Thema Dezember 2010 01 / 282 22 44
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Drei Weltreligionen - ein Gott?



Wenn Juden, Christen, Muslime zu ihrem Gott beten, meinen sie dann den gleichen Gott? Oder hat jede der drei Weltreligionen ihren eigenen Gott, der mit den anderen nichts zu tun hat?

Sowohl für Muslime, als auch für Christen und Juden ist ihr Gott "der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Im Koran ist zu lesen: "Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo ... und Allah hat mit Moses wirklich gesprochen".

Auch das Neue Testament ist voll mit Bezügen zur jüdischn Tora und geht durchwegs davon aus, dass der Gott, dessen kommendes Reich Jesus verkündigt, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist. Jesus selbst war ein gläubiger Jude.

JHWH

Für jede der drei Religionen ist Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde. Es ist offensichtlich, dass es nur ein derartiges Wesen geben kann. Es hat also tatsächlich den Anschein, dass Christen und Muslime den gleichen Gott verehren, den Juden schon immer verehrt haben.

Betrachtet man aber die speziellen Formen, in denen die Gottheit in den Ereignissen menschlicher Geschichte auftritt, so sind diese so unterschiedlich, dass der Eindruck dreier verschiedener Gottheiten entsteht.

Der Gott des Judentums ist eindeutig der Gott der Juden, der in einem einzigartigen Verhältnis zu seinem auserwählten Volk steht, mit dem er einen besonderen Bund geschlossen hat. In der Zuwendung Gottes sind andere Nationen den Kindern Israels untergeordnet. Würde dieser Gott etwa sein Operationsgebiet von Palästina nach China verlegen, so wäre er de facto eine andere Gottheit geworden.

Dreifaltigkeit

Das Spezifische des Gottes des Christentums, wie er im Neuen Testament auftritt und von den ökumensichen Konzilien näher definiert wurde, ist die Dreifaltigkeit. Gott ist mit der Menschheit durch einen Menschen, der der fleischgewordene Sohn Gottes ist, in Beziehung getreten. Diese Trinität, bestehend aus Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, ist eindeutig nicht mit dem JHWH identisch, den jüdische Schrift und Tradition beschreiben. Die Unterschiede bestehen einerseits im reinen Monotheismus des Judentums und dem modifizierten, trinitarischen Monotheismus des Christentums und andererseits zwischen einem Gott der Kinder Israels und einem Gott, dem es um die gesamte Menschheit geht.

Schließlich ist auch der Allah des Islam eng mit einem bestimmten Volk verbunden, nämlich mit der arabischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts n. Chr., der er bestimmte Anweisungen gibt, dem er in der Schlacht hilft und deren Mitglieder er als seine erwählten Diener benutzt. Dieser Gott unterscheidet sich wesentlich vom Gott der Christen, weil er eben nicht in der Gestalt des Jesus von Nazareth Mensch wurde und vom Gott der Juden, weil sein Interessensschwerpunkt statt in Palästina in Arabien liegt, und die Juden nicht im Zentrum, sondern eher am Rande seiner Aufmerksamkeit liegen.


Fassen wir zusammen: Der Gott der Christen, der Gott der Juden und der Gott der Muslime sind ident in ihrem universellen Aspekt als Schöpfer des Universums. Wenn es jedoch um die konkreten Beziehungen dieser Gottheiten gibt, sind sie so verschieden, dass es schwer zu behaupten ist, dass alle, die sie verehren, letztendlich zum selben Gott beten.

Wie können wir nun mit diesen Unterschieden umgehen, bzw. gibt es Wege, die Behauptung, wir beteten alle zum gleichen Gott aufrecht zu erhalten. Folgende Wege sind argumentierbar:

  1. Wir beten zum gleichen Gott, sprechen ihn aber mit unterschiedlichen Namen an. Dagegen spricht aber - wie oben ausgeführt - dass nicht nur die Namen unterschiedlich sind, sondern die gesamte Charakteristik.
  2. Gott hat in der Geschichte unterschiedliche Aktivitäten gesetzt: er hat sich 2000 Jahre in der jüdischen Geschichte manifestiert, ist dann als Jesus von Nazareth Mensch geworden und hat dann 600 Jahre später wieder jede Menschwerdung geleugnet. Eine solche Sichtweise könnte wohl von keiner der drei Religionen in Erwägung gezogen werden.
  3. Man trennt zwischen "Gott an sich", in Gottes selbst-existentem Sein, "vor" und unabhängig von der Schöpfung auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Gott in Beziehung zu seiner Schöpfung, wie ihn die Menschen denken und ihm begegnen. Wir erkennen also nicht Gott an sich, sondern nur durch die "Linse" unserer Tradition. Aber auch diese Sichtweise wird wohl keinen Anhänger einer der drei Religionen zufrieden stellen. Aus christlicher Sicht kann die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus wohl kaum auf eine bestimmte Sichtweise zurückgefühfrt werden, die in einer anderen Sichtweise auch nicht wahr sein könnte.

Es gibt wohl nur einen Weg, in dem jeder Gläubige einerseits sich und seiner Überzeugung treu sein und gleichzeitig Gläubigen anderer Religionen mit Respekt begegnen kann:

Das Anerkennen der Unterschiede bei gleichzeitigem Blick auf das Gemeinsame. Für Christen führt kein Weg daran vorbei, die Gottheit und Heilsnotwendigkeit Jesu Christi anzuerkennen. "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich." Diese Worte Jesu lassen keinen Interpretationsspielraum.

Ziemlich sicher beten wir Christen also zum gleichen Gott wie die Juden - und wahrscheinlich auch wie die Muslime. Diese Gemeinsamkeit ist anzuerkennen und ist die Basis für Dialog. Die Person Jesu Christi ist aber ein unverzichtbares Charakteristikum des christlichen Glaubens, das nicht mit einer bestimmten historischen Sichtweise wegerklärt werden kann.

Allah

Ein undifferenziertes "Ist eh alles das Gleiche" dient niemandem: Für uns Christen relativiert es die Botschaft Jesu Christi, auf den sich die christliche Gemeinschaft seit zwei Jahrtausenden beruft. Und es zeigt auch wenig Respekt vor dem Glauben der anderen Religionen.

Das Festhalten am eigenen Glauben bei gleichzeitigem Respekt vor Anders-Gläubigen ist möglich. Das sagt auch das II. Vatikanum in "Nostra Aetate": "Die katholische Kirche lehnt nichts von alldem ab, was diesen Religionen wahr und heilig ist." - aber auf der anderen Seite auch: "Unablässig verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist 'der Weg, die Wahrheit und das Leben'".


Wie denken Sie darüber?

  • Der dreifaltige Gott - Jahwe - Allah: Handelt es sich um den gleichen Gott?
  • Oder sind die Unterschiede im Glauben so groß, dass man nicht von einem Gott sprechen kann?
  • Ist trotz dieser Unterschiede ein Dialog zwischen den Religionen möglich?
  • Inwieweit kann man als Christ den Glauben der anderen Religionen für "wahr" halten?

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Quellen: Juden, Christen, Muslime: Verehren wir alle denselben Gott?
Zur Diskussion: Gott - christlich, islamisch, jüdisch
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(Josef Falk)