Thema März 2010 01 / 282 22 44
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Fasten - zwischen Wellness und Buße



"Fasten" - häufig ist das heute, so wie "Wellness", ein Attribut, mit dem Waren verkauft werden sollen. Vom "Fasten-Joghurt" bis zu Büchern mit Titeln wie "Mega-fit mit der Fastenwoche. Neue Power für Körper und Seele" reichen die Angebote.

"Mega-fit" zu werden - ist das auch der Zweck der Fastenzeit, in der sich die Christen, beginnend mit dem Aschermittwoch, auf die Osterzeit vorbereiten? Was ist der Sinn des Fastens im religiösen Sinne?

Das Fasten als Gestaltungselement des Lebens ist in vielen Religionen belegt und kommt in vielfältigen Formen vor.

Die jüdischen Gläubigen kennen mehrere Zeiten des Fastens, wobei der große Fastentag der "Versöhnungstag" - Jom Kippur - ist. Die zehn Tage zwischen dem jüdischen Neujahrsfest und dem Versöhnungstag sind eine Zeit der intensiven Buße.

Fastenzeit

Im Islam ist der Fastenmonat Ramadan eine der fünf Säulen. In dieser Zeit darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts gegessen oder getrunken werden. Wenn die Sonne untergegangen ist, ist das Fasten für diesen Tag vorbei.

Askese

In den ostasiatischen Religionen spielt die Askese eine große Rolle.

Das Christentum kennt vor allem die 40 Tage vor Ostern als Fastenzeit. Demgegenüber tritt der Advent als die "kleine Fastenzeit" in den Hintergrund. Die Tradition des "Freitagsfastens" als Erinnerung an die Kreuzigung Jesu ging weitgehend verloren.

Wenn sich also die Praxis des Fastens in so gut wie allen Religionen wiederfindet, worum geht es dann dabei? Es ist davon auszugehen, dass es dabei nicht um die Sorge um die Gesundheit oder um die Höhe des Körpergewichts geht. Vielmehr ist es die Erfahrung aller geistlichen Traditionen, dass das (leibliche) Fasten ein unerlässlicher Bestandteil jeder intensiveren Besinnungszeit ist.


In der katholischen Kirche ist das Fasten eine Form der inneren Buße - neben Beten und Almosengeben (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1434) - und somit "ein Mittel, um Vergebung der Sünden zu erlangen". Fasten in diesem Sinne versteht sich als religiös begründete freiwillige Nahrungsenthaltung in Bußzeiten. Bußzeiten sind alle Freitage des Jahres und die österliche Fastenzeit. Die Enthaltung von Fleischspeisen dient der Erinnerung an den Tod Jesu, dessen an allen Freitagen gedacht wird.

Als geistliche Methoden sind Fasten und Abstinenz ein Leben im Geist der Buße, Bereitschaft zur Umkehr und Neuausrichtung auf Gott. Durch das leibliche Fasten und alle Formen des Verzichts wird neue Freiheit gegenüber den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und damit Freiheit für Gott und für den Menschen neben uns gewonnen. Durch das Fasten wächst die geistige Aufnahmefähigkeit und die natürlichen Sinne werden frei für übernatürliche Wirklichkeiten.

Neben den traditionellen Formen des Fasten, die sich überwiegend auf die Einschränkung der Nahrungsaufnahme beziehen, etablierern sich neue Formen, mit denen bestimmte gesellschaftspolitische Anliegen transportiert werden sollen. Als Beispiel hiefür sei das "Autofasten" erwähnt, bei dem dafür appelliert wird, möglichst oft auf die Verwendung eines Autos zu verzichten.

Aschenkreuz

Sicherlich haben auch diese Aktionen ihre Berechtigung. Es sei jedoch dahin gestellt, inwieweit damit die ursprünglichen Ziele des Fastens erreicht werden können.


Was meinen Sie?

  • Fasten und Fastenzeit - hat das für Sie eine Bedeutung? Welche?
  • Oder aber ist das ein überkommenes Ritual, das seinen Sinn verloren hat?
  • Sind neue Formen des Fastens - wie das "Autofasten" - sinnvoll?

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Quellen: Vom Sinn des Fastens
www.fastenzeit.de
Karl-Leisner-Jugend
www.autofasten.at

(Josef Falk)