Allerheiligen: 1. November
Allerseelen: 2. November

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Allerheiligen und Allerseelen in der Pfarre Stadlau ...

Allerheiligen - Allerseelen - Halloween?

Allerheiligen

Allerheiligen ist wie ein großes Erntefest; eine „Epiphanie von Pfingsten“ hat man es auch genannt. Die Frucht, die aus dem Sterben des Weizenkorns wächst und reift; sehen wir, bewundern wir, sind wir. Noch ist die Ernte nicht beendet; Allerheiligen richtet unsern Blick auf die Vollendung, auf das Endziel, für das Gott uns geschaffen und bestimmt hat. Noch seufzen wir unter der Last der Vergänglichkeit, aber uns trägt die Gemeinschaft der durch Gottes Erwählung Berufenen und Geheiligten; uns treibt die Hoffnung, dass auch wir zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangen werden. Und schon besitzen wir als Anfangsgabe den Heiligen Geist.
(Auszug aus: "Schott Messbuch")

Lesung (Offb 7, 2-4.9-14)

Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.

Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren 144.000 aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen: Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.
Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.

Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Entwicklung und Geschichte des Festes:

Das Fest wurde eingeführt, da es unmöglich war, jeden Heiligen an einem besonderen Tag zu feiern. Jährliche Gedenktage für Verstorbene - ob Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche" - gab es bereits im antiken Christentum. Es galt, bei der Fülle der Märtyrer nach den Verfolgungen, keinen zu vergessen.

In Zeiten der Verfolgung durch die römischen Kaiser galt besonderes Ansehen vor allem den Märtyrern, die für ihr christliches Bekenntnis ihr Leben geopfert hatten. Christen wollten sich in der Nähe der Märtyrergräber bestatten lassen. Bei der Auferstehung am Jüngsten Tag wollte man in ihrer Nähe sein. An der Stelle mancher Gräber von Märtyrern erbaute man später Kirchen.

In den östlichen Kirchen finden sich seit Anfang des 4. Jahrhunderts dann ausdrücklich Allerheiligenfeste, die allerdings als "Herrentag aller Heiligen" am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurden.
Die meisten orthodoxen Kirchen feiern den Allerheiligentag heute noch wie damals am 1. Sonntag nach Pfingsten. Das Pfingstfest, an dem die Herabkunft des heiligen Geistes gefeiert wird, gilt auch als "Geburtsfest" der Kirche. Daran anschließend die Gemeinschaft der Heiligen zu feiern, ist inhaltlich sinnvoll.

In der westlichen Kirche weihte Bonifatius IV. am 13. Mai 609 oder 610 das heidnische römische Pantheon in Rom - zuvor das Heiligtum der antiken Götterwelt – der "Jungfrau Maria und allen Heiligen" und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag nach Ostern.
Der Kirchweihtag dieser neuen christlichen Basilika war wahrscheinlich ein entscheidender Impuls für das Allerheiligenfest in der katholischen Kirche, das seit dem 7. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann.

Papst Gregor III. weihte schließlich eine Kapelle in der Basilika "St. Peter allen Heiligen" und legte daher für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November.
Ab dem 8. Jahrhundert beginnt sich - wahrscheinlich durch den Einfluss iroschottischer Wandermönche - das Allerheiligenfest vom gallischen Raum ausgehend der 1. November als Festtermin durchzusetzen. Bis heute ist er das Datum des Hochfestes geblieben.
Papst Gregor IV. legt 835 (839?) Allerheiligen für die gesamte Westkirche auf den 1. November fest.

Sind Sie heilig?

Weihrauchduft und Bildchen mit verklärten Gesichtern: Das verbinden viele mit den Heiligen und Seligen der Kirche. Zur Heiligkeit sind aber alle Christen berufen, auch wenn sie manchmal "schwarze Schafe" sind. Das wusste schon der Apostel Paulus.

Ziemlich ergrimmt war Paulus über Spaltungen und viele Verleumdungen unter den Christen von Korinth. Es war eine Gemeinde, die er selbst gegründet hatte. Paulus schrieb daraufhin einen Brief, in dem er die Christen von Korinth eindringlich zur Einheit mahnte. Die "schwarzen Lämmer" nannte er trotz ihrer Verfehlungen "Heilige". Offenbar tat er das im 1. Korintherbrief nicht, weil sie so tugendhaft waren, sondern um sie an ihre ursprüngliche Berufung zu erinnern, dem Evangelium gemäß zu leben.

Störrisch und heilig
Im Alten Testament wird Israel ein "störrisches Volk" genannt, das dennoch als "heilig" bezeichnet wird. Die Kirche steht dem alttestamentlichen Gottesvolk in diesem Punkt um nichts nach, wie sogar schon der 1. Korintherbrief, vor allem aber die Kirchengeschichte zeigen. Der Papst hat mehrfach in den vergangenen Jahren in Schuldbekenntnissen dafür gebetet, dass Gott den Christen für die Irrwege in der Kirchengeschichte vergeben möge. Dennoch ist im Apostolischen Glaubensbekenntnis von der "heiligen" Kirche die Rede.

Kein ethischer Hochleistungssport
Heilig sein bedeutet dementsprechend nicht in erster Linie, ethische Höchstleistungen zu vollbringen. Wem das gelingt, hat es ohnehin Gott zu verdanken und nicht seinem Ego. Heilig bedeutet vom Wort her aber etwas anderes: "Herausgehoben" und berufen zu sein, um einen Dienst an den anderen zu tun. In diesem Sinne sind alle Christen "Heilige". Nicht, weil sie so gut sind, sondern weil ihnen durch die Taufe die Verkündigung des Evangeliums Jesu aufgetragen ist.

Allerseelen

Der Allerseelentag am 2. November geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos vom Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt.
(Zitat aus: "Schott Messbuch")

Lesung (1 Thess 4, 13-18)

Schwestern und Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.
Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein.
Tröstet also einander mit diesen Worten!

Entwicklung und Geschichte des Festes:

Ansätze zu einem Allerseelentag gab es bereits im frühen Mittelalter. Der Tag Allerseelen am 2. November geht aber ganz konkret auf Abt Odilo von Cluny in Frankreich zurück. Von Odilo, der von 994 bis 1048 lebte, weiß man, dass er die Feier eines Gedächtnistages für alle verstorbenen Gläubigen nach dem Allerheiligenfest anordnete. Unter dem Einfluss des Reformklosters Cluny verbreitete sich dann der Allerseelentag sehr schnell in der gesamten Kirche.

Friedhofsgang

Aufgrund der staatlichen Feiertagsregelung hat sich das Brauchtum des tags darauf gefeierten Allerseelentages, auf das Allerheiligenfest verlagert. Niemals sonst im Jahr kommen so viele Menschen auf die Friedhöfe wie Anfang November. Das Bedürfnis, der verstorbenen Verwandten und Freunde zu gedenken, ist so alt wie der Mensch selbst. Der Allerseelentag ist aber nicht nur ein wertvoller Beitrag zur psychologischen Todesbewältigung für die Hinterbliebenen. Nach christlicher Überzeugung besteht eine Verbindung mit den Verstorbenen über den Tod hinaus. Deshalb wird in katholischen Gemeinden auch für die Toten gebetet, vor allem für die "armen Seelen im Fegefeuer", wie es in traditioneller Formulierung heißt.

Fegefeuer?

Die Lehre vom so genannten Fegefeuer ist Eigengut der katholischen Kirche. Orthodoxe und evangelische Kirche kennen diese Glaubenslehre nicht. Im Lateinischen ist vom "Purgatorium" die Rede, also von einem "Reinigungsort". Wer als Sünder stirbt, muss von Sünde gereinigt werden, um in den Himmel eingehen zu können. Nach alter Überzeugung ist der betende Beistand der Lebenden dabei eine Hilfe für die Verstorbenen.
Mit dem "Fegefeuer" ist im Grunde ein Teil des persönlichen Gerichts vor Gott gemeint: Im Tod begegnet der Mensch dem liebenden Gott, der ihn so annimmt, wie er ist. In dieser Begegnung kann der Mensch sich selbst ganz so erkennen, wie er wirklich ist. Alle Masken fallen, alle Verlogenheit wird abgelegt. Genau das aber ist ein schmerzlicher Moment, der wie Feuer "brennt", der den Menschen aber auch wahr und heil macht und ihn mit sich selbst, seinem Nächsten und mit Gott versöhnen kann.
Die schreckliche Möglichkeit, dass sich der Mensch in seiner eigenen Verlogenheit abkapselt und Gott, der ihm heilend nahen will, dadurch von sich stößt, nennt die Kirche "Hölle". Doch sie hofft, dass alle Menschen gerettet werden, wenn sie sich von Gottes brennender Liebe ergreifen lassen.

Halloween?

Am Vorabend des Allerheiligen-Festes, am 31. Oktober (eigentlich der Gedenktag für den hl. Wolfgang), hat sich Halloween auch in Europa durchgesetzt.
Neben den Wurzeln des Festes als Vorabend zum christlichen Fest (an dem es üblich war, wie bei Ostern und Pfingsten auch) Vigiliumsgottesdienste zu feiern, geht das Fest aber auch auf ältere heidnische Bräuche in Europa zurück. In der heutigen, aus Nordamerika zurückgekommenen Form hat es jedoch eine kommerzielle und säkularisierte Form angenommen.

"Süßes oder Saures!"
Halloween ist ein "herzlich wenig christliches Fest", wie das Internet-Lexikon verrät. Es sollte von Christen auch dementsprechend eingestuft - nämlich ignoriert werden. Christlichem Gedankengut widerspricht jedenfalls, anderen Schaden zuzufügen.


Dazu ein Auszug aus einer Stellungnahme von Kardinal Schönborn:

Es gibt wenige Bräuche, die in Österreich so tief verwurzelt sind wie der Gräbergang zu Allerheiligen/Allerseelen. Es ist ein guter Brauch. Wir erinnern uns an die Vergänglichkeit irdischen Lebens, denken im Gebet an unsere Verstorbenen und erbitten ihnen den ewigen Frieden.
Weniger bewusst ist uns die Bedeutung des Allerheiligenfestes.... alle diese "Freunde Gottes" gemeinsam zu feiern ... sich geborgen wissen in der großen "Familie Gottes" ...

Halloween, das sich bei uns galoppierend ausbreitet, scheint mir dagegen mit seiner Kürbis-Begeisterung ein hohles Fest zu sein. Was wird gefeiert, und wem hilft es, außer denen, die hier eine neue Marktnische entdeckt haben?

Spaß und Unterhaltung will ich nicht schlecht machen. Aber eine kritische Frage erlaube ich mir: Lenkt dieser ganze Maskenzauber nicht von dem ab, woran uns Allerheiligen/Allerseelen besonders erinnern soll: Dass wir sterblich sind und dass unsere Heimat "drüben" ist, in der Ewigkeit? Auf mich wirkt der stille Friedhofsgang "echter" und tröstlicher als der ganze Halloween-Wirbel.

Christoph Kardinal Schönborn