Thema August 2010 01 / 282 22 44
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Auf dem Weg zum Designerbaby?



Die Präimplantationsdiagnostik verstößt nicht gegen das Embryonenschutzgesetz - so hat der deutsche Bundesgerichtshof entschieden.

Ein Arzt hatte bei drei Paaren mit erblichen Vorbelastungen die kontrovers diskutierten Diagnosen ausgeführt und im Rahmen einer künstlichen Befruchtung nur gesunde Embryonen ohne Defekte eingepflanzt. Die anderen Embryonen starben ab. Danach hatte sich der Arzt selbst angezeigt, um Rechtssicherheit zu erzwingen.

PID

Präimplantationsdiagnostik. Worum geht es dabei?

Die Präimplantationsdiagnostik kommt bei der künstlichen Befruchtung zum Einsatz, bei der die Eizellen der Mutter in Reagenzgläsern befruchtet werden. Bevor dies geschieht, können die Embryonen jedoch genetisch getestet werden. Hierzu wird dem Embryo, der nach zwei bis drei Tagen aus acht Zellen besteht, eine Zelle entnommen.

Mit dem Test ist es möglich festzustellen, ob ein Embryo von den Eltern bestimmte Krankheiten geerbt hat oder eine Chromosomenstörung aufweist. Eine bekannte Chromosomenstörung ist beispielsweise das Down-Syndrom. Embryonen mit dieser Störung würden der Mutter nicht eingesetzt, sondern abgetötet.


Der Vorteil dieses Verfahrens liegt auf der Hand: mit seiner Hilfe kann vermieden werden, dass Eltern, die eine künstliche Befruchtung durchführen, ein behindertes oder mit einer Erbkrankheit belastetes Kind bekommen.

Auf der anderen Seite befürchten jedoch viele Menschen, dass eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik die Grenze in der Bio-Medizin verschiebt. Eltern könnten sich in Zukunft perfekte Kinder wünschen und sie deshalb im Reagenzglas zeugen lassen.

Das Urteil des Bundesgerichtshofes geht auf diese Befürchtungen ein: "Einer unbegrenzten Selektion von Embryonen anhand genetischer Merkmale, etwa die Auswahl von Embryonen, um die Geburt einer Wunschtochter oder eines Wunschsohnes herbeizuführen, wäre damit nicht der Weg geöffnet."

Designerbaby

Und tatsächlich ist derzeit die Schaffung eines "Designerbabys" nicht sehr wahrscheinlich. Die künstliche Befruchtung ist ein oft Jahre andauernder Prozess, bei dem die Frauen mit Hormonen behandelt werden und sich schmerzhaften Untersuchungen unterziehen müssen. Eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik auf schwere Erbkrankheiten wird daran nichts ändern.

Gene

Dennoch übt etwa die deutsche Bischofskonferenz Kritik an dem Urteil. Zwar bescheinigt sie den Richtern ein "ernsthaftes Ringen um die Bewertung von genetischen Verfahren, die in unserer Gesellschaft kontrovers beurteilt" würden. Es geht ihr aber nicht nur um das "Designerbaby". Sie lehnt jede Form der Präimplantationsdiagnostik ab. "Eine - auch nur begrenzte - Zulassung der Präimplantationsdiagnostik setzt voraus, dass dem Embryo kein mit dem geborenen Menschen gleichwertiger Status zuerkannt und eine Stufenfolge des Menschwerdens angenommen wird. Für solche Einschnitte in der Entwicklung des Embryos, die ein 'mehr' oder 'weniger' Menschsein begründen sollen, gibt es keine überzeugenden Argumente", heißt es in der Presseaussendung der deutschen Bischofskonferenz.


Noch schärfer fällt die Kritik des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) aus. In einer Pressemitteilung spricht der BVL im Zusammenhang mit dem Urteil des Bundesgerichtshofes von einem "schlimmen Tag für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen". Nun sein "einer Selektion Tür und Tor geöffnet", am Ende blieben nur noch "PID-geprüfte Kinder" übrig, während die "Aussortierten" getötet würden.


Was meinen Sie?

  • Ist es zu rechtfertigen, dass man Embryonen, die evtl. mit einer Erbkrankheit belastet, sind, absterben lässt?
  • Ist der Wunsch der Eltern nach einem gesunden Kind höher zu bewerten?
  • Ist Ihrer Meinung nach ein Embryo bereits ein Mensch, dem Rechte zukommen können?
  • Wenn man jetzt die Untersuchung auf Erbkrankheiten zulässt, wird dann die Entwicklung hin zum "Designerbaby" gehen?

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Quellen: Welt Online
suedeutsche.de
kathweb

(Josef Falk)