Thema Dezember 2009 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Das Kreuz und die Menschenrechte


Was ist eine Menschenrechtsverletzung?

Wenn jemand bei Nacht und Nebel abgeholt und verschleppt wird? Wenn die Meinung zu sagen eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet? Wenn jemand daran gehindert wird, sein Land zu verlassen? Vielleicht gar, wenn - wie heute in Österreich - eines von drei Kindern schon vor seiner Geburt jeder Lebenschance beraubt wird?

Seit 3. November 2009 weiß man es besser: Es ist eine Menschenrechtsverletzung, wenn in einer Schulklasse ein Kreuz hängt.

An diesem Tag hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg - in einem Verfahren gegen die Republik Italien - festgestellt, dass Kruzifixe in Klassenzimmern öffentlicher Schulen nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar seien. Die Klage war von einer aus Finnland stammenden italienischen Bürgerin eingereicht worden, die im Jahr 2002 von dem Gymnasium, das ihre beiden Kinder besuchten, verlangt hatte, dass die Kreuze aus den Klassenzimmern entfernt werden müssten.

Kreuz im Klassenzimmer

Die Richter erklärten, Kruzifixe seien eindeutig religiöse Symbole. Dies könne für Kinder, die einer anderen oder keiner Religion angehören, "verstörend" wirken. Das Recht, ohne Religion zu sein, gehöre zur Religionsfreiheit. Der Staat müsse dieses Recht besonders schützen.

Nun hat jeder Staat seine Geschichte - und der Kontinent Europa hat seine Geschichte. Obwohl natürlich mehrere Einflüsse die Geschichte Europas geprägt haben - von der Antike bis zur Aufklärung - ist doch das Christentum die prägende Kraft der vergangenen zwei Jahrtausende gewesen. An vielen Fakten ist das erkennbar:

Adam

  • Das europäische Bildungswesen ist durch das Wirken der christlichen Kirchen entstanden
  • Die ersten Krankenhäuser in Europa wurden im kirchlichen Raum gegründet
  • Bis vor 200 Jahren wurde auch ein großer Teil der staatlichen Verwaltung durch die Kirchen wahrgenommen; das kann jeder feststellen, der z. B. einmal die Geschichte seiner Familie erforschen will: die meisten Grundbücher, alle Geburts-, Heirats- und Sterbebücher wird man in Diözesan- und Pfarrarchiven finden.
  • Ein Blick in die Museen Europas zeigt, dass auch die Kunst - bis herauf in die Gegenwart - vom Christentum geprägt ist.
  • Und schließlich gibt es noch (scheinbare) Kleinigkeiten: jedes Mal, wenn wir ein Datum schreiben, wird an die Zahl an Jahren erinnert, die seit Christi Geburt vergangen sind (auch, wenn ein kleiner Rechenfehler dabei ist).

Mit dieser Geschichte auf das Engste verbunden ist das Wertesystem. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, sind die europäischen Werte nicht erst in der Aufklärung entstanden.

Jede Aufstellung von Menschenrechten ist ein matter Abglanz der ethischen Forderungen der Bibel.

Für all das steht das Kreuz!

Es ist alles andere als ein Fehler - oder gar eine Menschenrechtsverletzung - dass an diese unsere Geschichte erinnert wird. Und das gerade in den Klassenzimmern.

Auch wenn die Zahl der regelmäßigen Kirchgeher und auch der Kirchenmitglieder weniger wird, ist dieses Symbol für eine überwiegende Mehrheit von Menschen auch ein Symbol für Heimat. Und das soll man ihnen - soll man uns - nicht nehmen.

EU - Gott

Richtig ist aber auch, dass das Kreuz nicht etwas Trennendes sein soll - und kein Triumphzeichen. Deshalb ist es schon vorstellbar, dass neben dem Kreuz auch Symbole anderer Glaubensgemeinschaften angebracht werden können. Eine diesbezügliche Regelung könnte etwa folgendermaßen aussehen: Wenn zumindest ein Kind einer der gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft in einer Klasse sitzt - und dieses auch den jeweiligen Religionsunterricht besucht - dann kann auf Antrag der Eltern oder des Religionslehrers ein Symbol dieser Glaubensgemeinschaft angebracht werden.

Dieses Zugeständnis entkräftet auch den Vorwurf, dass eine Glaubensgemeinschaft vom Staat bevorzugt wird. Auch wenn die Christen nach wie vor die überwiegende Mehrheit in Europa stellen und dieser Kontinent von nichts anderem so geprägt ist, wie vom Christentum, soll jede Glaubensgemeinschaft durch ihre Symbole in der Öffentlichkeit sichtbar sein - durchaus auch in den Schulklassen.

Wenn dieser Kontinent jedoch seine Wurzeln verleugnet, dann wird er keine Zukunft haben.


Was meinen Sie?

  • Ist ein Kreuz in einer Schulklasse eine Menschenrechtsverletzung?
  • Was bedeutet für Sie "Trennung von Kirche und Staat"?
  • Wie sollen die Kirchen auf Angriffe auf religiöse Werte reagieren?
  • Halten Sie es für denkbar, dass auch islamische oder jüdische Symbole in österreichischen Klassenzimmern hängen?

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Quellen: stephanscom.at
stephanscom.at

(Josef Falk)