Thema Februar 2009 01 / 282 22 44
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Ist die Kirche noch "Nahversorgerin für die Seele"?


Im Mittelpunkt der Österreichischen Pastoraltagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil stand die Situation der "Ämter und Dienste" in der Kirche angesichts des Priestermangels.

Schon seit vielen Jahren hat bei weitem nicht jede Pfarrgemeinde einen Pfarrer - und wird lediglich "mitbetreut". Ein Konzept, das über diese "Mitbetreuung" hinausgeht, ist die Errichtung von "Pfarrverbänden" und "Seelsorgeräumen".

Ein Seelsorgeraum ist ein Gebiet, in dem mehrere Pfarrgemeinden miteinander verbunden sind und sich auf einen gemeinsamen pastoralen Weg einlassen. Die Pfarren bleiben im rechtlichen Sinn in ihrer Eigenständigkeit erhalten, arbeiten aber auf mehreren Ebenen verbindlich zusammen.

Diesem Konzept kommt auch eine weitere gesellschaftliche Entwicklung entgegen: nämlich die der gesteigerten Mobilität der Menschen. Die Menschen denken weniger territorial, sondern eher personal. Es ist heute ohne Schwierigkeit möglich, das eigene "Territorium" zu verlassen, um Gottesdienste in anderen Gemeinden zu feiern. Oft sind es auch nur attraktivere Gottesdienstzeiten, die Kirchgänger veranlassen, weiter entfernte Kirchen zu besuchen - Handlungsweisen, die vor etlichen Jahrzehnten kaum praktiziert wurden. Wieso sollte man auch einen mehrstündigen Fußmarsch in Kauf nehmen, nur um im Nachbarort einen engagierter predigenden Pfarrer zu erleben, als das im Heimatort der Fall war?

Bischöfe
Bischof Schwarz

Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz - der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Fragen der Pastoral zuständig ist - wies bei der Österreichischen Pastoraltagung auch auf die Gefahren bei der Errichtung von Pfarrverbänden und Seelsorgeräumen hin: Die Kirche müsse "Nahversorgerin für die Seele" bleiben. Er mahnte zur "Zurückhaltung" bei der Aufgabe gewachsener Pfarrstrukturen und zeigte sich skeptisch im Hinblick auf Strukturreformen, die Seelsorgeräume und Pfarrverbände "über die Köpfe der Menschen hinweg" schaffen wollen.

Mit Seelsorgeräumen bereits Erfahrung sammeln konnte man in der Diözese Innsbruck. Im Frühling 2005 hat die Diözesenleitung beschlossen, konsequent den Weg der Gemeindeerneuerung und der Bildung von Seelsorgeräumen einzuschlagen. Man sieht diese Organisationsmaßnahmen nicht lediglich unter dem Aspekt des Priestermangels, sondern unter anderem auch unter dem Gesichtspunkt der Öffnung zu den Nachbarpfarren und zu anderen Orten christlichen Lebens.

Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer plädierte auf der Österreichischen Pastoraltagung für einen "nüchternen Blick auf eine oftmals durchwachsene Glaubenslandschaft". Die ersten Erfahrungen mit den Seelsorgeräumen seien "insgesamt besser als es manchen 'Untergangspropheten' lieb wäre". Daher sei es voreilig und falsch, angesichts der Bildung von Seelsorgeräumen und Pfarrverbänden von einer "Depression" oder einem "reinen Krisensymptom" zu sprechen, so der Bischof.

Den Blick auf die eigentlichen Probleme der Kirche lenkt der "Gastgeber" der Österreichischen Pastoraltagung, der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser. Er sieht in den Problemen "nur Symptome einer tiefer gehenden Krise der Glaubensfestigkeit", wie er in einem Gespräch mit "Kathpress" betont. Bei allen notwendigen Umstrukturierungen des pfarrlichen Lebens dürfe nicht aus dem Auge verloren werden, dass Strukturreformen die Glaubenskrisen nicht lösen können.

Oder anders formuliert: Wo die Menschen nicht mehr an Gott glauben, kann die beste Strukturreform nicht helfen.

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  • Ist eine überpfarrliche Zusammenarbeit, wie sie in den Seelsorgeräumen verwirklicht ist, sinnvoll?
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  • Wie wichtig sind Pfarren und eine pfarrliche Bindung noch im Zeitalter der Mobilität?

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Quellen: kathweb Nachrichten
Stephanscom
kath.net
Seelsorgeräume in Innsbruck

(Josef Falk)