Thema Februar 2011 01 / 282 22 44
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Die Kopten - Bedrohte Brüder



Ein Bombenanschlag in der Silvesternacht auf Christen in Ägypten hat weltweit Bestürzung ausgelöst. 23 Menschen kamen ums Leben und über 90 Personen wurden verletzt, als sich ein islamistischer Selbstmordattentäter vor einer Kirche in Alexandria in die Luft sprengte.

Koptische Kirche Kairo

Der Anschlag galt der koptischen Kirche, die auf den Evangelisten Markus zurückgeht. Wie berichtet wird, hätten die Schikanen gegen Christen in Ägypten in den vergangenen Monaten stetig zugenommen. Der Staat, der den Islam als Amtsreligion in der Verfassung verankert hat, benachteiligt sie in vielen Bereichen. Sie dürfen nur selten Kirchen bauen und werden im Staatsdienst gegenüber Muslimen diskriminiert. Während Christen jederzeit zum Islam konvertieren können, ist es für einen Muslim unmöglich, den christlichen Glauben anzunehmen.

Wer sind die Kopten und worin unterscheiden sie sich von den anderen christlichen Konfessionen?


Der Name 'Kopten' ist eine abgewandelte Form des griechischen Wortes 'aigyptios', bedeutet also nichts anderes als 'Ägypter'. Die koptische Kirche gehört zu den altorientalischen Kirchen, die sich bereits im Zuge der ersten Konzilien von der Hauptkirche trennten, die damals noch nicht in katholische und orthodoxe (und natürlich auch nicht evangelische) Konfessionen getrennt war. Wie bereits erwähnt, verehren die Kopten den Evangelisten Markus als den Gründer ihrer Kirche. Bis zum 7. Jahrhundert traten wachsende Teile der Bevölkerung Ägyptens der Kirche bei. Diese Entwicklung wurde durch die islamische Eroberung Ägyptens jäh gestoppt.

Papst Shenouda III

Zur Spaltung von der damals noch nicht getrennten orthodoxen/katholischen Kirche kam es im Gefolge des Konzils von Chalkedon (451). Eigentlich waren die theologischen Unterschiede gar nicht groß. Es ging um folgende Frage: "Wenn Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist, wie verhalten sich diese Wesenszüge zueinander?". Während die Hauptkirche die im Konzil festgelegte Lehre von den zwei Naturen Christi (eine göttliche und eine menschliche Natur) akzeptierte, glaubten die Kopten an eine Natur in Jesus Christus, die zugleich göttlich und menschlich sein.

Dieser theologische Streit wurde erst in jüngster Zeit beigelegt. In einem Briefwechsel zwischen Papst Johannes Paul II und dem koptischen Oberhaupt Papst Shenouda III wurde der Streit auf "sprachliche Missverständnisse" und politische Ursachen zurückgeführt und für beendet erklärt.

Grundlage für diese Einigung war die so genannte "Wiener Christologische Formel". Diese wurde von Theologen beider Seiten erarbeitet, die - besonders von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" initiiert - ab 1971 mehrmals in Wien-Lainz berieten. Sie lautet:

Koptische Kirche Wien

"Wir glauben, dass unser Gott und Erlöser, Jesus Christus, Gottes fleischgewordener Sohn ist; vollkommen in seiner Gottheit und vollkommen in seiner Menschheit. Seine Gottheit war von seiner Menschheit nicht einen Augenblick getrennt. Seine Menschheit ist eins mit seiner Gottheit, ohne Vermischung, ohne Vermengung, ohne Teilung, ohne Trennung. Im gemeinsamen Glauben an den einen Herrn Jesus Christus betrachten wir sein Geheimnis als unausschöpflich und unaussprechbar, für den menschlichen Geist weder voll zu verstehen noch auszudrücken."

Was wir heute als koptische Kirche bezeichnen, hat sich vom 5. - 10. Jahrhundert entwickelt. Erst nach dem 10. Jahrhundert gerieten die Kopten gegenüber den Muslimen in Ägypten durch die muslimische Expansionspolitik in die Minderheit und das Arabische ersetzte das Koptische als Landessprache. Heute leben ca. 6 Millionen Kopten in Ägypten, das sind 10 % der Gesamtbevölkerung. Außerhalb Ägyptens leben etwa 1,5 Millionen Kopten, wo sie in den vergangenen Jahrzehnten mit großem Fleiß außerordentlich stabile Gemeinden und Diözesen aufgebaut haben.


In Österreich leben etwa 5000 Kopten, die seit 2003 eine staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaft sind. In Wien-Donaustadt gibt es zwei koptische Kirchen: die Kirche des Heiligen Markus bei der UNO-City und die Kirche der Heiligen Jungfrau von Zeitoun in der Quadenstraße.


Wie denken Sie darüber?

  • Die theologischen Unterschiede zwischen Kopten und Katholiken, die zur Trennung geführt haben, sind minimal und inzwischen auch ausgeräumt - denken Sie, dass es eine Wiedervereinigung geben kann?
  • Sehen Sie diesbezüglich Unterschiede zu den anderen Konfessionen, den Orthodoxen, den Protestanten?
  • Wegen seines Glaubens verfolgt, ja vielleicht sogar getötet zu werden, ist für uns schwer vorstellbar. Wie, glauben Sie, würde sich die Kirche in Mitteleuropa entwickeln, wenn auch sie mit Verfolgung zu rechnen hätte?

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Quellen: Die Kopten - Österreich
Die Presse
Pro Oriente
WELT ONLINE
Wiener Zeitung

(Josef Falk)