Thema Dezember 2011 01 / 282 22 44
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Entweltlichung der Kirche


Vier Tage, vom 22. bis 25. September, besuchte Papst Benedikt XVI. sein Heimatland Deutschland. 61000 Gläubige bei der Messe im Berliner Olympiastadion, 90000 bei der Marianischen Vesper an der Wallfahrtskapelle Etzelsbach, 28000 Menschen am Domplatz in Erfurt, 29000 Jugendliche bei der Vigil in Freiburg, 100000 jubelnde Gläubige bei der Heiligen Messe in Freiburg. Alleine diese Zahlen sprechen für sich.

Diskussionen, aber auch Ratlosigkeit, ausgelöst und wohl auch bleibende Bedeutung hat vor allem ein Wort des Papstes: "Entweltlichung".

Wörtlich sagte Benedikt XVI. bei einer Rede vor 1500 Gästen im Freiburger Konzerthaus: "Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst am Nächsten wieder unbefangener leben." Und weiter: "Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln." Der Papst betonte: "Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen."

Papstmesse in Berlin

"Die Weltlichkeit der Kirche beherzt ablegen." Wie ist das zu verstehen? Es gibt auf der einen Seite die Befürchtung, dies solle zu einer Rückkehr zu einer Kirche führen, in der verstärkt wieder die Kleriker eine alles bestimmende Rolle spielen sollen.

Kreuz

Die Meinung, dass mit "Entweltlichung" ein Rückzug der Kirche aus der Welt gemeint sein könnte, wird durch die Worte des Papstes selbst widerlegt: Es geht darum, "wirklich weltoffen" zu sein und den "Dienst am Nächsten wieder unbefangener" zu leben.

Es gibt wahrscheinlich keine einfache Antwort darauf, was denn nun mit "Entweltlichung" genau und ganz konkret gemeint ist. Aber es geht wohl darum, zum Kern der apostolischen Sendung zurückzukehren, so wie es im Markusevangelium beschrieben ist. "Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen."


Eben dieses apostolische Zeugnis wird aber immer wieder durch die Ansprüche und die Sachzwänge der Welt verdunkelt und die Botschaft, die dahintersteht, relativiert.


Der Sinn der Kirche im Verständnis des Papstes ist es, "Werkzeug der Erlösung" zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln". Genau das soll sie aber eben nicht im Verborgenen tun. "Die Kirche muss sich immer wieder neu den Sorgen der Welt öffnen und sich ihnen ausliefern". Dafür dürfe sich die Kirche aber nicht selbstgenügsam in dieser Welt einrichten und sich den Maßstäben dieser Welt angleichen. Die ureigenste Aufgabe der Kirche - die Verkündigung des Glaubens - müsse unverstellt durch wirtschaftliche Zwänge und politische Abhängigkeiten erfüllt werden. Die Lösung von diesen wirtschaftlichen Zwängen und Abhängigkeiten - das ist Entweltlichung.

Benedikt XVI. in Freiburg

Im Rückblick auf die Geschichte stellt der Papst fest, dass die verschiedenen Epochen der Säkularisierung oft eine heilsame Wirkung auf die Kirche gehabt hätten. Sie hätten zu ihrer Läuterung und innerer Reform wesentlich beigetragen. Die Enteignung von Kirchengütern oder die Streichung von Privilegien hätten jeweils eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche bedeutet.

Es bleibt jedoch die Frage, was das Wort von der "Entweltlichung" für die Kirche ganz konkret bedeutet. Was bedeutet es für die nicht unwesentlichen Kunstschätze, die im Besitz der Kirche sind? Was bedeutet es für das Kirchensteuer/-beitragssystem der österreichischen und der deutschen Kirche? Was bedeutet es für die Finanzierung der Kirche überhaupt?

All diese Fragen wird die Zukunft beantworten. Die Rede des Papstes im Freiburger Konzerthaus hat jedenfalls das Zeug, eine wahre Reform der Kirche einzuläuten, die nicht an Äußerlichkeiten hängen bleibt.


Wie denken Sie darüber?

  • Was kann das Wort von der "Entweltlichung" für die Kirche bedeuten?
  • Wird sie sich von Kunstschätzen trennen?
  • Wird sie sich aus Aufgaben wie Schulen, Kindergärten etc. zurückziehen?
  • Was glauben Sie, wie kann eine Entweltlichung der Kirche geschehen?

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Quellen: liborius.de
Christ & Welt
kath.net

(Josef Falk)