Stigmata - Schwindel oder Wunder? |
Sie gehören zu den geheimnisvollsten Phänomenen christlicher Mystik: Stigmata. Die Wundmale erscheinen an den Körperstellen, an denen Jesus bei der Kreuzigung verletzt wurde. Handelt es sich um göttliche Wunder oder um Fälschungen?
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Der erste bekannte Träger der Wundmale war Franz von Assisi. Der einst reiche Sohn eines Tuchhändlers war vor allem dafür bekannt, in seinem mönchischen Leben jeglichen materiellen Besitz zu verweigern. Im September 1224 erschien ihm in einer Vision die Gestalt Jesu mit Flügeln. Diese prägte ihm die Wundmale der Nägel in Hände und Füße und auch die Seitenwunde ein. Franziskus hielt seine Wunden jedoch versteckt, sodass sie erst nach seinem Tod entdeckt wurden.
Es wird zwischen "innerer Stigmatisation" (Schmerzen
ohne sichtbarer Wunde) und "äußerer Stigmatisation"
(sichtbare blutunterlaufene oder blutende Stellen). Etwa 300 Fälle
von innerer Stigmatisation und ca. 100 Fälle von äußerer
Stigmatisation sind bekannt. |
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Die bekanntesten Fälle des 20. Jahrhunderts sind Therese Neumann aus Konnersreuth und der am 16. Juni 2002 heilig gesprochene P. Pio. Zeitgenössische Fälle von Stigmatisation sind der italienische Ordensmann Bruder Elia (*1962), die griechisch-katholische Syrerin Myrna Nazzour (*1964) und die Berliner Architektin Judith von Halle (*1972), eine Anthroposophin, die seit Ostern 2004 stigmatisiert ist.
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Erklärungsversuche
Die einfachste und sehr naheliegende Erklärung für dieses Phänomen ist, dass es sich schlicht um Täuschung und Betrug handelt - dass sich die Betroffenen die Wunden also selbst zufügen. Und tatsächlich hat es solche Beispiele in der Geschichte gegeben.
Aber gerade die bekannten Fälle wurden vielfach untersucht und bis heute ist eine medizinische Erklärung nicht gelungen. Zwar gibt es viele Theorien und Untersuchungen aber letztendlich weiß niemand genau, warum die Wundmale entstehen.
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Die Mehrzahl der Mediziner wie auch der Theologen geht von einer überwiegend natürlichen, psychogenen Ursache der Stigmatisation aus. Psychosomatische Phänomene wie Autosuggestion oder Hysterie verbunden mit einer starken Frömmigkeit können auf die Psyche einwirken, diese manipulieren und damit die Ursache für Stigmata sein.
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Die Haltung der Kirche
Die Kirche steht dem Phänomen der Stigmatisation eher skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Zwar wuden 13 Stigmatisierte heilig- und einige weitere seliggesprochen. Dabei wurde jedoch die Stigmatisation entweder mit Schweigen übergangen oder nur als Ergänzung zu anderen Wundertaten erwähnt.
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Bedeutung für den Glauben
Übernatürliches Wunder oder durch die Psyche des Betroffenen
verursacht? Ist der Unterschied wirklich so groß? Wenn der
Glaube den eigenen Körper schon so beeinflussen kann, dass
aus dem Nichts Wundmale entstehen - was darf man dem Glauben dann
noch alles zutrauen? Vielleicht ist der Spruch, wonach der Glaube
Berge versetzen kann, gar nicht so sehr übertrieben?!
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Was ist Ihre Meinung?
- Wie denken Sie über die "Wunden aus dem Nichts"?
- Handelt es sich um Schwindel und Betrug, auf jeden Fall nichts ernst zu Nehmendes?
- Ist es ein übernatürlicher Eingriff Gottes?
- Kann man es als Beispiel dafür betrachten, was Glaube imstande ist?
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