des Innersten der Person. Die Liebe Christi, des Erlösers, soll dadurch zum Ausdruck kommen.

Entsprechend dem Herz-Jesu-Fest hat sich im Lauf der Jahrhundete auch eine Herz-Mariä-Fest (Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest) ausgebildet.

Was kann uns die Herz-Jesu-Verehrung heute bedeuten?

Herz-Jesu-Fest? Sind das nicht die schmalzig-süßlichen, vorwurfsvoll blickenden Andachtsbildchen, die sich die Brust aufreißen und ein mit Dornen umwundenes Herz vorweisen. Die Entmythologisierung des Herzens hat die Vermittlung des Festinhaltes nicht leichter gemacht. Der Weg zu einem Herzen, das sich als seelisch-geistiges Zentrum des Menschen versteht, ist vielen verstellt: Die Medizin hat das Herz zu einer austauschbaren Blutpumpe gemacht.
Und trotzdem, gerade deshalb lohnt es sich, tiefer unter der Kitsch-Kiste nachzusehen. Unter dem banalen Gefühlsmatsch von oberflächlichem Herz-Schmerz-Gesülze ist nämlich etwas Originäres zu entdecken. Vom hohen Rang des allgemeinen Herz-Verständnisses, zeugen die Begriffe „herzlich” und – in Form eines irrealen Superlativs - „herzlichst”, die wir heute fast rituell als Merkzeichen der Vertrautheit verwenden. Eine oder einen mit Herz, die oder den hoffen wir alle zu finden, weil wir uns da gut aufgehoben wissen. Die Herz-Jesu-Verehrung will steinerne Herzen durch liebende Herzen nach dem Vorbild Christi ersetzen.

Das offene Erlöserherz wird zur Quelle allen Heils. Die Herz-Jesu-Verehrung bringt Herz zu Herz: Das Herz des Gekreuzigten und Auferstandenen wird zum Maßstab des menschlichen Herzens. Das durchbohrte Herz Jesu wird zu einer lebendigen Quelle: Hier entspringt das Ursakrament, die Kirche.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut”, hat Saint-Exupéry in der Mitte des 20 Jahrhunderts geschrieben – ein Satz, der heute noch gerne zitiert wird. Vielleicht haben unsere Vorfahren, denen wir uns oft so überlegen fühlen, doch nicht immer falsch gelegen. Denn sie beteten: „Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach deinem Herzen.” Gottes Herz als Maßstab für unser Herz – das ist es, was dieser Tag lehren will.

Was sagt der Katechismus der katholischen Kirche zur Herz-Jesu-Verehrung?

Zuerst weist der Katechismus auf die unsagbar große Liebe des Erlösers hin (KKK 478), der „während seines Lebens, seiner Todesangst am Ölberg und seines Leidens uns alle und jeden einzelnen gekannt und geliebt und sich für jeden von uns hingegeben“ hat. Es handelt sich um eine ganz persönliche Liebe und Hingabe des Sohnes Gottes für einen jeden von uns. Diese Hingabe wird durch ein besonderes Zeichen zum Ausdruck gebracht:
Er hat uns alle mit einem menschlichen Herzen geliebt. Aus diesem Grund wird das heiligste Herz Jesu, das durch unsere Sünden und um unseres Heiles willen durchbohrt wurde, als vorzügliches Kennzeichen und Symbol für jene ... Liebe angesehen, mit der der göttliche Erlöser den ewigen Vater und alle Menschen beständig liebt" (Pius XII.)
Mit dem Hinweis auf die Liebe mit einem menschlichen Herzen wird hier das Ursymbol des Herzens angesprochen. Herz ist der Inbegriff von Mut und Tapferkeit, von innerlicher Einsicht, von Planen und Wollen sowie der sittlichen Entscheidung des Menschen.

Im einem Zitat aus KKK 478 ist ein Verweis auf die Enzyklika „Mystici corporis“ von Papst Pius XII. angeführt:
„Jene liebevolle Erkenntnis aber, womit uns der göttliche Erlöser vom ersten Augenblick seiner Menschwerdung an entgegenkam, übertrifft alles menschliche Bemühen und Begreifen.“

Abschließend kommt der Katechismus zu folgender Feststellung, welche Bezug nimmt auf das Heiligste Herz Jesu:
„Einzig das Herz Christi, das die Tiefen der Liebe seines Vaters kennt, konnte uns den Abgrund seiner Barmherzigkeit auf eine so einfache und schöne Weise schildern.“