Thema November 2008 01 / 282 22 44
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Ethisches Investment - ein "sicherer Hafen"?


Fallende Aktienindizes und damit häufig schrumpfende Ersparnisse für die Altersvorsorge. Banken, die ins Straucheln geraten und dadurch ebenfalls das Geld vieler Menschen gefährden.

Börse

Durch diese Situation sind viele Anleger stark verunsichert und stellen die Frage, ob nicht die so genannte "Ethische Finanz" ein sicherer Hafen für ihre Ersparnisse ist.

Unter "Ethischem Investment" wird eigentlich verstanden, dass neben Renditekriterien auch ethische Wertvorstellungen des Anlegers berücksichtigt werden sollen. Die Idee stammt aus den Bewegungen gegen die Apartheid in Südafrika und gegen den Vietnamkrieg. "Kein Geld für Rüstung und Apartheid" war die Devise.

Die Katholiken sind aufgefordert, "die richtige Einstellung zu den irdischen Gütern und den gesellschaftlich wirtschaftlichen Beziehungen zu verbreiten" (Katechismus der Katholischen Kirche, 2420). Die Kirche muss daher eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema fördern.


Natürlich stellt sich dabei auch die Frage, ob Geld- oder Vermögensbesitz bzw. Geldanlage nicht schon an sich problematisch ist. Soll Geldanlage für Christen überhaupt ein Thema sein? Im Alltag stellt sich aber für viele Menschen und Institutionen die Frage der Geldanlage. Viele Menschen entscheiden sich, finanziell vorzusorgen, etwa für Notfälle, zur Ausbildung ihrer Kinder, um nach dem Erwerbsleben ihren Lebensstandard zu erhalten oder um zu einem späteren Zeitpunkt größere Investitionen tätigen zu können.


Die für eine erfolgreiche Veranlagung erforderlichen Gewinne können auf sehr unterschiedliche Weise erwirtschaftet werden - und immer mehr Menschen legen Wert darauf, dass die Gewinnerwirtschaftung nicht auf eine Art und Weise erfolgt, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können.

Mit der Frage, ob Ethisches Investment in Krisenzeiten wie diesen auch sicherer ist, beschäftigte sich Mitte Oktober der Kongress "Ethische Finanz" der Raiffeisenkasse Bozen. Kongress-Organisator Markus Nöckler resümiert: "In Zeiten der Krise wird deutlich, dass ein langsames und logisches Wachstum und eine Investition in reale Werte nachhaltiger ist als jede Spekulation".

Sonnenblume

Der grundsätzliche Ansatz ethischen Investments, die Sinnmaximierung, führe auch zu Krisensicherheit. So habe die Initiative "Ethical Banking" der Raiffeisenkassen in neun Jahren noch keinen Kreditausfall zu verzeichnen.

Afrika

Ein weiteres Kriterium für Ethisches Investment klingt angesichts der Krise jedenfalls sehr attraktiv: Transparenz. Nur wenn die Kunden nachvollziehen können, wo ihre Spargelder zum Einsatz kommen, können Spekulationen und riskante Investitionen von vornherein ausgeschlossen werden.

Auch der Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs Markus Schlagnitweit meint, dass man als Einzelperson als Reaktion auf die Finanzkrise auf Ethisches Investment setzen könnte. Auf größerer Ebene handelt der im deutschsprachigen Raum agierende Verein "Corporate Responsibility Interface Centre" (CRIC), in dem sich kirchliche Einrichtungen zusammenschließen und bei Banken und Unternehmen gemeinsam Druck in Richtung ethisches Investment machen.


Wie denken Sie darüber?

  • Kann die Anlage von Geldvermögen überhaupt ethisch sein?
  • Sollte die Politik dafür sorgen, dass sehr ungleich verteiltes Vermögen gar nicht erst entsteht?
  • Ist die aktuelle Finanzkrise vielleicht sogar ein Regulativ gegen zu große Ungleichheit?
  • Schützt "Ethisches Investment" Anleger vor der Finanzkrise?

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Quellen: medianet.at
Der Sonntag
Focus Online
Katholische Sozialakademie

(Josef Falk)