Thema Jänner 2011 01 / 282 22 44
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Wikileaks - wenn Geheimes öffentlich wird



Große Aufregung - nicht nur in Diplomatenkreisen - verursachte die Veröffentlichung diverser geheimer Daten der US-amerikanischen Außenpolitik auf der Internet-Plattform Wikileaks. Diese Plattform hat es sich zur Aufgabe gemacht, geheime, zensierte oder auf sonstige Wise in ihrer Zugänglichkeit beschränkte Dokumente anonym zu veröffentlichen. Julian Assange, der Sprecher der Wikileaks-Plattform, ist in die Reihe der meistgehassten Männer der Welt aufgestiegen.

Julian Assange

Die Gegner von Wikileaks reagierten mit der Sperre der Internet-Domain, wodurch die Plattform nicht mehr (so einfach) erreicht werden konnte. Außerdem wurden die Konten gesperrt, über die Wikileaks Spenden bezog.

Die Meinungen, wie die Veröffentlichung geheimer Dokumente moralisch zu bewerten sei, gehen weit auseinander. Während die einen Wikileaks für ein wichtiges journalistisches Werkzeug halten, befürchtet etwa die US-Regierung, die besonders betroffen war, dass durch die Veröffentlichung von Militärdokumenten die Sicherheit der Soldaten gefährdet würde.

Aus der Sicht der christlichen Sozialethik könne man das Portal Wikileaks weder pauschal verurteilen noch loben. Das sagt der Medienethiker Alexander Filipovic im Gespräch mit Radio Vatikan. "Wenn wir von der christlichen Sozialethik ausgehen, dann geht es um die Gerechtigkeit und den Frieden in unserer modernen Welt", so Filipovic. "Alles, was unsere Welt gerechter und friedvoller macht, ist zu unterstützen".


Es stellt sich die Frage, inwieweit die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente zur Erreichung dieses Ziels beitragen kann.

Der freie Zugang zu Informationen, die öffentliche Angelegenheiten betreffen, ist natürlich auf der einen Seite ein hoher Wert.

Andererseits müssten sich gerade auf der internationalen Bühne politische Akteuere darauf verlassen können, dass Vertraulichkeit gewährleistet werde. "Der Vertrauensbruch, der durch die Wikileaks-Veröffentlichungen geschehen ist, kann politisches Handeln schwieriger machen", meint Filipovic.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Es sei dramatisch, wie "Vertrauen enttäuscht und Menschen durch Informationen öffentlich herabgewürdigt wurden". Es lasse sich bei einem jeden etwas aufzeigen, was ihn in schlechtem Licht erscheinen lassen kann.

Wikileaks
Erzbischof Zollitsch

Wer kennt es nicht aus dem privaten Bereich: Nicht von allem, das man jemand im Vertrauen sagt, möchte man, dass es öffentlich wird. Und so bedienen sich auch Diplomaten in den Depeschen an ihre Regierungen nicht immer der Diplomatensprache. So kommt es zu Aussagen wie: In Moskau herrsche die Kleptokratie, das Regiment der Diebe. Oder: Die deutsche Bundeskanzlerin Andrea Merkel sei wenig kreativ, Horst Seehofer - ein anderer deutscher Politiker - habe einen 'begrenzten Horizont'. Ob die Veröffentlichung derartiger Aussagen dazu beitragen, die Welt 'friedvoller und gerechter' zu machen, sei dahingestellt.

Discretio - das ist in der Regel des Heiligen Benedikt die "Mutter aller Tugenden". Benedikt verstand darunter die Gabe der maßvollen Unterscheidung. Diskret handelt, wer weiß, wo das Private beginnt und das Öffentliche endet, wo das Recht auf Information aufhört und die Denunziation anfängt.


Wie ist Ihre Meinung?

  • Gibt es ein Recht auf Veröffentlichung ALLER Informationen?
  • Denken Sie, dass bei Plattformen wie Wikileaks der Vorteil überwiegt, dass mögliche Unrechtmäßigkeiten aufgedeckt werden?
  • Oder aber überwiegen die Nachteile, wie Gefährdung durch Geheimnisverrat bzw. Störung des Friedens?
  • Ist die Reaktion, insbesondere der USA, auf die Veröffentlichungen angemessen?

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Quellen: kathWeb
Radio Vatikan
kath.net - Erzbischof Zollitsch
kath.net - Kommentar

(Josef Falk)