(lateinisch: Visitatio Mariae = Besuch Mariens)
An diesem Tag wird die Erinnerung an den Besuch Marias
bei Elisabet gefeiert. Die Heiligung Johannes‘
des Täufers im Mutterschoß (Lk 1, 41-44) und der
Gesang des Magnificat (Lk 1, 46-56) gehören
mit zum Inhalt des Festes.
Die Erinnerung an diese Ereignisse wurde in der Alten Kirche
nur im Rahmen der Adventsliturgie gefeiert. Erst der hl. Bonaventura
hat das heutige Fest 1263 im Franziskanerorden eingeführt
und auf den 2. Juli, den Tag nach der Oktav
Johannes‘ des Täufers, festgesetzt. 1389
wurde das Fest auf die ganze abendländische Kirche ausgedehnt.
Außerhalb des deutschen Sprachgebietes
wird es seit 1970 am 31. Mai begangen.
(Auszug aus: "Schott
Messbuch")
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Evangelium (Lk
1, 39-46)
Der Mächtige hat Großes an mir getan: er
erhöht die Niedrigen
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging
in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das
Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet
ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die
Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich
deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude
in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe
des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn
der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name
ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über
alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle
Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt
die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt
die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel
an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen
hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr;
dann kehrte sie nach Hause zurück.
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Mit den Worten Magnificat anima mea Dominum
(„Meine Seele preist den Herrn“) beginnt auf lateinisch
der psalmartige Lobgesang Marias, mit dem sie, nach der Ankündigung
der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel zu Besuch bei ihrer Base
Elisabeth, auf deren prophetischen Gruß antwortet.
Der Lobgesang Marias, das Magnificat, ist ihre
Antwort auf das, was ihr von Gott her geschehen und
in diesem Augenblick neu bewusst geworden ist.
Der Lobgesang aller Glaubenden Israels und der aller kommenden
Generationen fügt sich in dieses Danklied ein. Niedrigkeit
und Erhöhung, demütiger Glaube und das Hochgefühl
der Erwählung klingen im Leben und im Lied Marias
zusammen. Das Lied feiert die Größe Gottes, seine Macht,
seine Barmherzigkeit und seine ewige Treue.
Das Gebet erinnert vielfach an den Lobgesang der Hannah,
der Mutter des Propheten Samuel, der sich im Alten Testament in
1 Sam 2 findet. Moderne Deutungen unterstreichen gern die Stärke
Marias und den „revolutionären“ Aspekt
ihres Liedes.
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Das Magnificat gehört zu den Grundtexten
des Christentums. Im Stundengebet ist es der Höhepunkt
der allabendlichen Vesper, in der es gesprochen
oder gesungen wird (an Sonn- und Festtagen mit Weihrauch begleitet).
Viele Komponisten haben Magnificat-Vertonungen
geschrieben. Das früheste mehrstimmige Fragment stammt aus
der Mitte des 14. Jahrhunderts. Danach gab es namhafte Werke mit
diesem Titel von Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach,
Antonio Vivaldi, Carl Philipp Emanuel Bach, John Rutter
und vielen anderen. Manche Komponisten haben mehrere Versionen geschaffen,
angepasst an das Können der zur (Erst-)Aufführung vorgesehenen
Chöre bzw. Solisten. Bedeutend ist auch das Deutsche Magnificat
von Heinrich Schütz. |
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| Durch das schnelle
Wachsen des Franziskanerordens fand dieses Fest in der ganzen
Westkirche rasch Verbreitung. Unter Papst Pius V.
wurde der Festtag am 2. Juli in den allgemeinen
römischen Kalender aufgenommen. Da der 2. Juli acht Tage
(Oktoavtag) nach dem Geburtsfest Johannes des Täufers (24.
Juni) liegt, zog die nachkonziliare Liturgiereform
das Fest auf den 31. Mai vor, so dass es zugleich
zum Abschluss des traditionellen Marienmonats
wurde. Nur im deutschen Sprachraum und in der
evangelischen Ordnung wird es weiterhin am 2. Juli gefeiert.
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