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Endlich! Leben und Überleben.



Mit einer Grundfrage der Philosophie, aber auch jedes einzelnen Menschen, beschäftigten sich die diesjährigen Salzburger Hochschulwochen vom 2. bis 8. August 2010: nämlich mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens, mit der Tatsache, dass jeder Mensch sterben muss. Endlich ist aber nicht nur unser Leben, sondern auch die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen.

Salzburger Hochschulwochen

"Die Annahme unserer Endlichkeit bedeutet Menschlichkeit, weil sie jedem einzelnen Menschen Lebensraum gibt", mit diesen Worten eröffnete Erzbischof Dr. Alois Kothgasser die Veranstaltung. Der Salzburger Oberhirte betonte, dass kaum jemand über die Endlichkeit nachdenken wolle, wenn es um das eigene Leben geht. "Aber Endlichkeit ist eine Grunderfahrung des Menschen, die sich im privaten Lebensraum wie in globalen Großszenarien durchsetzt". Die Annahme des einen Lebens hebe den Zwang auf, im endlichen Leben alles bekommen zu müssen.

Dass die vielfältigen Erfahrungen von Endlichkeit und Begrenztheit zunächst verunsichern, strich der erste Vortragende, Klaus Müller, Professor für "Philosophische Grundfragen der Theologie" an der Universität Münster, hervor: "Obwohl uns die Endlichkeit buchstäblich auf den Leib geschrieben ist, haben wir Angst vor ihr".

Nach Professor Müller habe der Mensch vielfältige Wege gefunden, dem "Skandal" des eigenen Todes zu begegnen. Als wichtigste Technik benannte Müller die enorme Beschleunigung der Lebensrhythmen. "Weil sich Sterblichkeit nicht abschütteln lässt, wird beschleunigt. Durch Geschwindigkeit wollen wir unsere Endlichkeit überspringen".


Müller plädierte für die Wiederentdeckung einer "ars moriendi", einer Kunst des Sterbens. Diese beginne dort, wo der Mensch lerne, seine Endlichkeit anzuerkennen, anzunehmen und zugleich "ans Ewige rührt".

Der zweite Vortragende, der FAZ-Journalist Rainer Hank, näherte sich dem Thema Endlichkeit aus einer ökonomischen Perspektive. Nur was knapp und also endlich ist, werde wertgeschätzt. Rainer Hank meint: "Ein Leben im Überfluss wäre fürchterlich. Wer alles haben kann, will nichts haben". Knappheit sei daher die Grundlage für die Achtung vor der Welt überhaupt.

Klaus Müller

Technisch-naturwissenschaftliche Aspekte des Themas beleuchtete der deutsche Naturwissenschaftler, Politiker und Nachhaltigkeits-Experte Ernst-Ulrich von Weizsäcker.

Erzbischof Kothgasser

Einen Blick auf Zukunftsprognosen des Mittelalters warf der Historiker Johannes Fried. Diese hätten unter sehr akuten Endzeiterwartungen gestanden. Ausgehend von den apokalyptischen Prophezeiungen der Bibel habe man damals versucht, die Zeichen der Zeit zu deuten. Die christliche Vorstellung, dass die Welt nicht nur einen Anfang hat, sondern auch ein Ende haben müsse, grub sich tief in kollektive Bewusstsein ein. Die Vorstellung vom nahen Ende der Welt habe im Mittelalter eine intensive Frömmigkeitspraxis nach sich gezogen. Sie hatte aber auch enorme Impulse für die Wissenschaften, die noch immer wirksam seien.

In seiner Schlusspredigt ging Erzbischof Kothgasser auf die positiven Aspekte der Endlichkeit ein: Endlichkeit bedeute eine Herausforderung und Einladung zum Leben. Sie mache die Zeit kostbar und das begrenzte Leben bedeutsam. "Endlich!" sei nicht nur ein Mahnwort, sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein, sondern auch ein Lockruf, endlich anzufangen, wirklich zu leben.


Bei einer katholischen Veranstaltung, wie es die Salzburger Hochschulwochen sind, bei der das Thema "Endlichkeit" im Mittelpunkt steht, dürfte jedoch ein Verweis auf die den Menschen zugesagte "Unendlichkeit" des ewigen Lebens nicht unerwähnt bleiben. Dieser Aspekt dürfte in der Veranstaltung etwas zu kurz gekommen sein.


Was meinen Sie?

  • Wie geht es Ihnen mit Ihrer eigenen Endlichkeit?
  • Halten Sie unendliches irdisches Leben für erstrebenswert?
  • Oder meinen Sie auch, dass erst die Endlichkeit die Zeit kostbar macht?
  • Was bedeutet für Sie die Hoffnung auf ein "Ewiges Leben" nach dem Tod?

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Quellen: Salzburger Hochschulwochen
kathweb
Predigt Erzbischof Kothgasser

(Josef Falk)