Ostern und Pesach 01 / 282 22 44
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Christliches Ostern und jüdisches Pesach -
welche Gemeinsamkeiten verbinden die beiden Feste?

Sowohl das heutige Seder Pesach wie auch die Osternacht schöpfen aus der Tradition des Ersten Testaments und sind in dieser Hinsicht Nachfolger des Pesach der Bibel.

Die Entwicklung des jüdischen Pesach-Festes:

Beschreibungen der Feier des Pesach-Festes im Jahrhundert vor der Zerstörung des Tempels (70 n.Chr.) zu denen auch das Zweite Testament gehört, zeigen die überragende Rolle des Tempels als Wallfahrtsziel und als einzigen legitimen Ort an dem die Schlachtung der Tiere für das Pesach-Mahl stattfinden kann. Es gibt jedoch fast keine Informationen über die Gestaltung des Festes, das nach der Schlachtung im Tempel in den Privathäusern gefeiert wurde.
Nach dem es aus politischen Gründen nicht mehr möglich war gemäß der Tradition zu feiern (2. Jhdt. n.Chr.), schufen die Rabbiner den Kern der "Pesach-Haggada" (= Erzählung), die beim Fest vorgetragen wurde. Zu Beginn des 3. Jhdt. wurden in der "Mischna" (= Sammlung) Regeln festgelegt, die im "Talmud" kommentiert und weiterverarbeitet wurden. Die Gelehrten griffen dabei auf religiöse und gesellschaftliche Bräuche zurück: Über Speisen und Wein sprach man Segenssprüche, nach dem Auftragen der Gerichte wurden Diskussionen angeregt, wobei auch Regeln für das Gespräch festgelegt waren um die Unterhaltung in Gang zu bringen.
Um das 8. Jhdt. gab es erste Niederschriften der Haggada, die man bis ins Hochmittelalter noch durch Zusätze erweiterte. Die meisten Texte der heutigen Pesach-Erzählungen sind Früchte einer laufenden literarischen Entwicklung. Schwerpunkt der Haggada ist der Lobpreis Gottes für die Errettung des Volkes Israel aus Ägypten und die Hoffnung auf Gottes unvermittelten Beistand in alle Ewigkeit.

Die Entwicklung des christlichen Osterfestes:

Es ist nicht dokumentiert, wenn Christen begonnen haben, einmal im Jahr ein Osterfest zu feiern. Paulus verweist in seinen Briefen zwar auf Christus "als unser Paschalamm",  fordert aber nicht auf, im Andenken daran das Osterfest zu feiern. Der Gedächtnisauftrag Jesu beim Letzten Abendmahl wurde in der Feier des Herrenmahls am ersten Tag der Woche erfüllt.
Der älteste Text zur Tradition des christlichen Ostern aus dem 2. Jhdt greift ebenfalls nicht auf das Abendmahl Jesu, sondern auf die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis (Apg. 12) zurück. In späteren Jahrhunderten legten die Christen des Ostens Wert darauf, eine Feier in der Nacht des jüdischen Pesach zu begehen und verstanden dieses als "Anti-Pesach" im Gedenken an den Tod Christi. Erst im 4. Jhdt wurde die Enge zeitliche Bindung an das Pesach-Fest gelöst und der Ostersonntag (1. Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling) festgelegt.
Auf Basis der biblischen Berichte von der Auferstehung und den Jünger-Begegnungen Jesu drücken die Christen ihre Zukunftshoffnung in der Osternachtfeier im Besonderen aus durch den Ruf: "Christus ist erstanden!"

Zwei Feste aus der selben Tradition:

Die Texte der christlichen Eucharistie stehen in der selben Tradition, aus der auch die Pesach-Haggada entwickelt wurde. Der Seder Pesach und die drei österlichen Tage des Christentums haben sich aus der Tischliturgie, der Etikette bei antiken Festmählern und den Traditionen des Ersten Testamentes entwickelt.Mit einem gelegentlichen Seitenblick auf den je anderen entwickelten beide Religionen ihr Fest der Erinnerung an Befreiung bzw. Auferstehung, die den Glauben der Mitfeiernden und ihre Hoffnung für die Zukunft stärken.

Die Beziehung zwischen der Osternachtfeier und der Feier des Seder-Abends kann daher am besten mit dem Bild zweier "Schwestern" ausgedrückt werden.

Zusammengestellt von G. Jagenbrein

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