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Johannes Paul II - Seligsprechung am 1. Mai 2011


Santo subito

Vor sechs Jahren - am 2. April 2005 - starb Papst Johannes Paul II. Schon bald nach seinem Tod kamen die Rufe nach "Santo subito" auf - die Forderung nach sofortiger Heiligsprechung. Sein Nachfolger Papst Benedikt XVI. ging damals nicht direkt auf diese Forderungen ein, hat den Prozess aber vorangetrieben.

Am 1. Mai 2011 war es nun soweit. Johannes Paul II wurde in Rom selig gesprochen. Es ist wohl kein Zufall, dass dieser Tag auf den Sonntag nach Ostern fiel - und somit auf den Barmherzigkeits-Sonntag, der von Johannes Paul II eingeführt wurde.

Die Seligsprechung in der katholischen Kirche ist die rechtsverbindliche Erklärung, dass ein verstorbener Christ in die Schar der Seligen aufgenommen worden ist. Es ist damit auch eine lokale öffentliche Verehrung gestattet, im Gegensatz zum Heiligen, der in der gesamten Kirche verehrt wird.

Voraussetzung ist der Ruf der Heiligkeit, die Verehrung im Volk, eine diese Verehrung rechtfertigende, vorbildliche Lebensführung des Menschen ('heroischer Tugendgrad'), die von einer Kommission geprüft wird, sowie mindestens ein anerkanntes Wunder, das auf die Fürsprache dieses Menschen geschehen ist.


Eine Seligsprechung kann kirchenrechtlich frühstens fünf Jahre nach dem Tod des Menschen eingeleitet werden. sie ist regelmäßig eine Vorstufe zur Heiligsprechung.

Johannes Paus II - mit bürgerlichem Namen Karol Wojtila - war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts - und das nicht nur, weil er als erster Nicht-Italiener seit Jahrhunderten zum Papst gewählt wurde.

Der Pole verrichtete während der nationalsozialistischen Besetzung seines Landes Zwangsarbeit und verlor seine jüdischen Freunde in Auschwitz. Er bot den kommunistischen Machthabern die Stirn und brachte mit seinem Eintreten für die unveräßerlichen Rechte des Menschen, vor allem auf Leben und zur Freiheit, Imperien zum Einsturz.

Johannes Paul II

Sein kompromissloses Eintreten gegen Gewalt machte ihn zum Stachel im Fleisch vieler Mächtiger dieser Welt, sein Einsatz für eine Kultur des Lebens schloss die Sorge um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Gaben der Schöpfung und eine gerechte Form des menschlichen Wirtschaftens ein. Und selbst auf die Gefahr hin, in den eigenen Reihen nicht verstanden zu werden, suchte er die Spaltung der Christenheit und den Streit der Religionen mit Worten und Taten zu überwinden: Die Bilder des Friedensgebets von Assisi und die Besuche an der Klagemauer und in Moscheen waren klare Zeichen.

Begra¨bnis Johannes Paul II

Von all diesen welt- und kirchenpolitischen Leistungen nicht zu trennen ist die Tatsache, dass Johannes Paul II ein großer Beter war. Wer ihn beim Beten beobachten konnte, der spürte die große Innerlichkeit dieses Papstes. Die Bilder beeindrucken noch heute, mit welcher Innerlichkeit er den Rosenkranz betete oder wie er sich an seinem Papstkreuz oft festhielt. Man spürte einfach seine besondere und innige Verbindung zu Gott.

Als Papst Johannes Paul II nach langer, öffentlich ertragener Krankheit im Frühling 2005 starb, versammelten sich auf dem Petersplatz im Vatikan so viele weltliche und geistliche Führer wie noch niemals an einem Ort zusammengekommen waren. Und aus dem Volk, das ihm zu Millionen die letzte Ehre erwies, erscholl "Santo subito!" - "Heiligsprechung jetzt".


Der Zwischenschritt zu diesem Ziel erfolgte nun am 1. Mai mit der Seligsprechung. Das Verfahren zur Seligsprechung wurde zwar von Papst Benedikt XVI beschleunigt, aber dennoch ist alles genau und vorschriftsmäßig abgelaufen. Insbesondere wurde das Leben Johannes Paul II genau überprüft und für "heiligmäßig" erklärt. Und auch ein Wunder ist auf seine Fürsprache hin geschehen: Die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre Normand wurde von ihrer schweren Parkinson Krankheit geheilt, von einer Krankheit, die bis heute als medizinisch unheilbar gilt.


Was ist Ihre Meinung?

  • Wie stehen Sie zur Person Johannes Pauls II?
  • Wie schätzen Sie seine Bedeutung für die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche ein?
  • Wie meinen Sie, hat er die Entwicklung der Geschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts beeinflusst?
  • Was halten Sie generell von Selig- bzw. Heiligsprechungen als Mittel zur Dokumentation der Verehrungswürdigkeit von Personen in der Kirche?

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Quellen: FAZ.net
Tagesschau
Die Presse
YOU!Magazin

(Josef Falk)