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Teresa von Avila - Mystikerin und Kirchenlehrerin



Immer wieder haben starke Frauen die Geschichte der Kirche maßgeblich beeinflusst. Manche von ihnen wurden sogar in den Kreis der Kirchenlehrer aufgenommen. Zu diesen zählt die hl. Teresa von Avila, welche die Gemeinschaft Loretto zu ihrer Jahresheiligen 2011 gewählt hat.

Teresa von Avila wurde am 28. März 1515 in Spanien geboren. Im Alter von 20 Jahren ging Teresa von zu Hause fort und trat in das Karmelkloster der Menschwerdung in Avila ein. Von da an dauerte es jedoch noch weitere 20 Jahre bis zu ihrer zweiten - ihrer eigentlichen - Bekehrung. Teresa lebte in dieser Zeit in einem bequemen Lebensstil. Sie dachte bei den Gebetszeiten mehr an das Ende der Gebetszeit als an Gott. Sie war sehr gesellig und lebenslustig und suchte intensiv den Kontakt nach außen. Sie selbst schreibt später darüber: "Von Zeitvertreib zu Zeitvertreib, von Eitelkeit zu Eitelkeit, von Gelegenheit zu Gelegenheit begann ich wieder meine Seele zu gefährden."

Teresa_von_Avila
Konvent in Avila

Nach 20 Jahren Klosterleben, mit fast 40 Jahren, erlebte Teresa jedoch ihre zweite Bekehrung. Eines Tages im Jahre 1554 begegnete sie in ihrem Kloster einer Passionsstatue, die für eine Feierlichkeit aufgestellt wurde und die sie bewusst wahrnahm. Der Anblick dieses Bildes hat Teresa so betroffen gemacht, dass es sie buchstäblich auf den Boden geworfen hat. Dabei ist ihr wie nie zuvor ihr laues und oberflächliches Ordensleben, ihr zerrissenes und unordentliches Christenleben bewusst geworden. So wurde die heilige Teresa von Avila zum lehrreichsten Beispiel der "zweiten Bekehrung" - von der Lauheit zum Eifer.

Ab diesem Zeitpunkt wirkte Teresa für die Kirche äußerst fruchtbar: Sie gründete neue Klöster. Sie hat in ihrem Leben 17 Klöster gegründet und den Männerorden der Karmeliten reformiert.


Teresa gilt aber auch als große Mystikerin von unerreichter Tiefe des Erlebens. Eines ihrer bekanntesten Werke ist "Die Seelenburg" oder "Die innere Burg". Wie alle Mystiker versucht Teresa von Avila darin, den Ausdruck des Unerhörten, das ihr widerfährt, in Worte zu fassen und die Leser an jener Erfahrung teilhaben zu lassen. Und sie greift dabei zu Bildern:


Die "innere Burg" will eine Allegorie auf die ganze menschliche Innerlichkeit sein. Sie hat eine ungewöhnliche Struktur: Sie gleicht einem Kristall, in dessen Mitte Gott als liebender, herrlich geschmückter Brätigam wohnt und sein Licht aussendet. Es geht nun zuerst darum, in diese Burg hineinzukommen. Der Schlüssel, der das Eingangstor öffnet, ist das Gebet. Auf dem Weg zur Mitte, also zu Gott, sind so genannte "Wohnungen" (span.: moradas) zu durchqueren. Diese Wohnungen könnte man sich etwa als konzentrische Kreise um den Mittelpunkt vorstellen. Man darf aber dieses Bild nicht in ein Schema pressen. Solange man nicht im ruhenden Mittelpunkt angelangt ist, gibt es ein Hin und Her, ein Vor und Zurück.

Burg

Teresa beschreibt sieben Stufen, also sieben Wohnungen, auf dem Weg zu Gott. Im Epilog fügt sie jedoch hinzu, es gäbe noch viel mehr Wohnungen. Zudem könne man nicht nach einer festen Ordnung voranschreiten, quasi schnurstracks auf die Mitte zu. Allzu häufig weiß der Mensch jedoch nichts von diesem großen Reichtum in seinem Inneren. Er treibt sich außerhalb dieser "Burg" herum und kennt sich selber nicht. Erst wenn er bereit ist, sich nach innen zu wenden, beginnt der Weg. Teresa führt ihre Leser auf diesem Weg durch die sieben "Wohnungen", wobei jede Wohnung für eine bestimmte Phase steht.

In ihrer Beschreibung verbindet Teresa mehrere Perspektiven: Sie gibt methodische Hinweise, wie man in die jeweilige Wohnung durch die Übung des inneren Betens gelangt, sie beschreibt, welche körperlichen, geistigen und psychischen Phänomene in den verschiedenen Phasen auftreten können, und sie zeigt, wie sich die Verinnerlichung einer neuen Phase am konkreten, alltäglichen Handeln erkennen lässt. Vor allem aber begeistert und motiviert sie ihre Leser immer wieder, durch ihr eigenes Beispiel, diesem Weg mit Mut, Hingabe und Humor zu folgen.


Was ist Ihre Meinung?

  • Können Menschen wie Teresa von Avila auch Vorbild für die heutige Kirche sein?
  • "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein - oder er wird nicht sein." So sagt der Theologe Karl Rahner. Passt aber eine Mystik im Stile der Teresa von Avila noch in unsere Zeit?
  • Teresa von Avila beschreibt ihre Beziehung zu Gott in eindrucksvollen Bildern. Wie würden Sie Ihre Gottesbeziehung beschreiben?

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Quellen: Loretto-Gemeinschaft
Forum Spiritualität, Gebetswerkstatt
Die innere Burg

(Josef Falk)