Thema August 2009 01 / 282 22 44
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Auf der Suche nach den Ursprüngen des Glaubens - die Echtheit des Paulusgrabes



Päpstliche Predigten enthalten im allgemeinen eher keine Sensationen. Die Predigt Papst Benedikts XVI. am 29. Juni während der Vesper zum feierlichen Abschluss des Paulusjahres erregte aber Aufsehen: Analyse von Knochenresten aus dem vermuteten Grab des Apostels Paulus scheinen "die einmütige und unbestrittene Überlieferung zu bestätigen, der zufolge es sich um die sterblichen Überreste des Apostel Paulus handelt", so Papst Benedikt. Diese Mitteilung war nicht nur für Gläubige eine archäologische Sensation.

Paulusgrab

Seit dem Jahr 390 liegt der Sarkophag mehr oder minder unverrückt an seinem heutigen Platz in der Basilika "Sankt Paul vor den Mauern" unter einer Marmorabdeckung, die auf "PAVLO APOSTOLO MART", den Apostel und Märtyrer Paulus, verweist. In diesem Jahr wurde der Paulussarg von Kaiser Theodosius (347 - 395) und seinen Mitregenten angehoben, nachdem er zuvor in der nicht ganz hochwassersicheren Apsis der konstantinischen Basilika von 324 geruht hatte. Es ist jedoch unklar, was in den etwa 250 Jahren zwischen dem Martyrium des Paulus im Jahr 67 und dem Bau der konstantinischen Kirche passiert ist.

Nun wurde der Sarkophag des Apostels mit einer Sonde untersucht. Diese Spezialsonde förderte Spuren von kostbarem purpurfarbenen Leinen zu Tage, besetzt mit Blattgold und von einem blauen Textil mit Leinenfasern; außerdem rote Weihrauchkörner, eiweiß- und kalkhaltige Substanzen und winzige Knochenfragmente, deren C-14-Untersuchung durch Experten ergab, dass sie einer Person gehörten, die im 1. oder 2. Jahrhundert gelebt hat. Dies scheint die Tradition zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste des Apostels Paulus handelt.


Doch es gibt auch Zweifel: Die evangelische Theologieprofessorin Carola Jäggi meint, es gäbe keine Möglichkeit, die Knochen als Überreste des Heiligen Paulus zu identifizieren. Der Kult um die Grabstätten der Apostelfürsten Petrus und Paulus habe erst um das Jahr 200 eingesetzt, rund 140 Jahre nach ihrem Tod. Erst seit diesem Zeitpunkt seien aus Verehrungsbedürfnis heraus Bestattungsorte lokalisiert worden, die vielleicht nichts mit den tatsächlichen Gräbern zu tun hatten.

Welche Bedeutung hat aber dieses Grab und die Frage nach seiner Echtheit für den Glauben? Dazu sagt P. Federice Lombardi, SJ, Leiter des Presseamtes des Heiligen Stuhls, in "Octava Dies", einer Fernsehsendung des Vatikanischen Fernsehens:

Paulusportrait
Paulus - Papst

Auch wenn die Reliquienverehrung heute nicht mehr so modern sei, seien die Gräber und Wirkstätten "derer, die uns vorangegangen sind, und ganz besonders die der Heiligen, für das Verständnis unseres Verwurzeltseins in der lebendigen Tradition des Glaubens von großer Bedeutung".

Auch wenn durch den Nachweis der Echtheit des Apostelgrabes kein einziger Mensch zusätzlich zum Glauben kommt - und wohl auch kein Mensch seinen Glauben verliert, nur weil das Paulusgrab nicht echt ist, so kann es doch dem Glauben Kraft geben, wenn wir einen so deutlichen Zeugen für die Realität der Geschehnisse vor 2000 Jahren haben. Oder um es mit den Worten des P. Lombardi zu sagen: "In gewisser Weise leben die Apostelfürsten auch heute noch unter den Menschen, um ihnen Orientierung zu bieten, sie zu inspirieren und im Glauben zu stärken".


Was meinen Sie?

  • Hat es irgend eine Bedeutung, sollte sich die Echtheit des Paulusgrabes herausstellen?
  • Interessiert es Sie persönlich?
  • Halten Sie das Ganze für eine abzulehnende Form der Reliquienverehrung?
  • Glauben Sie, dass eine Auswirkung auf den Glauben eines Menschen vorhanden sein kann?

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Quellen: Welt Online
NGZ Online
Zenit

(Josef Falk)