Thema Oktober 2010 01 / 282 22 44
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Jesus Christus - Gott von Gott



Wir glauben ...
... an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit,
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
...

So bekennt die Kirche im so genannten Großen Glaubensbekenntnis ihre Überzeugung von der Gottheit Jesu.

Jesus Christus

Spätestens zu dem Zeitpunkt als sich das Christentum in den griechischen Kulturkreis hinein ausbreitete, reichte es nicht mehr aus, die Geschehnisse um Jesus einfach weiterzuerzählen. Es wurden Fragen gestellt, deren Grundlage die damalige griechische Philosophie war.

Immer stärker stellte sich die Frage nach der "Natur" oder dem "Wesen" der Person Jesu Christi. Einerseits war Jesus ganz offensichtlich ein Mensch.

Aber die Aussagen der Heiligen Schrift, in denen Jesus als "Gott" bezeichnet wird, sind zahlreich:


  • "Im Anfang war das Wort, und das Wort bar bei Gott und das Wort war Gott". (Joh 1,1)
  • "Ich und der Vater sind eins" (Joh 10,30)
  • "Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,28)
  • "Du bist der Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16,16)
  • "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein" (Phil 2,6)
  • und viele mehr

So stellt sich die Frage, wie der ewige Sohn Gottes sterblicher Mensch werden kann, ohne aufzuhören, Gott zu sein.

Verbunden damit sind die Fragen: "Wenn Jesus Gott ist, gibt es dann mehrere Götter - Vater und Sohn?" und "In welchem Zusammenhang stehen Gott-Sein und Mensch-Sein in der Person Jesu?".

In den ersten Jahrhunderten arbeitete die Kirche daran, diese Fragestellungen zu lösen, indem die biblischen Aussagen in den hellenistischen Denkhorizont übersetzt wurden.

Einige dieser Ansätze verkürzten das Menschsein Jesu. So wird beispielsweise im "Doketismus" postuliert, dass Jesus nur zum Schein Mensch geworden wäre.

Konzil von Nizäa

Andere wiederum minderten das Gottes-Sohn-Sein Jesu. Der "Adoptianismus" des 2. Jahrhunderts erklärte das Gottsein Jesu als nachträgliche "Adoption". Die gewichtigste Minderung des einzigartigen Sohnesverhältnisses Jesu war aber durch Arius zu Beginn des 4. Jahrhunderts gegeben. In der nach ihm benannten Lehre des Arianismus ist der Sohn Gottes zwar vor der Welt existent, aber er ist doch von Gott erschaffen. Er ist daher nicht ewig, und "es gab eine Zeit, als es ihn nicht gab".

Bischof Kapellari

Arius gewann mit seinen Thesen eine große Zahl von Anhängern, sodass um die Einheit der Kirche gefürchet werden musste. Aus diesem Grund berief Kaiser Konstantin im Jahr 325 in die kleinasisatische Stadt Nizäa (Nikaia) eine Reichssynode ein, das erste allgemeine (ökumenische) Konzil, an dem etwa 300 Bischöfe teilnahmen.

Die Lehrentscheidung dieser Kirchenversammlung ist in einem Glaubensbekenntnis niedergelegt, das eingangs zitiert ist. Die Grundaussage ist, dass Jesus Christus mit dem Vater im Gottsein gleich ist.

Die Lehre des Konzils von Nizäa über die Gottheit Jesu Christi ist heute nach fast siebzehn Jahrhunderten keineswegs nur ein Thema für Historiker. Darauf wies der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari beim Gottesdienst im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises am 31. August 2010 in Aigen im Mühlkreis hin.

Es gebe in der heutigen Theologie christlicher Kirchen und in der spirituellen Praxis so etwas wie einen Neo-Arianismus, der Christus auf seine menschliche Natur reduziere, um so dem Vorverständnis vieler Zeitgenossen, darunter auch nicht weniger Christen, entgegenzukommen.


Wie denken Sie darüber?

  • Ist es zulässig, dass die Theologie oder auch die christliche spirituelle Praxis biblische Aussagen - wie eben die Gottessohnschaft Jesu - in Frage stellt?
  • Muss das so genannte "Vorverständnis" der Adressaten der biblischen Botschaft berücksichtigt werden?
  • Oder ist diese "Vorverständnis" nur ein Vorwand, um seine eigenen Ansichten zu verbreiten?
  • Sollte das Wort Gottes nicht unverkürzt verkündet werden?

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Quellen: Ist Jesus Gott?
Jesus Christus: Ganz Gott und ganz Mensch
Hat Jesus je behauptet, Gott zu sein?
Es gibt heute einen Neo-Arianismus

(Josef Falk)