Thema Juli 2011 01 / 282 22 44
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Das katholische Abenteuer


"Das katholische Abenteuer" - so heißt das neue Buch des "Spiegel"-Journalisten Mattias Matussek. Dieser Autor machte bereits im Vorjahr von sich reden, als der nicht gerade als religionsfreundliche "Spiegel" seine Titelgeschichte über die Sünde veröffentlichte.

"Katholisch" und "Abenteuer" - wir tun uns schwer, diese beiden Begriffe als zusammengehörig zu empfinden. Die Zeit ist noch nicht lange zurück, als es in unseren Breiten selbstverständlich war, katholisch zu sein. Und auch heute ist es noch die Mehrheit - zumindest auf dem Papier. Geht es jedoch um die Inhalte, dann stellt sich die Sache schon wieder anders dar.

Das katholische Abenteuer

Es ist eine Herausforderung geworden, seinen Glauben zu bekennen. Wem fällt es leicht, öffentlich zu sagen: "Ja, ich glaube an Gott." - und das ohne den Zusatz "aber eh nicht so, wie das die Kirche sagt"? So ist es nicht nur bei dieser grundsätzlichen Frage, sondern bei jeder einzelnen Zeile des Glaubensbekenntnisses.

Gott der Schöpfer des Universums? Ja, aber nur wenn sich dieser Glaube der Evolutionstheorie unterordnet. Auferstehung von den Toten? Naja, irgend etwas wird es nach dem Tod schon geben. Geboren von der Jungfrau Maria? Davon wollen wir gar nicht reden.

Matthias Mattusek

Wie erfrischend klingt da das "Ich bin katholisch, und das ist auch gut so." des Autors Mattias Matussek. Ihn öde die "Bekenntnisarmut" an, schreibt er. Er spricht vom "Thrill der Wahrheit" und zitiert den Boxer Muhammad Ali: "Ich sage die Wahrheit, einfach weil sie spannender ist." Und sie ist wahrlich spannend, die von Gott offenbarte Wahrheit. Aber "Wahrheit"? Auch dieses Wort darf man nicht in den Mund nehmen - das "Wahrheitsmonopol" der monotheistischen Religionen sei ja ein Übel - so sagt es uns der Zeitgeist.

"Das katholische Abenteuer" besteht nach Matussek schon darin, sich zum entsprechenden Verständnis von Sünde und Erlösung zu bekennen. Und so exerziert er anhand der sieben Todsünden durch, was falsch läuft in dieser Welt. Der Begriff "Sünde" sei auf den Nasch-Verstoß gegen Diätvorschriften reduziert worden, ist er enttäuscht und stellt klar: "Nach jüdischer, christlicher und islamischer Definition sündigt derjenige, der sich von Gott entfernt hat."


Wie es dem Titel entspricht, setzt sich Matussek in provokanter Art und Weise mit allen aktuellen Streitpunkten in der katholischen Kirche auseinander. Und er stellt Fragen: "Kann es sein, dass die Gläubigen wegbleiben, weil den Kirchen im mittlerweile schalen Reformeifer der letzten Jahrzehnte zunehmend das Geheimnis, die Liturgie, die Andacht, auch: die Würde, abhandengekommen sind?" Bei einem Talk der "Gemeinschaft Emmanuel" in Wien präzisiert Matthias Matussek: " Ich möchte in der Kirche nicht den Alltag verhandelt sehen, sondern Andersweltlichkeit erleben." Der Gedanke, dass es um das Heilige geht, sei verloren gegangen. "Wenn wir nicht aufpassen, wird die Entzauberung so weit gehen, dass sich die Menschen fragen, warum sie überhaupt noch zur Kirche gehen sollen." Alltägliches erleben sie schließlich zu Hause auch.


Der sich selbst als "frommer Agnostiker" bezeichnende bekannte Mathematiker und Wissenschafter Prof. Rudolf Taschner ergänzt bei dieser Veranstaltung: Er vermisse die "Bewahrung des Geheimnisses und der Sehnsucht in der kirchlichen Verkündigung." Die Pflege des Lateins in der Liturgie sei etwa ein Moment solcher Pflege des Außergewöhnlichen. "Ich habe nicht verstanden, warum das Latein in der Liturgie abgeschafft worden ist.", so Prof. Taschner.

Hart ins Gericht geht Matussek auch mit jenen 144 Theologieprofessoren, die in einem Memorandum "aus Sorge um die Kirche" den sattsam bekannten Reformkatalog einmahnten, also eine Aufhebung des Zölibats, Priesterweihe für Frauen, den Segen für schwule Lebensgemeinschaften und die Basisdemokratie bei der Bestellung von Bischöfen und Priestern. "Eigentlich verlangen sie den Protestantismus", so Matthias Matussek. Und weiter: "Aber den können die Protestanten doch einfach besser, Was wir können, ist die Gegenwelt, wenn wir es noch können: die Gestalt des antibürgerlichen Priesters; das Myterium, die Liturgie, die Begegnung mit Christus in der heiligen Wandlung, in der Transsubstantiation, die Beichte, die Marienandacht, das Hochamt mit Weihrauch und Weihwasser und Liederjubel."

Rom

Matthias Matussek provoziert zweifelsohne mit seinem Buch. Man mag zu einzelnen Positionen seine oder eine andere Meinung vertreten. Aber das offensive Selbstbewusstsein, mit der er seine Überzeugung vertritt - ohne Rücksicht auf den Zeitgeist und das, was man "politische Korrektheit" nennt, das täte der Kirche und uns Gläubigen sehr gut - es käme tatsächlich einem Abenteuer, einem katholischen Abenteuer, gleich.


Was ist Ihre Meinung?

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  • Sollte die katholische Kirche die für sie typischen Eigenschaften eher betonen oder eher in den Hintergrund treten lassen?

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Quellen: Gemeinschaft Emmanuel
Christliches Medienmagazin PRO
Deutschlandfunk

(Josef Falk)