Thema Mai 2009 01 / 282 22 44
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Braucht die Kirche ein Drittes Vatikanisches Konzil?


Zölibat, Frauenpriestertum, die Form der Liturgie, ... Groß ist die Zahl der Streitfragen, die die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche beschäftigen - und viele Menschen darüber hinaus.

Oft ist es so, dass durch die Diskussion über diese Fragen der Blick auf das Wesentliche verstellt wird. Lt. jüngsten Umfragen glaubt nicht einmal mehr die Hälfte der Österreicher an Gott. In Bezug auf die Frage nach einem Leben nach dem Tod bzw. die Auferstehung Jesu sind es noch weniger.

Vermutlich kann sich die Kirche erst dann wieder mit ganzer - vereinter - Kraft der wesentlichen Frage - "Wie kann den Menschen Gott nahe gebracht werden?" - widmen, wenn die aktuellen Streitfragen gelöst sind. Wie aber können sie gelöst werden?

II. Vatikanum

Das VATICAN-magazin - eine in Rom für den deutschsprachigen Raum produzierte Zeitschrift - schlägt ein "Konzil der Versöhnung", ein Drittes Vatikanum, vor. Der Autor - Mitherausgeber Paul Badde - weist darauf hin, dass das Zweite Vatikanum das erste Konzil der Kirchengeschichte war, das einberufen wurde, ohne eine offene dogmatische Streitfrage klären zu müssen. Dem gegenüber gäbe es heute eine Fülle offener Streitfragen in der katholischen Kirche.

Konzilseröffnung

Ein wesentlicher Punkt, an dem sich die Geister scheiden, ist die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das VATICAN-magazin spricht von zwei Extremen: Am rechten Rand würden die Anhänger des verstorbenen Erzbischof Lefebvre im Konzil den Abfall von jener großen Tradition sehen, die die wahre Lehre immer unversehrt weiter gegeben habe. Am linken Rand hingegen würden Männer wie etwa Hans Küng das Konzil als einen fundamentalen Neubeginn der Kirchengeschichte und als einen Bruch mit der Tradition betrachten.


Und während man all diese Fragen diskutiere, drohe der Glaube zu verlöschen wie eine Flamme. Es öffne sich die vielleicht tiefste Krise der Christenheit. "Denn wer glaubt heute - an der Basis: bei den Pfarrgemeinderäten, den Religionslehrern, dem Heer jener Frauen, die Jahr für Jahr die Kinder der katholischen Kirche auf die Erstkommunion vorbereiten - noch an den vollständigen Dogmenschatz der Kirche?", so das VATICAN-magazin. Und weiter: Wer glaubt wirklich noch "an einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt aus dem Wesen des Vaters, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater"? Nicht einmal die Hälfte der Österreicher glaubt an Gott - das heißt nicht einmal jedes Kirchemitglied.

Muss in dieser Situation nicht die Frage erlaubt sein, ob jetzt nicht vielleicht die Zeit für ein notwendig gewordenes Drittes Vatikanum gekommen ist? An Streitfragen, die - im Gegensatz zur Lage vor dem Vatikanum II - in ihrer Gesamtheit doch so groß und dringend erscheinen, dass der Papst sie auch mit einer neuen Enzyklika nicht mehr zu beantworten vermag. Müssen diese Fragen also schließlich nicht nun noch einmal umfassend neu von allen katholischen Bischöfen der Weltkirche zusammen mit Petrus - dem Papst - debattiert und entschieden werden?

Muss die Kirche angesichts der Gefahren der "Verdunstung des Glaubens" nicht noch einmal neu mit einer Stimme sprechen lernen wie in den Tagen von Nizäa und Ephesus (Schauplätze der ersten Konzilien der Kirchengeschichte)? Sind die Spannungen nicht einfach zu groß geworden für andere Wege?

Nizäa

Braucht die Kirche ein neues Ökumenisches Konzil, mit dem sich sich zu ihrem Ursprung aufmacht: zu ihrem Herrn Jesus Christus?


Was meinen Sie dazu?

  • Könnte ein neues Konzil die Einheit in der Kirche fördern bzw. wieder herstellen?
  • Ist eine Einheit in der Kirche überhaupt wünschenswert?
  • Gäbe es andere Wege um die offenen Streitfragen zu lösen?
  • Ist der Abstand seit dem Zweiten Vatikanum noch zu kurz für ein neues Konzil?

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Quellen: VATICAN-magazin
kath.net

(Josef Falk)