Thema März 2012 01 / 282 22 44
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Organspende - ein Akt der Nächstenliebe?


Der Fortschritt der Medizin hat es möglich gemacht, Organe zur Lebensrettung, zur Lebensverlängerung oder zur Verbesserung der Lebensqualität Schwerkranker zu verpflanzen. Viele Erkrankungen, die früher schicksalshaft hingenommen werden mussten, können auf diese Weise geheilt oder gelindert werden.

Operation

Also ist die Organtransplantation uneingeschränkt eine gute Sache? Oder gibt es doch auch Bedenken? Auf jeden Fall stellen sich neue ethische Fragen: Wie soll die menschliche Verantwortung im Zusammenhang mit Organverpflanzungen wahrgenommen werden? Wer trägt diese Verantwortung?

Außer bei der so genannten Lebendspende (z. B. Nieren) werden zu verpflanzende Organe einem Toten entnommen. Als Kriterium für den Tod eines Menschen gilt der "Hirntod". Der Begriff bezeichnet das irreversible Ende aller Hirnfunktionen aufgrund von weiträumig absterbenden Nervenzellen, auch wenn der Kreislauf mit künstlichen Mitteln noch aufrecht erhalten wird.


Aber ist der Mensch wirklich tot, wenn der Hirntod eingetreten ist? Experten melden Zweifel an. Es habe sich gezeigt, dass das integrierte Funktionieren des Körpers "nicht unbedingt kurz nach Eintritt des Hirntods aufhöre". So seien Spannen von mindestens einer Woche bis zu 14 Jahren beobachtet worden. Manche Mediziner sehen daher Organentnahme von Hirntoten sogar als Tötung an.


Wie ist die rechtliche Lage für eine Organspende? Welche Möglichkeit hat der einzelne, darüber zu entscheiden, ob er im Fall des Falles zum Organspender wird? Hierin unterscheiden sich Deutschland und Österreich wesentlich. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz ist eine Organspende nur dann zulässig, wenn der Verstorbene vor seinem Tod eine entsprechende Zustimmung gegeben hat (z. B. in Form eines Organspenderausweis) oder, falls das nicht nachprüfbar ist, ein nächster Verwandter seine Zustimmung gibt. Liegt eine derartige Zustimmung nicht vor oder ist der mutmaßliche Wille des Verstorbenen unklar, wird in der Regel keine Organentnahme vorgenommen. Kritiker bemängeln, dass durch eine derartige Regelung zu wenig Organspender bereitstünden, da viele spendebereite Bürger dies nicht zu Lebzeiten dokumentieren.

Organspendeausweis

Im Gegensatz dazu gilt in Österreich eine Widerspruchsregelung: Das bedeutet, dass jeder im Falle des Todes automatisch in die Organspende eingewilligt hat, es sei denn er hat dem vorher ausdrücklich widersprochen. Bei dieser Lösung wird kritisiert, dass zu viele Menschen, die eigentlich nicht bereit sind zu spenden, dies jedoch nicht dokumentieren oder sich in eine entsprechende Kartei eintragen lassen, zu unfreiwilligen Spendern werden. Eine Organentnahme ohne Zustimmung würde demnach gegen die Würde des Verstorbenen verstoßen.

Aus christlicher Sicht gibt es keine Einwände gegen die Organspende - wenn gewisse Kriterien erfüllt sind. Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert dies folgendermaßen (2296): "Organverpflanzung ist sittlich unannehmbar, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht im vollen Wissen ihre Zustimmung gegeben haben. Sie entspricht hingegen dem sittlichen Gesetz und kann sogar verdienstvoll sein, wenn die physischen und psychischen Gefahren und Risiken, die der Spender eingeht, dem Nutzen, der beim Empfänger zu erwarten ist, entsprechen. Die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, ist selbst dann sittlich unzulässig, wenn es dazu dient, den Tod anderer Menschen hinauszuzögern."


Die katholische Kirche hat sich schon recht früh mit dem Thema der Transplantation beschäftigt. Papst Pius XII (1939-1958) hat vor fast 60 Jahren zu rechtlichen und sittlichen Fragen der Hornhautübertragung Stellung genommen. Dies war wohl das erste in die medizinische Praxis eingeführte Verfahren der Organtransplantation. Pius XII schreibt, dass "ein einzelner über seinen Leichnam verfügen und ihn zu nützlichen, moralisch einwandfreien und selbsterhabenen Zwecken (u.a. um kranken und leidenden Menschen zu helfen) bestimmen kann. Man kann eine solche Entscheidung über den eigenen Leib in vollem Bewusstsein der Achtung, die ihm gebührt, (...) treffen." Diese Entscheidung sei positiv zu beurteilen.

Und auch Papst Johannes Paul II meinte im Jahr 1991, dass "die in ethisch annehmbaren Formen durchgeführte Organspende besondere Wertschätzung verdient, um Kranken, die bisweilen jeder Hoffnung beraubt sind, die Möglichkeit der Gesundheit oder sogar des Lebens anzubieten."

Papst Pius XII

Was ist Ihre Meinung?

  • Gibt es eine moralische Verpflichtung, zu Lebzeiten einer Organentnahme nach dem Tod zuzustimmen?
  • Würden Sie einen Organspenderausweis beantragen, wenn das in Österreich erforderlich wäre?
  • Hätten Sie Bedenken, dass unter Umständen nicht alles zur Rettung Ihres Lebens getan wird, falls Sie als Organspender in Frage kämen?

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Quellen: Kardinal Lehmann
Dominikanerprovinz St. Albert
taz.de
DocCheckFlexikon

(Josef Falk)