Thema Juni 2011 01 / 282 22 44
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Die Anfänge des christlichen Mönchtums


Es war phänomenal: Wie ein Sturm wirbelte das Ideal des Mönchtums durch die Spätantike. Innerhalb weniger Jahrzehnte lebten Zehntausende junger Männer und Frauen in Einsiedlergemeinschaften oder Klöstern. Sie wenden sich von der Welt ab, unterwerfen sich strengen Regeln, geben allen Besitz weg, opfern ihre Karriere, akzeptieren, dass sie mit niemandem sprechen dürfen, ernähren sich von Kräutern, lassen sich in Hütten einmauern, sitzen auf Säulen, kämpfen in der Einsamkeit mit Dämonen ihrer Seele.

Die Anfänge dieser Bewegung liegen, so wie es oft bei Anfängen ist - im Dunkeln. Am Anfang aller Literatur über das frühe Mönchtum steht die "Vita Antonii", die Lebensbeschreibung des Einsiedlers Antonius. Ein Freund und Bewunderer, Patriarch Athanasius, verfasste sie bald nach dem Tod des Heiligen im Jahr 365. Antonius war ein Großgrundbesitzer im mittelägyptischen Dorf Kome. Nach dem Tod seiner Eltern löste er sich allerdings von seinem Besitz und verschenkte das Land an seine Nachbarn. Um 270 zieht sich Antonius an den Rand seines Heimatdorfs zurück. Später hauste er in einem verlassenen Grab, das tiefer in der Wüste lag. Der dritte Schritt führte ihn auf einen Berg, wo er sich auf einer verlassenen Befestigungsanlage niederließ.

Antoniuskloster

Es wollten ihn so viele Menschen sehen, dass sich zahlreiche Mönchsgemeinschaften bildeten, die er regelmäßig unterwies.

Wie Antonius zur Symbolfigur des Eremitenlebens wurde, so steht Pachomius für den Beginn des klösterlichen Gemeinschaftslebens. Er gründete eine Klostergemeinschaft, der er feste Regeln gab und schuf somit eine Institution, die das gesamte Mönchtum prägen sollte.

Pachomius

Mitte des 4. Jahrhunderts tauchen Mönche überall in der Mittelmeerwelt auf: in Kleinasien, in Syrien und im Heiligen Land, aber auch in Spanien, Gallien und Italien. Ihre Zahlen gehen in die Zehntausende. "Die größte Jugendbewegung der Antike" - stellt der Nestor der Spätantikenforschung, Peter Brown, fest.

Vor allem Jesus selbst wurde zum Modell. Weniger durch sein vierzigtägiges Fasten als durch seine ehelose Lebensform. Durch seine Nachfolgeworte fühlten sich viele junge Leute angesprochen, ihre Familie zu verlassen, Berufe aufzugeben und bereit für ein ungesichertes Leben zu sein. Der Verzicht auf die Ehe nimmt gewissermaßen das Leben nach der Auferstehung vorweg.

Den ehelos lebenden Apostel Paulus - der angesichts der Vergänglichkeit der Welt die Ehelosigkeit höher einschätzte als die Ehe (2 Kor 7,29-31) - aber auch die anderen Apostel nahmen die ersten Mönche in ihren Stammbaum auf.


Was aber genau führte zu dieser Bewegung?


Einer der Gründe mag im desolaten Zustand mancher christlichen Gemeinde gelegen sein. Schon lange vor der Konstantinischen Wende nahm die Kirche volkstümliche Züge an. Hippolyt beschreibt die Christen von Rom um 220 als eine Gemeinde, die wegen ihrer laxen Moral großen Zulauf hatte. Andere Großstadtgemeinden boten ein ähnliches Bild. Im 4. Jahrhundert verstärkte sich diese Tendenz durch die offizielle Förderung, die das Christentum nun genoss. Die zunehmende Zahl von Scheinchristen dürfte nun auch dem Gemeindeleben einen eher mittelmäßigen Charakter gegeben haben. Hieronymus spricht - nicht zufällig in einer Mönchsvita - vom "Verfall" des Christentums. Es habe seit Beginn der staatlichen Förderung "an sittlicher Kraft abgenommen". In dieser Situation sahen viele junge Männer und Frauen keine andere Möglichkeit, ihr Christentum zu leben, als in die Wüste zu gehen.

Eremiten

Diese Entwicklung gibt Anlass zur Hoffnung. In einer Krisenzeit der Kirche kommen von unerwarteter Seite Entwicklungen, die der Kirche neues Leben verheißen.

Sprechen nicht auch heute viele von einer Krise der Kirche - ebenso wie dies bereits im 4. Jahrhundert der Fall war? Wir dürfen darauf hoffen, dass auch heute - in unserer Situation - die Trendwende kommen wird - wie immer auch diese aussieht.


Was ist Ihre Meinung?

  • Sein ganzes Leben in den Dienst Gottes stellen, mit allen Konsequenzen - ist das für Sie nachvollziehbar?
  • Wie könnte heute eine Erneuerung der Kirche - wieder hin zu Gott - aussehen?
  • Die Ehelosigkeit der Mönche und die Ehelosigkeit der Priester - sehen Sie einen Zusammenhang?
  • Mönchtum heute - ist das noch zeitgemäß?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM

Quellen: Welt und Umwelt der Bibel, Heft 2/11

(Josef Falk)