Thema Oktober 2008 01 / 282 22 44
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Das Urknall-Experiment und der christliche Glaube

Am 10.9.2008 wurde in Genf der Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb genommen. Diese "größte Maschine, die je gebaut wurde" soll den Geheimnissen der Entstehung des Universums auf die Spur kommen.

In einem 27 Kilometer langen unterirdischen Tunnel werden Atomkerne aufeinanderprallen, 600 000 Mal pro Sekunde, mit nie zuvor erreichter Wucht. Dadurch sollen Bedingungen wie unmittelbar nach dem "Urknall" entstehen, aus dem nach gängiger wissenschaftlicher Vorstellung vor 13,7 Milliarden Jahren das Universum hervorgegangen sein soll.

Die bei den Experimenten ablaufenden Reaktionen sollen Elementarteilchen hervorbringen, die es bislang nur in der Theorie gibt. Von besonderem Interesse ist das sogenannte Higgs-Boson-Teilchen, das erklären soll, warum es überhaupt so etwas wie "Masse" gibt. Solange dieses Teilchen nicht gefunden ist, können die wissenschaftlichen Theorien nicht erklären, warum es überhaupt Materie in der Form, wie wir sie kennen, gibt. Deshalb wird es auch das "Gottesteilchen" genannt.

LHC

Wie aber lässt sich das mit dem Glauben an einen Schöpfergott vereinbaren? Besteht vielleicht tatsächlich die Gefahr, dass durch neue Erkenntnisse der Glaube an Gott endgültig widerlegt wird? Muss man als Christ derartige Experimente nicht ablehnen?

Vaeterlein/Krabbe

Der Physiker und Informatiker Prof. Peter Väterlein und der Astrophysiker Prof. Alfred Krabbe (Köln) verneinen diese Frage dezidiert.

Es handle sich um rein physikalische Forschungen im Zusammenhang mit der Urknall-Theorie. Der Glaube an Gott als Schöpfer lässt sich experimentell weder beweisen noch widerlegen. Christen haben daher keinen Grund, die Experimente abzulehnen. Sie sollten aber auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Erkenntnissen dringen.

Der Leiter der Fachgruppe Physik/Kosmologie der evangelikalen Studiengemeinschaft "Wort und Wissen", der Astrophysiker Peer Korevaar (Meckesheim bei Heidelberg) ist der Ansicht, dass es bei den Genfer Experimenten nicht in erster Linie um die Erforschung des Urknalls geht, sondern um ein besseres Verständnis der Naturgesetze. Diese sind nach christlicher Auffassung wesentlicher Bestandteil von Gottes Schöpfung. Ihre Kenntnis kann zum Staunen über die Schöpfung anleiten.

Besteht eine Möglichkeit, dem inneren Kern der Wirklichkeit mit diesen Großexperimenten näher zu kommen? Können wir, wie Stephen Hawking es einmal formulierte, die Gedanken Gottes bei der Schöpfung nachempfinden, wenn wir die grundlegenden Formeln der Welt entdecken? Haben wir alles über die Welt verstanden, wenn wir physikalische Formeln aufstellen können?

Bei allen Antworten, die durch den Teilchenbeschleuniger gefunden werden mögen und hoffentlich auch gefunden werden - die letzte Antwort nach der Existenz der Welt wird die Wissenschaft nicht geben können - die finden wir allein im Glauben.

Kreuz

Was ist Ihre Meinung?

  • Was halten Sie von einem derartigen Experiment, wie es derzeit in der Schweiz geplant ist?
  • Sind solche Experimente ihr Geld wert - kann die Menschheit davon profitieren?
  • Kann ein derartiges Experiment Antwort auf die Frage nach dem Grund der Existenz der Welt geben?
  • Sehen Sie eher eine Gefahr oder eine Chance für den Glauben?

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Quellen: idea.de
ZEIT ONLINE
sueddeutsche.de

(Josef Falk)