Thema Juli 2008 01 / 282 22 44
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Alternative "Ethikunterricht"

Ethikunterricht

Es gab Zeiten, in denen war es selbstverständlich, dass Schüler den Religionsunterricht besuchen - und so das ethisch-moralische Rüstzeug für ihr Leben bekamen. Was einmal die Regel war, ist heute zur Ausnahme geworden. In vielen Schulen müssen sich Schüler fast schon rechtfertigen, wenn sie sich nicht vom Fach Religion abmelden.

Aber was ist an dessen Stelle getreten? Wo bekommen Schüler heute die nötigen Grundinformationen für ein ethisches Leben? Bis heute gibt es in den meisten Fällen keine Alternative - bzw. die Alternative heißt "Freizeit". Und da ist es natürlich erst recht verlockend, die Möglichkeit zur Abmeldung zu ergreifen.


Ein Ansatz zur Lösung des Dilemmas ist die Einführung eines "Ethikunterrichts". Bislang gibt es einen solchen in Österreich an manchen Schulen, es gibt aber keine gesetzliche Regelung dafür. Das Problem ist, dass es in dieser Frage keine Einigkeit zwischen den politischen Parteien gibt: Die Einen wollen ihn als "nachrangigen" Pflichtgegenstand anbieten. "Nachrangig" heißt "verpflichtend, falls nicht Religion gewählt wird".


Die anderen wiederum bezeichnen dieses Modell als "Ersatzdienst für Ungläubige" und wollen den Religionsunterricht gleich ganz abschaffen und statt dessen einen "Ethikunterricht für alle" einführen.

Auch die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, Christine Mann, spricht sich gegen einen Ethikunterricht aus, der für Schülerinnen und Schüler den "Charakter eines Ersatzgegenstandes" hat. Sie plädiert für ein Nebeneinander von Religion und Ethik als konstruktive Komposition - und eine gewisse Konkurrenz zwischen den beiden Fächern. "Die Konkurrenzsituation ist produktiv und bedeutet Herausforderung hinsichtlich Unterrichtsqualität, verstärkte Mühe um solide Argumentation auf allen Seiten und gemeinsamer Widerstand gegen Banalität und Beliebigkeit."

Christine Mann

Einen anderen Aspekt bringt Kardinal Schönborn in die Diskussion ein. Er stellt die Frage, was denn die Grundlage eines solchen Ethik-Unterrichts sein könne. Reicht der "Kategorische Imperativ" des Immanuel Kant: "Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte"?

Oder aber ist die Grundlage einer wahrhaft menschlichen Ordnung nicht in der "Bergpredigt" (Mt 5,1-7,29) gegeben. Jesus spricht in der Bergpredigt unterschiedliche Lebensbereiche an. Diese Rede von der wahren Gerechtigkeit betrifft Themen des Alltags, die auch heute so wichtig sind wie vor 2000 Jahren. Die Grundhaltung der "Bergpredigt" ist in der "Goldenen Regel" zusammengefasst, die auch andere Religionen nicht fremd ist: "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen".

Mais

Diese Worte Kardinal Schönborns stellen die Frage, ob nicht jede Ethik- auch eine nicht-religiöse oder atheistische - immer ihre Basis im religiösen Glauben hat. Daraus folgt, dass ein Ethikunterricht den Religionsunterricht nicht generell ersetzen kann - sondern höchstens eine Alternative für jene darstellt, die aus Glaubensgründen den Religionsunterricht nicht besuchen wollen oder können.


Was ist Ihre Meinung?

  • Soll ein Ethikunterricht eingeführt bzw. gesetzlich geregelt werden?
  • Wer soll diesen Ethikunterricht besuchen?
  • Jene Schüler, die nicht einen konfessionellen Religionsunterricht besuchen?
  • Oder aber soll ein Ethikunterricht für alle gelten, d. h. soll er den Religionsunterricht zur Gänze ersetzen?

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Quellen: Thema Kirche - Bergpredigt
Thema Kirche - Ethikunterricht
Der Standard

(Josef Falk)