Thema November 2009 01 / 282 22 44
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Der verpflichtende Kirchenbeitrag und seine Alternativen



Es ist nicht neu, dass der Kirchenbeitrag Thema einer öffentlichen Diskussion ist. Oft wird seine Bedeutung für die zahlreichen Kirchenaustritte betont - oder auch bestritten. Häufig wird von Kirchenkritikern auch eingewendet, dass die Mitwirkung des Staates bei der Einhebung des Kirchenbeitrags das Gebot der Trennung von Kirche und Staat verletze.

Kardinal Schönborn

Zunehmend sind es aber auch überzeugte Katholiken (und auch leidenschaftliche Protestanten), die Bedenken an dieser Art der Kirchenfinanzierung äußern. Zuletzt sah auch Kardinal Christoph Schönborn Alternativen zum verpflichtenden Kirchenbeitrag. Der Kardinal sieht Möglichkeiten für ein Modell mit einem freiwilligen Kirchenbeitrag, etwa das US-amerikanische System, "dass man einfach ganz massive steuerliche Erleichterungen für Spenden an die Kirchen, an die Sozialeinrichtungen etc. geben würde." Dies sei zwar derzeit noch lange nicht der Fall, trotzdem lobte Kardinal Schönborn die jüngste, "deutliche Verbesserung in diesem Bereich", nämlich die Erhöhung des Absetzbetrages auf 200 Euro im Zuge der Steuerreform.


In der Tat gibt es eine verpflichtende Kirchensteuer (bzw. Kirchenbeitrag, wie diese in Österreich genannt wird) nur in sehr wenigen Ländern. Kirche kann also auch ohne verpflichtenden Kirchenbeitrag existieren.

Was aber wäre anders, gäbe es diesen verpflichtenden Kirchenbeitrag nicht?

Zweifellos gäbe es durch den zu erwartenden Einnahmeneinbruch weniger katholische Kindergärten, weniger katholische Krankenhäuser, Bildungszentren, Anlaufstellen für Menschen in Not. Die meisten sozialen Dienste, die die Kirche jetzt für die Gesellschaft leistet, müssten wohl ganz vom Staat übernommen werden. In Zeiten der Wirtschaftskrise wäre der Staat hierzu gewiss nicht in der Lage.

Kirchenbeitrag Logo

Eine Konsequenz der Abschaffung des Kirchenbeitrags in der heutigen Form wäre auch, dass das kirchliche Leben von einigen Großsponsoren abhängig wäre, die möglicherweise auch Einfluss auf Inhalte gewinnen könnten.

Andererseits würde ein Ende des verpflichtenden Kirchenbeitrags aber auch nicht ein Ende der Kirche bedeuten. Die Kirche müsste sich ganz anders aufstellen - ihr Engagement in der Gesellschaft wäre ein anderes. Einen solchen neuen, womöglich stärker vom Geist des Evangeliums getragenen Zugang zur Gesellschaft erhoffte sich der verstorbene Erzbischof zu Fulda, Johannes Dyba. Ohne verpflichtenden Kirchenbeitrag würde "manches vielleicht sogar leichter und ursprünglicher", man müsste sich "auf die wesentlichen Aufgaben der Kirche beschränken".

Kirchturm

Und natürlich hätte die Abschaffung des Kirchenbeitrags Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen: Wer irgendwann in einer menschlich vielleicht verständlichen Panikreaktion seine finanziellen Nöte mit dem Austritt aus der Kirche zu lindern versucht, der braucht später viel Courage und Energie, um diesen Schritt mit einem Wiedereintrittsverfahren rückgängig zu machen.

Wenn auch eine Abkehr vom derzeitigen System der Kirchenfinanzierung in Deutschland und Österreich unrealistisch ist, wie Kardinal Schönborn sagt, so sollte es doch nicht so sein, dass der Kirchenbeitrag die Gemeinschaft der Getauften auf eine Ebene mit den Gewerkschaften oder einem Sportverband stellt: Man wird Mitglied, zahlt seinen Beitrag - und wenn einem die Nase des Präsidenten nicht mehr passt, tritt man halt wieder aus. Im Evangelium geht es um unverdientes Empfangen, um Freiwilligkeit. Wer den Ruf empfängt und ihm folgen will, der gibt alles hin - und nicht nur ein paar Prozent der Einkommensteuer.


Wie denken Sie darüber?

  • Ist ein anderes Modell der Kirchenfinanzierung als das des verpflichtenden Kirchenbeitrags denkbar?
  • Könnte eine Abkehr vom derzeitigen System sogar Vorteile bringen?
  • Was würde sich ohne verpflichtenden Kirchenbeitrag ändern?
  • Hätte das auch Auswirkungen auf die Austrittszahlen?

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Quellen: Die Presse
Vatican Magazin

(Josef Falk)