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Neu von Gott reden - Maria Namen Feier 2009



"Neu von Gott reden". So lautete das Motto der diesjährigen Maria-Namen-Feier am 13.09.2009 in der Wiener Stadthalle. Zu der größten regelmäßigen kirchlichen Veranstaltung in Österreich kamen wieder tausende Gläbige aus Österreich und den Nachbarländern. Organisiert wurde die Feier vom "Rosenkranz-Sühnekreuzzug".

Kardinal Schönborn

Die Festpredigt hielt Kardinal Christoph Schönborn. Er stellte die Wichtigkeit heraus, falsche Bilder von Gott abzulegen. Wenn wir von Gott reden wollen, dann müssten wir uns zuerst fragen, wie ist denn Gott?
Oft würde Gott - sehr abstrakt - als "höhere Macht" bezeichnet. "Irgendetwas wird es schon geben" könne man hören - "Irgendetwas".
Oder ist Gott ein Sittenwächter?
Oder doch der alte Mann mit dem weißen Bart, der dafür sorgt, dass "wir alle, alle in den Himmel kommen, weil wir so brav sind"?

Es ist wichtig, dass wir Gott selbst begegnen - und nicht all den genannten Projektionen. Ihm dem lebendigen, dem heiligen aber auch unbegreiflichen Gott. Es muss uns auch manchmal der Gedanke an den lebendigen Gott erschrecken, die Größe, Unbegreiflichkeit, Heiligkeit und seine Nähe.


Was es heißt, "neu über Gott zu reden", zeigte der "Stargast", der Arzt, Psychotherapeut, Theologe und Erfolgsautor Manfred Lütz, der sich in sehr pointierter - und auch unterhaltsamer - Weise mit den Argumenten des Neo-Atheismus auseinandersetzte.

So greift Lütz die Argumentation des Philosophen und Religionskritikers Ludwig Feuerbach (1804-1872) auf. Dessen Theorie besagt, dass der Mensch alle Eigenschaften, die er sich für sich selbst wünscht (Unsterblichkeit, Vollkommenheit, Glückseligkeit, Gleichberechtigung) auf ein erfundenes Wesen namens "Gott" überträgt. Manfred Lütz stellt klar, dass mit dieser Behauptung die Existenz Gottes keineswegs widerlegt ist - sondern dass dadurch vielmehr Gottes Nicht-Existenz vorausgesetzt wird. Feuerbach gehe von der Frage aus, wie man erklären könne, dass etwas, das nicht existiere, verehrt wird. Das wäre so, als würde man behaupten, dass eine "Sahnetorte" nicht existiere, nur weil ein Mensch sie sich wünscht.

In weiterer Folge wird auf das Verhältnis des Christentums zur Wissenschaft eingegangen. "Ist nicht die Wissenschaft für die Religion ein Problem?" fragt Prof. Lütz. Um diese Frage anschließend entschieden zu verneinen. Vielmehr habe das Christentum die moderne Wissenschaft ja erfunden. Die Naturwissenschaft ist an den christlichen Hochschulen entstanden uns die ließe sich sehr gut mit dem christlich-theologischen Konzept der "Creatio ex nihilo" (der Schöpfung aus dem Nichts) vereinen. Mit dem Zurückdrängen des Christentums aus Westeuropa tauchen auch wieder vermehrt heidnische - unwissenschaftliche - Praktiken auf, mit denen etwa durch Steine am Fenster oder durch Metallstangen im Keller für eine "gute Energie" im Haus gesorgt werden soll. "Jesus Christus hat uns erlöst - und nicht Metallstangen im Keller!" ruft Prof. Lütz aus.

Manfred Lütz
Maria Namen Feier

Der Vortragende geht auf häufig genannte Vorwürfe der Atheisten an die Kirche ein: nämlich auf den Fall Galileo Galilei und die Evolutionstheorie.

Der Fall Galileo hätte gar nichts mit Naturwissenschaft zu tun - und auch nicht mit dem kopernikanischen Weltbild, wonach sich die Erde um die Sonne drehe. Dieses war zu Zeiten des Galileo Galilei nämlich bereits von der Kirche anerkannt. Kopernikus - im übrigen ein Kirchenmann - hatte sein Werk Papst Paul III. gewidmet - und dieser hat die Widmung angenommen. Auch der nach Papst Gregor XIII. benannte - bis heute gültige Gregorianische Kalender - beruht auf dem kopernikanischen Weltbild.


Auch mit der viel diskutierten Evolutionstheorie gebe es keine Probleme: Die Evolutionstheorie sei die erste Beschreibung, die der katholischen Auffassung der "Creatio continua" entspricht, also der Vorstellung, dass die Schöpfung ein andauernder Prozess ist - und nicht am Anfang der Weltgeschichte passiert und seither abgeschlossen ist. "Gott ist nach der Schöpfung nicht in Rente gegangen", meint Manfred Lütz.

"Neu von Gott reden" - vielleicht muss man gar nicht "neu" von Gott reden- sondern einfach "wieder von Gott reden". Die Art und Weise, wie Manfred Lütz von Gott spricht, macht Mut und beweist, dass den neuen Atheisten vom Schlage eines Richard Dawkins aus christlicher Sicht offensiv entgegengetreten werden kann.


Was meinen Sie?

  • "Wie ist denn Gott" - fragt Kardinal Schönborn in seiner Festpredigt. Wie ist Gott für Sie?
  • Die so genannten Neuen Atheisten bezeichnen Religion als "Wahn" - was würden Sie ihnen antworten?
  • Sind Sie der Meinung, dass die "Gottesfrage" - also Gott selbst - in der katholischen Kirche in ausreichendem Maße zur Sprache kommt?
  • Inwieweit ist es nötig, "neu" von Gott zu reden?

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Quellen: katholisch.at
Stephanscom.at

(Josef Falk)