Thema Jänner 2010 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Streitfall Minarett



"Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat."

Mit diesen wohlwollenden Worten spricht das II. Vatikanische Konzil in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen "Nostra Aetate" über den islamischen Glauben und dessen Anhänger.

Istanbul

Und tatsächlich können die Moslems in vielen Punkten auch Vorbild für Christen sein. Das Gebet - fünf Mal am Tag, das Fasten im Monat Ramadan erfordert große Glaubensüberzeugung. Und auch das vielgeschmähte Kopftuch der Frauen stellt unter anderem auch ein Bekenntnis zum Glauben dar, das man unter Christen gar nicht mehr so oft findet.

Nun hat aber das Schweizer Volk in einer Volksabstimmung entschieden, dass in der Schweiz der Bau von Minaretten verboten sein soll. Wie soll man das nun beurteilen - auch angesichts der recht klaren Worte des II. Vatikanischen Konzils?


Die Verbundenheit mit Angehörigen eines anderen Glaubens ist ein sehr hoher Wert, ohne Zweifel. Aber es gibt auch andere Werte. Haben die Menschen, haben wir alle, nicht auch das Recht auf Heimat (auch wenn dieses Wort altmodisch geworden zu sein scheint)? Ist nicht die Kultur, die sich in vielen Jahrhunderten herausgebildet hat, schützenswert? Hat nicht jedes Volk das Recht, seine Idenität zu bewahren?

Es gibt aber nur vier Minarette in der Schweiz und gar nur drei in Österreich. Kann diese Anzahl wirklich die abendländische Kultur gefährden? So wird von Kritikern des Minarett-Verbots eingewendet.

In der Tat sind drei Minarette in Österreich kein Problem - und auch dreißig wären keines. Es gibt aber viele Zeichen, die darauf hindeuten, dass die westliche Kultur auf mittlere Sicht einem grundlegenden Wandel unterzogen werden könnte:

  • Da ist zuallererst die Geburtenrate: Die extrem niedrige Geburtenrate in Europa, auch in Österreich, fordert verstärkte Zuwanderung. Verbunden mit der höheren Geburtenrate der muslimischen Zuwanderer ist es - bei gleichbleibenden Bedingungen - ein Rechenbeispiel, wann die Moslems in Europa die Mehrheitsbevölkerung stellen werden (Link).
  • Immer wieder wird jetzt schon gefordert, dass die Scharia - also die moslemische Rechtsordnung - auch in europäischen Ländern eingeführt wird, vorerst nur für Moslems (Link).
  • In manchen Schulen werden die Türkenkriege nicht mehr behandelt - weil das Zuwanderer verletzen könnte.
  • Im norwegischen Staatsfernsehen durfte heuer keine christliche Weihnachtsgeschichte mehr gezeigt werden - mit Rücksicht auf die multikulturelle Gesellschaft (Link).
  • Im Schweizer Kanton Zürich sagte eine Bestimmung, dass in den Schulen keine Weihnachtslieder mit religiösem Bezug, wie etwa "Stille Nacht, Heilige Nacht" gesungen werden dürfen, ehe die dortige Bildungsdirektorin durch den allgemeinen Sturm der Entrüstung zum Zurückrudern veranlasst wurde (Link).

Heiligenblut

Viele Punkte könnten noch ergänzt werden - nicht zuletzt auch die Debatte um das Kreuz in den Klassenzimmern (wobei anerkannt werden muss, dass sich muslimische Organisationen gegen ein Kruzifix-Verbot in den Schulklassen ausgesprochen haben).

Ist es wirklich so unverständlich, dass viele Menschen diese Entwicklungen mit Sorge betrachten? Und ist es nicht naheliegend, dass diese Meinung auch zum Ausdruck gebracht wird, wenn die Möglichkeit dazu besteht?

Türme

Trotzdem ist das Verbot von Minaretten das falsche Signal. Es behandelt nur Symptome - und löst kein Problem. Für eine Problemlösung wären andere Maßnahmen erforderlich:

  • Die Europäer sollten sich ihrer eigenen Kultur und ihrer eigenen Traditionen wieder stärker bewusst werden. Derzeit wird von gewissen Gruppen an der Verdrängung dieser Kultur gearbeitet - und ein etwas eigentümliches Verständnis der Menschenrechte unterstützt sie dabei. Erst vor kurzem war zu lesen, dass ein atheistischer Vater Klage dagegen führt, dass sein Kind im Kindergarten u. a. an einem Martinsumzug teilnehmen musste. Wenn alle Traditionen, die einen christlichen Bezug haben, gestrichen werden müssen, entsteht ein Vakuum, das eben von anderen Werten befüllt wird. Wer kann diese Werte füllen? Von atheistischen Traditionen und atheistischer Kultur ist jedenfalls bis dato nichts bekannt.

  • Die Europäer müssen wieder in die Lage versetzt werden, die Bevölkerungszahl aus eigener Kraft zu erhalten. Der Schlüssel dazu ist die öffentliche Wertschätzung von Ehe und Familie. Die erforderliche Anzahl von Kindern kann nur aus dauerhaften Ehen hervorgehen. Deshalb muss die Ehe als auf Nachkommenschaft ausgerichtete, dauerhafte Partnerschaft zwischen Frau und Mann gefördert werden - und darf nicht für alles und jedes missbraucht werden.

Wenn diese Bedingungen gegeben sind, kann die Bevölkerung darauf vertrauen, das ihre Kultur und Lebensart auch in Zukunft nicht gefährdet ist. Dann hat die abendländisch-christliche Gesellschaft auch genug Selbstvertrauen und Stärke, die der Anzahl der muslimischen Mitbürger entsprechende Zahl von Minaretten zu verkraften.


Was meinen Sie?

  • Was halten Sie vom Schweizer Minarett-Verbot?
  • Sollte auch in Österreich die Bevölkerung über diese Angelegenheit befragt werden?
  • Glauben Sie, dass es in 100 Jahren in Europa noch eine christliche Kultur geben wird?
  • Was sollte für ein friedliches Zusammenleben der Religionen getan werden?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM

Quellen: OÖ Nachrichten
politik.de
katholisches.info
Tagesanzeiger

(Josef Falk)