Thema April 2012 01 / 282 22 44
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Das Zweite Vatikanische Konzil - was es wirklich lehrt


"Zurück hinter das Konzil" - Wenn man über einen Katholiken etwas wirklich Böses sagen will, dann wirft man ihm vor, er wolle "zurück hinter das Konzil". Das scheint der schwerstmögliche Vorwurf zu sein, den man erheben kann. Alles andere tritt dagegen scheinbar in den Hintergrund: Die Leugnung zentraler Glaubensinhalte, wie jener der Gottheit Jesu, scheint dagegen zweitrangig. Jeder einzelne Artikel des Glaubensbekenntnis darf in Frage gestellt werden - jeder wird Verständnis dafür aufbringen. Wehe aber einer gerät in den Verdacht, "hinter das Konzil zurück zu wollen" - dann hört sich der Spaß auf.

Wenn man manchem "Kirchenreformer" zuhört, gewinnt man den Eindruck, im Konzil wäre das Ende des Zölibats und das Frauen-Priestertum festgelegt - und nur die reaktionäre Kirchenführung weigere sich, das umzusetzen. Grund genug, einmal einen genauen Blick auf die Konzilstexte zu werfen - und zu prüfen, was wirklich im Konzil festgelegt wurde.

II. Vatikanisches Konzil

Zunächst ist zu beachtetn, dass das II. Vaticanum eines von 21 Ökumensichen Konzilen ist. Aus der Tatsache, dass es das bislang letzte ist, ergibt sich natürlich eine besondere Bedeutung für die heutige Generation. Es ist aber ein Mythos, dass mit dem II. Vatikanischen Konzil eine neues Zeitalter der katholischen Welt begonnen hätte und man klar zwischen der "vorkonziliaren" und der "nachkonziliaren" Kirche unterscheiden müsse.

Das wäre die so genannte "Hermeneutik des Bruchs". Interessanterweise treffen einander hier die extremen Gruppen in der Kirche. Vorher war alles vormodern und daher schlecht, nach dem Konzil wurde alles gut ("Wir sind Kirche", "Pfarrerinitiative"). Oder umgekehrt: Vorher war alles gut und nachher war alles schlecht (Pius-Bruderschaft).


Papst Benedikt XVI. legt stattdessen Wert darauf, das Konzil mit den Augen der Tradition zu lesen und die Kontinuität in der kirchlichen Lehre über das Trennende zu stellen. Wer dem Konzil gehorsam sein will, "muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen, und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von dem der Baum lebt." Damit meint der Papst die "Hermeneutik der Kontinuität", eine Lesart der Konzilstexte, die nicht von einem Bruch zwischen "vorkonziliarer" und "nachkonziliarer" Kirche ausgeht, sondern das, was die Konzilsväter erklärten, in den theologischen Zusammenhang mit dem stellt, was seit jeher zum katholischen Glauben gehört.


Was aber lehrt nun das Konzil tatsächlich?

Die einzelnen Dokumente haben einen unterschiedlichen Grad der Verbindlichkeit. Die bedeutendsten Dokumente sind die "Dogmatischen Konstitutionen". Von diesen hat das Konzil zwei erlassen: "Lumen Gentium" (Licht der Völker) über die Kirche und "Dei Verbum" (Wort Gottes) über die Offenbarung. In ihnen werden Glaubenswahrheiten vertieft beziehungsweise Methoden definiert, wie mit den Quellen des Glaubens, etwa durch die Bibelexegese, umzugehen ist.

In "Lumen Gentium" will das Konzil klarstellen, dass der einzelne Gläubige nicht der Kirche gegenüber steht, sondern selber Kirche ist. Das Konzil bekräftigt die hierarchische Verfassung der Kirche und erteilt damit jedem basisdemokratischen Modell eine Absage.

II. Vatikanisches Konzil

Die Dogmatische Konstitution "Dei Verbum" ist ein Schlüsseltext des Konzils. Sie bekräftigt die Lehre der Kirche, dass die Evangelien, "deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat." Dank der Selbstoffenbarung Gottes sei es auch heute möglich, "mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung von Irrtum" zu erkennen, was es mit Gott auf sich hat.

Die Konstitution "Sacrosanctum Concilium" legt die Grundsätze für die Erneuerung und Förderung der Liturgie fest. Die Muttersprache soll in den mit den Gläubigen gefeierten Messen bei den Lesungen, den Fürbitten und den dem Volk zukommenden Teilen ein gebührender Raum zugeteilt werden. Aber es soll auch Vorsorge getroffen werden, dass die Gläubigen ihre Gebete auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können. Von der Einführung von Volksaltären ist in der Liturgie-Konstitution nicht die Rede.

Konzilseröffnung

Das Konzil gibt auch klare - wenn auch vielleicht manchmal überraschende - Antworten auf Fragen, die in der Kirche häufig und gerne diskutiert werden. So sagt das Dekret über Dienst und Leben der Priester "Presbyterorum Ordinis" zum Thema "Zölibat": "Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. Die priesterliche Sendung ist nämlich gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, ...".

Auch jene Priester, die meinen zum Ungehorsam aufrufen zu müssen, können im II.Vatikanum fündig werden: "Die Hirtenliebe drängt also die Priester dazu, in dieser Gemeinschaft zu handeln und darum den eigenen Willen gehorsam in den Dienst für Gott und die Brüder zu stellen, indem sie gläubig annehmen und ausführen, was der Papst und der eigene Bischof sowie andere Vorgesetzte vorschreiben oder nahelegen, ... Solcher Gehorsam führt zu einer reiferen Freiheit der Kinder Gottes." Wenn sich also der "Aufruf zum Ungehorsam" der Pfarrerinitiative überhaupt auf etwas berufen kann, dann sicher nicht auf das II. Vatikanische Konzil.

In diesem Jahr wird der 50. Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils begangen. Und es ist tatsächlich so, dass es ein "bleibendes Zeichen Gottes für unsere Zeit" ist, wie Papst Benedikt XVI. vor kurzem gesagt hat. Allerdings muss man seinen Inhalt auch kennen und darf nicht etwas hinein interpretieren, was nicht drinnen steht.


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Quellen: Komma Magazin, Nr. 89-90/2012

(Josef Falk)