Thema Februar 2012 01 / 282 22 44
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Zeitenwende und die Folgen


"Wir sehen heute, dass die Konstantinische Zeit der Kirche zu Ende ist", so sagte Kardinal Schönborn bei der Vorstellung des Programms 'Apostel 2.1' - "diese Ära war geprägt von der Idee der Staatsreligion, in die man hineingeboren wird und sein Leben lang bleibt". Unter dem römischen Kaiser Konstantin wurde das Christentum im 4. Jahrhundert zunächst gleichberechtigte Religion und später sogar Staatsreligion. Diese Zeiten seien nun jedoch vorbei.

Verdeutlicht wird diese Analyse durch das Beispiel des Stadtdekanats 10. Von den 177.000 Menschen, die dort leben, sind noch knapp 60.000 Katholiken. Von diesen feiern an einem normalen Sonntag nur 2000 die Messe mit. Das Problem ist also der "Gläubigenmangel" und nicht der Priestermangel.

Kaiser Konstantin

Auf diese Situation wird nun in der Erzdiözese Wien mit dem Programm "Apostel 2.1" reagiert. Im Rahmen dieses Programms hat das Stadtdekanat Favoriten den Auftrag bekommen, sich neu aufzustellen, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden.

Wappen Favoriten

Im Einzelnen muss dieser Reformplan folgende Punkte erfüllen:

  • Jede Pfarre muss mindestens 4000 Katholiken umfassen. In Favoriten sind davon 15 Pfarren betroffen. Kardinal Schönborn betont jedoch, dass diese Vorgabe nur für Favoriten gilt. Anderswo könnten die Reformkriterien "völlig anders" sein.
  • Favoriten muss mit einem Viertel weniger Seelsorger auskommen. Derzeit hat jede der 15 Pfarren ihren eigenen Pfarrer. Dazu kommen 7 Kapläne und ein Diakon.
  • Betriebskosten für Pfarrhöfe dürfen künftig maximal ein Fünftel der in der Pfarre erwirtschafteten Einnahmen (der Kirchenbeitrag wird dabei nicht berücksichtigt) ausmachen. Die Diözese wird kein Geld mehr für die Instandhaltung der Kirchen zuschießen. Dadurch soll wirtschaftliches Bewusstsein in den Pfarren geschaffen werden.
  • Sowohl weltliche Gebäude als auch Kirchen, die nach diesen Kriterien nicht erhalten werden können, werden von der Diözese "einer anderweitigen Nutzung zugeführt", heißt es in den Vorgaben.
Kardinal Schönborn

Sicher gestellt soll sein, das "jeder Katholik seine Heimatpfarre hat", sagt Kardinal Schönborn - jedoch seien weder deren Grenzen noch Kirchenstandorte in Stein gemeißelt. Es wird damit explizit nicht ausgeschlossen, dass es auch zu weiteren Verkäufen bzw. Schenkungen von Kirchen kommen kann.

Im Frühsommer 2011 wurde ja schon die Pfarrkirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche übergeben, was zu Protesten der dortigen Pfarrgemeinde geführt hat.

Es geht jedoch nicht nur um die Kosten, also ums Geld. Die Strukturreformen sollen stets unter der Vorgabe eines missionarischen Aufbruchs und neuer pastoraler Initiativen stehen. So ist im Projektauftrag auch enthalten, dass "viele vielfältige kleine christliche Gemeinschaften vor Ort" gegründet und begleitet werden sollen.

Zweifellos muss sich der massive Glaubensverlust in der Gesellschaft auch in den kirchlichen Strukturen auswirken. Es kann nicht die gleiche Infrastruktur aufrecht erhalten werden, wie in den Zeiten, als praktisch jeder Kirchenmitglied war. Es ist klar, dass das auch mit dem Abschied vom Bekannten und Gewohnten verbunden ist, wie auch Kardinal Schönborn betont. Es bedeutet den Abschied von Volkskirche, die viele in ihrer Kindheit kennengelernt haben und die uns als Heimat ans Herz gewachsen ist. Es ist ein Schritt ins Ungewisse.

Aber jede Krise ist auch eine Chance. In diesem Fall hat die Kirche die Chance, wieder das Wesentliche in den Mittelpunkt zu setzen: Es geht um die Wahrheit über die Welt, es geht um den Sinn unseres Daseins, es geht um das Leben - das ewige.


Wie ist Ihre Meinung?

  • Wie wird sich die von Kardinal Schöborn angesprochene "Zeitenwende" wirtschaftlich auswirken?
  • Wie soll die Kirche darauf reagieren?
  • Wird es auch zum Verkauf/zur Schließung von Kirchengebäuden kommen (müssen)?
  • Wie könnte sich die Entwicklung, die jetzt im Dekanat Favoriten Gestalt annimmt, auf das Dekanat Donaustadt auswirken?

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Quellen: Thema Kirche
kath.net
Die Presse

(Josef Falk)