Lukas, der als Verfasser des dritten
Evangeliums und der Apostelgeschichte
gilt, war nach der Überlieferung in Antiochien in
Syrien als Heide geboren; nach Kol 4, 14 war er Arzt
und hat als solcher gewiss auch den Apostel Paulus behandelt.
Für sein Evangelium hat er als Quellen das Markusevangelium
und andere Überlieferungen benützt, dem Ganzen aber
sein persönliches Gepräge gegeben.
Er betont vor allem die Barmherzigkeit Gottes und die
Liebe Jesu zu den Armen und den Sündern; über
das Gebet und über den Heiligen Geist sagt Lukas mehr als
Matthäus und Markus.
|
|
In der Apostelgeschichte berichtet er mit
historischem Blick und literarischer Kunst über
die Anfänge des Christentums. Auch hier hat er verschiedene
Quellen benützt; zum guten Teil konnte er als Augenzeuge
berichten, da er Paulus auf der zweiten und der dritten
Missionsreise begleitete und auch während der römischen
Gefangenschaft in seiner Nähe war (vgl. Kol 4, 10-14; Phlm
24; 2 Tim 4, 11). Die liturgische Verehrung des
hl. Lukas ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt
(Zitat: "Schott
Messbuch")
Sein Gedenktag wird in allen christlichen Kirchen
am 18. Oktober begangen, nur in der armenischen Kirche am 20.
Oktober. Sein Attribut ist der Stier, als Symbol
für den Opfertod Christi. |
Evangelium Lk 10, 1-9
Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus
und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften,
in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist
groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn
der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich
sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche
und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr
in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und
wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr
ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.
Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet;
denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht
von einem Haus in ein anderes!
Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt,
so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind,
und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
|
|

|
Was wir von Lukas wissen:
Gemäß Irenäus, Eusebius, und Hieronymus ist
der Evangelist Lukas der gleichnamige Mitarbeiter des
Paulus (Phil 28), der in Kol 4,14 als Arzt und
lieber Freund bezeichnet wird, und der bei den
in der Apostelgeschichte berichteten Reisen des Paulus teilweise
dabei war (2. Tim 4,11). Die gleichen Autoren berichten,
dass dieser Lukas aus Antiochia in Syrien stammt.
Die neuere Forschung geht jedoch mehrheitlich
davon aus, dass der Autor des Doppelwerkes des Lukas und der Paulusbegleiter
nicht dieselbe Person waren. Dafür gibt es viele Anhaltspunkte,
so übernimmt beispielsweise der Autor nirgends spezifische
Theologie des Paulus in seine Schriften und die Erwähnung
des Namens des Paulusbegleiters wird nie mit dem Doppelwerk verbunden.
Auch berichtet vor allem die Apostelgeschichte oftmals
andere Details aus dem Leben des Paulus, als sie von
Paulus selbst in seinen Briefen berichtet werden.
|
Nach einer wesentlich jüngereren Tradition
gilt Lukas auch als der erste Ikonograph, der Bilder der
Jungfrau Maria und der Apostel Petrus und Paulus malte.
Lukas wird vereinzelt als einer der siebzig Jünger,
die Jesus aussandte, oder als einer der Emmausjünger
angesehen – dem widerspricht jedoch der Prolog des Lukasevangeliums,
wo er sich ausdrücklich nicht unter die Augenzeugen
zählt.
Die angeblichen Gebeine des Paulusbegleiters kamen am 3. März
357 nach Konstantinopel, danach in die Kirche
Santa Giustina in Padua, wo sie in einem Marmorsarkophag in einer
Seitenkapelle ehrenvoll bestattet wurden. Die eine Hälfte
des Kopfes befindet sich in Prag, die andere in Rom. |
 |
Lukas-Grab in
Padua
|
Am 17. September 1998 wurde erstmals seit ca. 600
Jahren der Sarg in Padua geöffnet und die Überreste wissenschaftlich
untersucht. Festgestellt wurde, dass in der Tat der Prager
Kopf und die Knochenreste aus Padua zusammengehören.
Anhand des genetischen Fingerabdrucks mit Vergleichsmerkmalen heutiger
Bevölkerungsgruppen deuten die Indizien auf eine orientalische
syrische Herkunft hin, genau wie die Bibel sie beschreibt.
Auch die Altersbestimmung ergab ein Alter von ca. 1900 Jahren. |
Lukas, der Evangelist:
Das Evangelium nach Lukas ist das dritte Buch
des Neuen Testaments der christlichen Bibel; es wird seit dem
Mittelalter in 24 Kapitel unterteilt. Es ist eines der
vier kanonischen Evangelien und wird zusammen mit dem
Matthäus-Evangelium und dem Markus-Evangelium zu
den synoptischen Evangelien gezählt.
Es ist anzunehmen, daß Lukas das Markus-Evangelium gekannt
und als Vorlage benutzt hat. Allerdings hat er (wie von ihm erwähnt)
eigene Quellenforschung betrieben und viel neues
hinzugefügt - auch mündliche Überlieferungen.
Zum Sondergut des Lukas gehören:
• Die Geburtsgeschichte Jesu - Kap.2
• Der verlorene Sohn (Kap.15,11-32)
• Die Auferweckung des Jünglings zu Nain (Kap.7,11-17)
• Der reiche Mann und der arme Lazarus (Kap.16,19-31)
• Der Zöllner Zachäus (Kap.19,1-10)
• Die Emmausjünger (Kap.24,13-35)
|
 |
Das Lukasevangelium war vorrangig
für die Unterweisung von Nichtchristen bestimmt.
Der Evangelist war bestrebt, Person und Wirken Jesu in
einen zeit- und weltgeschichtlichen Rahmen zu rücken;
auch seine Geschichte und Vorgeschichte der Geburt Jesu (Lukasevangelium
1, 1 - 2, 20) soll auf die universale Bedeutung Christi
hinweisen.
Die Apostelgeschichte zeigt, wie die Verkündigung
geradezu unaufhaltsam ins Herz- und Machtzentrum der damaligen
Welt, nach Rom , vorstieß. Wichtig war Lukas die
Betonung von gerechten sozialen Beziehungen, insbesondere
zwischen Armen und Reichen, das Bemühen um die Sünder
und Geächteten der Gesellschaft sowie Jesu Wohlwollen gegenüber
den Frauen.
Alle diese Erwägungen zusammengenommen lassen eine Abfassung
des Lukasevangeliums vor ca. 75 n. Ch. als sehr unwahrscheinlich
erscheinen. |
|