Thema Dezember 2008 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Familie in der Krise! Oder doch nicht?


Advent- und Weihnachtszeit! Wenn auch die religiöse Bedeutung mehr und mehr verloren geht - so gilt diese Zeit immer noch als die Zeit der Familie.

Aber ist nicht auch das nur mehr ein Klischee? Wie oft gibt es "Familie" im traditionellen Sinne überhaupt noch? Zurückgehende Heiratszahlen, sinkende Geburtenraten, immer mehr Scheidungen kratzen auch an diesem Bild. Ist also auch die Institution der Familie in der Krise? Steht diese Institution gar vor dem Zerfall?

Nein - wenn man drei neu erschienenen Büchern aus Soziologie, Geschichtswissenschaft und Europäischer Ethnologie Glauben schenkt, die am 5. November 2008 am Österreichischen Institut für Familienforschung präsentiert wurden.

Die Soziologen Johannes Pflegerl und Christine Geserick haben die Bedeutung von Familie als Quelle sozialer Sicherheit aufgearbeitet. Sie stellen fest, dass im Zuge des ökonomischen Aufschwungs in Österreich zwar der Staat als Unterstützungsquelle an Bedeutung gewann. Dennoch kam es nie zu einem völligen Ersatz familialer Netzwerke - bis heute. Netzwerke zwischen der Eltern- und der Kindergeneration seien eine verlässliche und stabile Quelle emotionaler, aber auch materieller Hilfen, z. B. Unterstützungen der jüngeren Generationen oder Hilfen bei der Kinderbetreuung. Auch dass immer mehr junge Menschen bis in das 3. Lebensjahrzehnt bei ihren Eltern wohnen, ist Ausdruck einer neuen Generationensolidarität

Buchpräsentation

"Angesichts der gegenwärtigen sozialpolitischen Entwicklungen lässt sich vermuten, dass zukünftig verwandtschaftliche Netzwerke noch an Bedeutung gewinnen werden", halten Geserick und Pflegerl fest.

Großfamilie

Das Buch "Private Netzwerke im Wohlfahrtsstaat" von Heidi Rosenbaum und Elisabeth Timm greift unter anderem den Mythos vom Zerfall der mehrgenerationalen Großfamilie auf. Die Autorinnen meinen, dass die Großfamilie nur für einen kurzen Moment in der Sozialgeschichte der Familie existierte und die Kleinfamilie vielmehr eine lange Tradition hatte und keinesfalls eine "Erfindung der Moderne" sei.

Die Abkehr von der Großfamilie heißt auch nicht, dass sich damit der Zusammenhalt der Generationen verändere. Kinder wohnen zu "70 % in relativ großer räumlicher Nähe zu den Eltern", was intensive soziale Kontakte begünstige.

Mit dem Begriff "Verwandtschaft" setzen sich die Geschichtswissenschafterinnen Margareth Lanzinger und Edith Saurer auseinander. Der Annahme, dass "Verwandtschaft" seit dem Mittelalter kontinuierlich an Bedeutung verloren habe und von anderen Institutionen abgelöst worden sei, stellen die Autorinnen gegenüber, dass Verwandtschaft bis zur Gegenwart wichtig bleibt: als soziales Beziehungs- und Unterstützungsnetz im Alltag, in schwierigen und neuen Lebenssituationen, für den Zugang zu Ressourcen und auch zu Positionen.

Wenn sich das Familienbild im Lauf der Zeit auch wandelt, so bleibt diese Keimzelle jeder größeren Gemeinschaft doch der erste und zentrale Beziehungspunkt jedes Menschen. Die meisten Menschen haben nach wie vor das Glück, in die Geborgenheit einer Familie hineingeboren zu werden. Hier hat man seine ersten sozialen Beziehungen, die auch meist durch das Leben tragen. Und daran ändert auch so manche krisenhafte Erscheinung nichts.

Afrika

Wie denken Sie darüber?

  • Ist die "Familie in der Krise"?
  • Brauchen wir die Institution "Familie" noch?
  • Gab es diesbezüglich Änderungen in den letzten 50 Jahren?
  • Was wäre politisch notwendig, um die Familien zu stärken?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM

Quellen: Österreichisches Institut für Familienforschung

(Josef Falk)