Thema August 2011 01 / 282 22 44
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Südsudan - eine neue Chance in Afrika?


Von der österreichischen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt und in den Medien relativ wenig berichtet, ist am 9. Juli 2011 ein Ereignis eingetreten, das die weitere Geschichte des geplagten afrikanischen Kontinents nicht unwesentlich beeinflussen könnte: Es gibt einen neuen Staat.

Der Süden des Sudan hat sich vom Norden abgespalten und einen neuen Staat gebildet: die "Republik Südsudan".

Wappen des Südsudan

Seit dem 9. Juli 0:00 Uhr Ortszeit ist der Südsudan unabhängig und somit der 54. Staat Afrikas. Basis für die Unabhängigkeit ist eine Volksabstimmung, die zwischen dem 9. und dem 15. Jänner dieses Jahres stattfand. Dabei votierten 99 Prozent der Bewohner des Südens (3,8 Millionen Wähler) bei einer Wahlbeteiligung von 99 Prozent für die Unabhängigkeit. Aber auch im Norden stimmten 58 Prozent für die Unabhängigkeit des Südens. Dieses Referendum war Bestandteil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005 zwischen den verfeindeten politischen Kräften des Landes, die einen blutigen Bürgerkrieg gegeneinander geführt hatten.

Die beiden Landesteile sind kulturell und ethnisch sehr unterschiedlich. Während der Norden von einer arabisch sprechenden, muslimischen Mehrheit geprägt wird, hängen die schwarzafrikanischen Bewohner des Südens mehrheitlich dem Christentum an.

Nil-Boot

Als das Land 1956 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, standen sich zwei wirtschaftlich ungleich entwickelte und kulturell gegensätzliche Landesteile gegenüber. Der Konflikt zwischen Norden und Süden flackerte erneut auf, als 1983 das islamische Recht, die Scharia, für den ganzen Sudan, also auch für den christlichen Süden, eingeführt wurde. Im Süden brach ein Bürgerkrieg aus. Der Sudan wurde zunehmend in einen islamischen Staat umgewandelt. Obwohl die Anwendung der Scharia in den christlichen Gebieten des Südens aufgehoben wurde, kehrte dort keine Waffenruhe ein.

Am 9. Jänner 2005 wurde schließlich ein Friedensabkommen unterzeichnet und der Nord-Süd-Bürgerkrieg formell beendet. In diesem Friedensabkommen wurde ein Referendum vereinbart, in dem über den Verbleib oder die Abspaltung des Südens vom Norden bestimmt werden sollte.


Falls die Selbstständigkeit tatsächlich dazu führt, die kriegerischen Handlungen zu beenden, wird dem neuen Staat großes Potenzial zugeschrieben. Für lange Zeit wurde der Südsudan "Brotkorb Afrikas" genannt, und ohne Kriege könnte er wieder dazu gemacht werden. Große Möglichkeiten werden aber auch im Tourismus gesehen. Wunderbare und noch unberührte Flusslandschaften mit einer bisher geschonten Tierwelt könnten bald Besuchern aus aller Welt offen stehen.


Kritisch sieht der nordsudanesische Bischof Macram Gassis die Lage: Er befand sich auf Einladung des Hilfswerks "Kirche in Not" in Österreich.

Bischof Gassis sieht die Gefahr einer rigiden Einschränkung der Religionsfreiheit im Sinne des Islamismus, Bombardements in den Konfliktzonen Süd-Kordofan. Abyei und Darfur, sowie Massenausweisungen von Südsudanesen, die als "illegale Ausländer" angesehen würden.

Bischof Gassis

Schon derzeit würden im Nordsudan die letzten Christen aus hohen politischen Funktionen durch regimetreue Muslime ersetzt. Für die Kirche werde insbesondere der Exodus Zehntausender Südsudanesen aus Khartum ein schwerer Schlag sein. Der Bischof gab zu erkennen, dass er selbst kein Anhänger einer Teilung des Sudan ist.

Fluch oder Segen? Was die Teilung bringt, das wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall ist sie eine Chance, die kriegerischen Handlungen zu beenden, einen Pfad der Entwicklung einzuschlagen und das durchaus vorhandene Potenzial dieses Kontinents zu nutzen. Wie dringend notwendig das ist, zeigt gerade auch die aktuelle Dürrekatastrophe - gar nicht so weit weg vom nunmehr geteilten Sudan.


Was denken Sie?

  • Worin liegen die Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme Afrikas?
  • Ist es nur das Klima, das diesen Kontinent benachteiligt?
  • Welchen Einfluss hat die Politik auf die Entwicklung Afrikas?
  • Wie können die europäischen Länder unterstützen?

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Quellen: Spiegel online
tagesschau.de
kath.net

(Josef Falk)