Allerheiligen ist wie ein großes Erntefest;
eine „Epiphanie von Pfingsten“ hat man es auch genannt.
Die Frucht, die aus dem Sterben des Weizenkorns
wächst und reift; sehen wir, bewundern wir, sind wir. Noch
ist die Ernte nicht beendet; Allerheiligen richtet unsern
Blick auf die Vollendung, auf das Endziel, für
das Gott uns geschaffen und bestimmt hat. Noch seufzen wir unter
der Last der Vergänglichkeit, aber uns trägt die Gemeinschaft
der durch Gottes Erwählung Berufenen und Geheiligten; uns
treibt die Hoffnung, dass auch wir zur Freiheit und
Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangen werden. Und
schon besitzen wir als Anfangsgabe den Heiligen Geist.
(Auszug aus: "Schott
Messbuch")
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Lesung
(Offb 7, 2-4.9-14)
Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen;
er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und
rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land
und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt
dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis
wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt
haben.
Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet
waren. Es waren 144.000 aus allen Stämmen der Söhne
Israels, die das Siegel trugen: Danach sah ich: eine
große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern
und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in
weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und
trugen Palmzweige in den Händen.
Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von
unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem
Lamm.
Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten
und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder,
beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit,
Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott
in alle Ewigkeit. Amen.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die
weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?
Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte
zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis
kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und
im Blut des Lammes weiß gemacht.
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Entwicklung und Geschichte des Festes: |
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Das Fest wurde eingeführt,
da es unmöglich war, jeden Heiligen an einem besonderen Tag
zu feiern. Jährliche Gedenktage für
Verstorbene - ob Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche"
- gab es bereits im antiken Christentum. Es galt, bei der Fülle
der Märtyrer nach den Verfolgungen, keinen zu vergessen.
In Zeiten der Verfolgung durch die römischen
Kaiser galt besonderes Ansehen vor allem den Märtyrern, die
für ihr christliches Bekenntnis ihr Leben geopfert hatten.
Christen wollten sich in der Nähe der Märtyrergräber
bestatten lassen. Bei der Auferstehung am Jüngsten
Tag wollte man in ihrer Nähe sein. An der Stelle mancher
Gräber von Märtyrern erbaute man später Kirchen.
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| In den östlichen Kirchen finden sich seit
Anfang des 4. Jahrhunderts dann ausdrücklich Allerheiligenfeste,
die allerdings als "Herrentag aller Heiligen"
am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurden.
Die meisten orthodoxen Kirchen feiern den Allerheiligentag heute
noch wie damals am 1. Sonntag nach Pfingsten. Das Pfingstfest,
an dem die Herabkunft des heiligen Geistes gefeiert wird, gilt
auch als "Geburtsfest" der Kirche.
Daran anschließend die Gemeinschaft der Heiligen zu feiern,
ist inhaltlich sinnvoll.
In der westlichen Kirche weihte Bonifatius IV.
am 13. Mai 609 oder 610 das heidnische römische
Pantheon in Rom - zuvor das Heiligtum der antiken Götterwelt
– der "Jungfrau Maria und allen Heiligen"
und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag
nach Ostern.
Der Kirchweihtag dieser neuen christlichen Basilika war wahrscheinlich
ein entscheidender Impuls für das Allerheiligenfest in der
katholischen Kirche, das seit dem 7. Jahrhundert immer mehr an
Bedeutung gewann.
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Papst Gregor III. weihte schließlich eine
Kapelle in der Basilika "St. Peter allen Heiligen"
und legte daher für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November.
Ab dem 8. Jahrhundert beginnt sich - wahrscheinlich
durch den Einfluss iroschottischer Wandermönche - das Allerheiligenfest
vom gallischen Raum ausgehend der 1. November als Festtermin durchzusetzen.
Bis heute ist er das Datum des Hochfestes geblieben. Papst
Gregor IV. legt 835 (839?) Allerheiligen für die gesamte
Westkirche auf den 1. November fest.
Sind Sie heilig?
Weihrauchduft und Bildchen mit verklärten
Gesichtern: Das verbinden viele mit den Heiligen und Seligen der
Kirche. Zur Heiligkeit sind aber alle Christen berufen,
auch wenn sie manchmal "schwarze Schafe" sind. Das wusste
schon der Apostel Paulus. |
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Ziemlich ergrimmt war Paulus über Spaltungen und viele Verleumdungen
unter den Christen von Korinth. Es war eine Gemeinde, die er selbst
gegründet hatte. Paulus schrieb daraufhin einen Brief, in
dem er die Christen von Korinth eindringlich zur Einheit
mahnte. Die "schwarzen Lämmer" nannte
er trotz ihrer Verfehlungen "Heilige". Offenbar tat
er das im 1. Korintherbrief nicht, weil sie so tugendhaft waren,
sondern um sie an ihre ursprüngliche Berufung zu
erinnern, dem Evangelium gemäß zu leben.
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Störrisch und heilig
Im Alten Testament wird Israel ein "störrisches
Volk" genannt, das dennoch als "heilig"
bezeichnet wird. Die Kirche steht dem alttestamentlichen Gottesvolk
in diesem Punkt um nichts nach, wie sogar schon der 1. Korintherbrief,
vor allem aber die Kirchengeschichte zeigen. Der Papst hat mehrfach
in den vergangenen Jahren in Schuldbekenntnissen
dafür gebetet, dass Gott den Christen für die Irrwege
in der Kirchengeschichte vergeben möge. Dennoch ist im Apostolischen
Glaubensbekenntnis von der "heiligen" Kirche die Rede.
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Kein ethischer Hochleistungssport
Heilig sein bedeutet dementsprechend nicht in erster Linie, ethische
Höchstleistungen zu vollbringen. Wem das gelingt, hat es ohnehin
Gott zu verdanken und nicht seinem Ego. Heilig bedeutet vom Wort
her aber etwas anderes: "Herausgehoben" und berufen
zu sein, um einen Dienst an den anderen zu tun. In diesem
Sinne sind alle Christen "Heilige". Nicht,
weil sie so gut sind, sondern weil ihnen durch die Taufe die Verkündigung
des Evangeliums Jesu aufgetragen ist. |
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