Thema Jänner 2009 01 / 282 22 44
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Der medizinische Fortschritt und die Würde des Menschen


Laufend wird von neuen Erkenntnissen der medizinischen Forschung berichtet. Aber darf die Medizin alles? Ist wirklich jede neue Behandlungsmethode im Sinne des Menschen? Ist jede Hoffnung für den einzelnen auch im Sinne der Menschheit?

Mit fortschreitenden Möglichkeiten sind diese Fragen immer wieder neu zu stellen. Seit "Donum Vitae", dem letzten vatikanischen Dokument zur Bioethik, sind inzwischen 21 Jahre vergangen. 21 Jahre, in denen die medizinische Forschung fortgeschritten ist und in denen sich neue ethische Herausforderungen im Bereich der Biomedizin gestellt haben.

Gene

Auf diese Herausforderungen hat die vatikanische Glaubenskongregation mit dem Bioethik-Dokument "Dignitas Personae" ("Die Würde der Person") reagiert.

Das Dokument drückt die kirchliche Anerkennung für die biomedizinische Forschung aus. Wissenschaft sei "ein wertvoller Dienst am umfassenden Gut des Lebens und der Würde jedes Menschen". Die Kirche schaue mit Hoffnung auf die wissenschaftliche Forschung, möglichst viele Christen sollten sich dem Fortschritt der Biomedizin widmen.

Die Beurteilung von biomedizinischen Methoden soll von zwei Grundprinzipien getragen sein:

  1. "Der Mensch muss von seiner Empfängnis an als Person geachtet und behandelt werden und infolgedessen muss man ihm von diesem Augenblick an die Rechte der Person zuerkennen und darunter vor allem ... das Recht auf Leben."
  2. "Der Ursprung des menschlichen Lebens hat ... seinen authentischen Ort in Ehe und Familie."

Ausgehend von diesen Grundprinzipien kommt "Dignitas Personae" zu folgenden Schlussfolgerungen:

Ein Kind darf nicht "produziert" werden. Es werden alle Techniken der küstlichen Befruchtung abgelehnt, die den ehelichen Geschlechtsakt ersetzen. Es wird zwar der Wunsch von Ehepaaren nach einem Kind als berechtigt angesehen, dieser Wunsch könne jedoch nicht höher stehen als die Würde jedes menschlichen Lebens - der Wunsch nach einem Kind rechtfertigt nicht seine "Produktion".

Entschieden abgelehnt wird auch die so genannte "Präimplementationsdiagnostik". Dabei wird im Rahmen einer künstlichen Befruchtung der Embryo auf Gen- oder Chromosomendefekte untersucht. Weist er solche auf, dann wird er in aller Regel nicht in die Gebärmutter eingesetzt sondern vernichtet. Mit dieser "qualitativen Selektion" bahne sich die Eugenik den Weg und leiste einer Diskriminierung von Kranken und Behinderten Vorschub. "Man vergisst, dass Kranke und Behinderte Personen nicht eine Art Sonderkategorie bilden, weil Krankheit und Behinderung zum Menschsein gehören."

Embryo

Die Möglichkeiten der Gentherapie werden von "Dignitas Personae" differenziert bewertet. Während so genannte "somatische Gentherapien", die genetische Defekte in bestehenden Körperzellen beheben wollen, positiv beurteilt werden, wendet sich die Instruktion gegen alle Arten der Keimbahntherapie, weil sich die vorgenommenen genetischen Veränderungen auch auf die Kinder auswirken.

Klonen

Entschieden abgelehnt wird das Klonen. Ein geklonter Mensch wäre "faktisch einer Art biologischer Sklaverei unterworfen". Noch schwerwiegender wird das so genannte "therapeutische Klonen" beurteilt: "Die Herstellung von Embryonen mit der Absicht, sie zu zerstören, auch wenn man dadurch Kranken helfen möchte, ist mit der Menschenwürde vollkommen unvereinbar".

Experimente, bei denen tierische Eizellen zur Reprogrammierung der Kerne menschlicher Körperzellen verwendet werden (Mensch-Tier-Hybride) werden als "Beleidigung der Menschenwürde" bezeichnet.

Nach Aussage des vatikanischen Bioethik-Dokumentes kann in der Entwicklung des Menschen vor und nach der Geburt "weder eine Änderung seines Wesens noch eine Gradualität des moralischen Wertes behauptet werden". Der Schutz der Personenwürde ist in der Instruktion ein Schlüsselargument bei der ethischen Bewertung neuer Fortpflanzungstechniken, der Stammzellenforschung und der Gentherapie.


Wie denken Sie darüber?

  • Soll die Kirche zu Fragen der Wissenschaft Stellung nehmen?
  • Halten Sie die Betonung der "Würde des Menschen" für übertrieben?
  • Wo liegen die Grenzen der Medizin?
  • Ist alles erlaubt, was kranken Menschen helfen kann - auch z. B. die "Produktion" von Menschen als "Ersatzteillager"?

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Quellen: Dignitas Personae
kathweb
Die Presse
kath.net

(Josef Falk)