Thema Juli 2010 01 / 282 22 44
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Kleine Christliche Gemeinschaften



Die Kirche befindet sich auf dem Weg von der Volkskirche zur Minderheitenkirche. Die Abnahme der Zahl der Gläubigen - und die damit Hand in Hand gehende Abnahme der Zahl der Priester - zwingt zu Strukturveränderungen. Die oft so bezeichnete "Weiterentwicklung" bedeutet in vielen Fällen nichts anderes als die Vergrößerung der pastoralen Räume und damit den schmerzlichen Abschied von der gewohnten Gestalt der Kirche.

Diese war bis jetzt in hohem Maße in der örtlichen Pfarrgemeinde erfahrbar. Mit dem Pfarrer als Leitungs- und Bezugsperson und mit der selbstverständlichen und regelmäßig stattfindenden sonntäglichen Eucharistiefeier in der Pfarrkirche. Dies alles wird es in dieser Form vielerorts nicht mehr geben. Zum Teil ist es längst Vergangenheit.

Als Reaktion auf diese Entwicklung werden Strukturreformen durchgeführt, die zu einer Vergrößerung der pastoralen Räume führen - Pfarren werden zu Pfarrverbänden zusammengefasst. Damit ist aber die Gefahr verbunden, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen und die Vernetzung mit den vielfältigen Lebensäußerungen eines Dorfes oder eines Stadtteils verliert. Kirche lebt von Beziehung, von zwischenmenschlicher Nähe und Kommunikation.

Die Vergrößerung der pastoralen Räume scheint angesichts der Entwicklung der Zahl der Gläubigen und damit der Priester unumgänglich. Gleichzeitig müssen aber innerhalb dieser größeren Räume "Strukturen der Nähe" wachsen. Größere pastorale Räume sind jedoch kein europäisches Spezifikum.

Kreis
Gespraech

Auch in vielen Ländern Afrikas und Asiens hat ein Priester sehr große Gebiete zu versorgen. Dort hat das Modell der "Kleinen Christlichen Gemeinschaften" zum Aufbau lebendiger Gemeinden geführt. Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG) sind eine Substruktur von (großen) Pfarreien oder Gemeindeverbünden, in denen Kirche vor Ort, in einer Nachbarschaft, in einem Dorf, in einem Wohnviertel in all ihren Dimensionen (bzw. Grundfunktionen) lebendig ist.

Auf der Grundlage der Bibel entwickeln diese Gruppen eine intensive und tragfähige Gemeindespiritualität und stellen Christus als Quelle der Inspiration in ihre Mitte.


Eine Kleine Christliche Gemeinschaft hat vier Merkmale:

  1. Eine konkrete KCG besteht aus Personen, die einen gemeinsamen Lebensraum haben.
  2. Eine KCG nimmt die Bedürfnisse und Nöte der Menschen in ihrem Umfeld wahr und entdeckt darin den Anruf Jesu. Sie weiß sich gesandt.
  3. Eine KCG lebt aus der Eucharistie der Pfarrgemeinde und ist so mit der gesamten Kirche verbunden.
  4. Eine KCG wächst immer neu aus dem Wort Gottes, das sich ihr besonders im Bibel-Teilen erschließt.

Das pastorale Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften, das auf der Ekklesiologie des 2. Vatikanischen Konzils beruht, wurde schon in den 70er Jahren in Südafrika entwickelt und fand weite Verbreitung im südlichen und östlichen Afrika. Seit Mitte der 80er Jahre begannen auch immer mehr asiatische Diözesen nach diesem Konzept zu arbeiten. Unter dem Namen AsIPA (Asiatischer integraler pastoraler Ansatz) wurden Schulungselemente entwickelt und das Modell verbreitete sich sehr erfolgreich über ganz Asien.

Seit dem Jahr 2001 wird versucht, durch das Projekt "Spiritualität und Gemeindeentwicklung - Kleine Gemeinschaften in Deutschland" dieses pastorale Modell auch in Europa bekannt zu machen.

Dieses pasotorale Modell erweist sich auch als adäquate Antwort auf die Frage nach der Zukunft von Gemeinden angesichts knapper werdender personaler und finanzieller Ressourcen sowie angesichts von Strukturveränderungen (Entstehung von Gemeindeverbünden und pastoralen Rämen).

Tisch

In einer Reihe von Diözesen im gesamten deutschsprachigenn Raum sind Gemeinden schon sehr konkret auf dem Weg, mit Kleinen Christlichen Gemeinschaften zu arbeiten. Die Erfahrungen der Kleinen Christlichen Gemeinschaften bestärken die Hoffnung darauf, dass nach dem Ende der Volkskirche die halb vergessene Vision des Konzils von einer Kirche des Volkes Gottes eine neue Aktualität gewinnen könnte.


Was denken Sie?

  • Werden sich neue kirchliche Organisationsformen - wie die Kleinen Christlichen Gemeinschaften - in Europa durchsetzen können?
  • Sind derartige Konzepte, die in anderen Erdteilen entstanden sind, auf europäische Verhältnisse übertragbar?
  • Werden die Gläubigen bereit sein, die dafür erforderlichen Änderungen zu akzeptieren und mitzutragen?
  • Inwieweit ist heifür auch eine Änderung der Grundeinstellungen erforderlich?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM

Quellen: Konradsblatt
Website der Kleinen Christlichen Gemeinschaften

(Josef Falk)