Thema November 2010 01 / 282 22 44
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Über die letzten Dinge



Seit jeher ist die Zeit, in der das bunte Bild des Herbstes dem Grau und Nebel weicht, auch die Zeit des Totengedenkens. Die Feste Allerheiligen und Allerseelen sind der sichtbare Ausdruck dafür im christlichen Glauben. Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen sind weit verbreitetes Brauchtum.

Im Gebet für die Verstorbenen ist auch die Hoffnung enthalten, dass der eigene Tod überwunden werden kann. Diese Hoffnung, die in diesen Tagen so stark zu sein schein, ist jedoch im Alltagsglauben im Rest des Jahres wesentlich weniger stark präsent. Umfragen zeigen, dass längst nicht alle, die sich zum christlichen Glauben bekennen, auch an ein Weiterleben nach dem Tod glauben. Und leider gelingt es auch der Kirche nicht, diese Hoffnung in den Vordergrund ihrer Botschaft zu stellen. Wichtiger scheinen da nur allzu oft Diskussionen über Organisations- und Strukturfragen zu sein.

Dabei wäre es genau dieses Thema, dass die christliche Botschaft zu einer Frohbotschaft macht. Um wie vieles attraktiver müsste eigentlich das christliche Menschenbild gegenüber dem des um sich greifenden Atheismus sein: Letzterer sieht den Menschen als aus Zufall durch die Evolution entstandenes Wesen, das keine Hoffnung über die paar Jahrzehnte Lebenszeit hinaus hat. Ganz anders sieht das Christentum den Menschen: er ist von Gott gewollt, sein Leben hat Sinn - und er ist bestimmt für das Ewige Leben.

Allerheiligen

Das Ewige Leben bei Gott, das niemals endet - und das kein Leid kennt: das nennt die Kirche den Himmel. Das Streben des Menschen nach dieser ewigen Glückseligkeit drückt der Hl. Augustinus mit folgenden Worten aus: "Gott, du hast uns erschaffen für dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir".

Allerheiligen

Es darf allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass dieses Ewige Leben auch verfehlt werden kann: die Bibel spricht häufig davon: von "äußerster Finsternis" ist die Rede und von "Heulen und Zähneknirschen". Wir nennen es die Hölle. Ist Gott also ein strafender Gott? - Gott ist barmherzig - er will die Rettung aller, er will "dass alle Menschen gerettet werden, und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (1 Tim 2,4). Aber Gott zwingt niemanden - wer sich bewusst von Gott abwendet, der trägt auch die Konsequenz.

Himmel - Hölle. Der dritte Begriff, der zu den "letzten Dingen" gerechnet wird, ist das "Fegefeuer". Dieser Ausdruck klingt nicht sehr modern. Tatsächlich drückt der lateinische Ausdruck besser aus, was gemeint ist: "Purgatorium" - Ort der Reinigung. Das Fegefeuer wird als Zustand jener gesehen, die zwar in der Gnade Gottes gestorben sind, aber noch mit lässlichen Sünden behaftet sind. Solange nur ein Schatten von Finsternis in ihnen ist, können sie die Fülle des göttlichen Lichtes nicht ertragen.


In gleichem Maße, in dem die christliche Hoffnung auf den Himmel in den Hintergrund tritt, gewinnen fernöstliche Vorstellungen an Bedeutung. Die Lehren von "Reinkarnation" und "Seelenwanderung" sind heute geradezu in Mode. Sie gehen davon aus, dass nach dem Tod die Seele des Menschen in einem neuen Leib wieder geboren wird. Diese Vorstellungen als Hoffnung formuliert, sind zunächst einmal eine Verkennung der Lehren des Buddhismus bzw. des Hinduismus. Dort ist die Wiedergeburt nicht etwas Erstrebenswertes bzw. etwas, das Hoffnung gibt, sondern es ist etwas Negatives, etwas das überwunden werden muss.

Die Aussagen der Heiligen Schrift zum Thema Wiedergeburt sind eindeutig: "Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und darauf kommt das Gericht" (Hebr 9,27).


Himmel, Hölle, Fegefeuer - es ist immer die Realität Gottes, die den Menschen letztendlich erwartet, wie es der Theologe Hans Urs von Balthasar eindrucksvoll formuliert:

"Gott ist das 'Letzte Ding' des Geschöpfs. Er ist als Gewonnener Himmel, als Verlorener Hölle, als Prüfender Gericht, als Reinigender Fegefeuer. Er ist Der, woran das Endliche stirbt und wodurch es zu ihm, in ihm aufersteht."

So sollen die Christen in den Tagen des Totengedenkens an die Hoffnung erinnert werden: Die Auferstehung ist nicht etwas, das einmal vor 2000 Jahren passiert ist, sondern etwas, auf das jeder einzelne hoffen darf. Aber auch die mahnenden Worte Jesu sollen nicht vergessen werden: man kann das Ewige Leben auch verfehlen.

Fegefeuer

Was ist Ihre Meinung?

  • Was verbinden Sie mit Allerheiligen/Allerseelen?
  • Ist es Erinnerung an die Verstorbenen - ist es Gebet für sie?
  • Was bedeutet "Himmel" für Sie?
  • Worin sehen Sie die christliche "Hoffnung"?

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Quellen: Die letzten Dinge

(Josef Falk)