Thema Juni 2008 01 / 282 22 44
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Die Lebensmittelkrise - Sprit statt Brot


Das Welternährungsprogramm der UNO schlägt Alarm: Wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise seien weltweit 100 Millionen Menschen vom Hunger bedroht.

Eine der ersten öffentlichen Reaktionen auf die weltweite Lebensmittelkrise waren im Jahr 2007 die "Tortilla-Proteste" in Mexiko. Damals waren dort die Ärmsten der Armen auf die Straße gegangen, weil sich die Preise für Tortillas - einem Grundnahrungsmittel - innerhalb einer Woche verdreifacht hatten.

Esoterik, Spiritualität

Besonders dramatisch ist die Situation im östlichen Afrika. Das Rote Kreuz hat für Äthiopien, Kenia und Somalia die Warnung einer drohenden Hungerkatastrophe ausgesprochen. Die steigenden Lebensmittelpriese - verbunden mit zu geringen Niederschlägen und internen Konflikten - könnten in den nächsten Monaten über 11 Millionen Menschen der Region von Nahrungsmittelhilfe abhängig machen.

Rapsfeld

Insgesamt gab es nach Angaben der Weltbank bereits in drei dutzend Ländern der Welt Unruhen wegen hoher Lebensmittelpreise. Und der Anstieg ist in der Tat beachtlich: Nach drei Jahrzehnten niedriger Preise werden Soja, Weizen und Mais nun schon seit drei Jahren teurer. Im Durchschnitt stiegen die Preise in den vergangenen neun Monaten um 45 Prozent. Weizen war Anfang 2008 um 80 Prozent teurer als im Vorjahr, Reis um 16 Prozent.

Was sind nun die Gründe für diese Krise?


Mehrere Ursachen werden genannt. Besonders stark ins Gerede gekommen ist der bislang als Umwelthoffnung betrachtete Biokraftstoff. Allein in den USA, so erklärte kürzlich Greenpeace, werden inzwischen 84 Millionen Tonnen Getreide zu Ethanol verarbeitet. Damit könnte man 200 Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren.

Biokraftstoff gilt als weitgehend CO2-neutral, weil das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid vorher von den Pflanzen gebunden worden ist. Trotzdem sprach sich vor kurzem ein Gutachten des deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eindeutig gegen Biosprit aus. Biosprit sei im Vergleich zu anderen klimapolitischen Optionen sehr kostspielig und bringt vergleichsweise wenig.

Angesichts steigender Lebensmittelpriese ist das akute Problem zusätzlich, dass Energiepflanzen für Biosprit in Anbaukonkurrenz zu Lebensmitteln getreten sind. Weltweit pflanzen Bauern zunehmend mehr Getreide ausschließlich für die Erzeugung von Biosprit an, anstatt für die Lebensmittelversorgung.

Aber es gibt auch andere Gründe, die für die steigenden Lebensmittelpreise genannt werden:

  • Der steigende Fleischkonsum in Schwellenländern wie Indien und China
  • Der entstellte Markt, der durch die Agrarsubventionen in den reicheren Ländern begründet ist
  • Der Klimawandel
  • Das Wachstum der Weltbevölkerung
Mais

Was kann nun gegen diese Situation getan werden? Einer der möglichen Ansatzpunkte ist die Gentechnik. Ob deren Ausbau jedoch zu einer Entschärfung der Krise beitragen könnte ist umstritten. Verschiedene Konzerne versprechen eine Maissorte, die einen 20 Prozent höheren Ertrag hat und in fünf Jahren angebaut werden kann. Bis neue ertragreiche Getreidesorten tatsächlich genutzt werden können, wird jedoch einige Zeit vergehen - unabhängig davon, ob sie durch Züchtung oder Gentechnik entstehen. In der Regel vergehen von Idee bis Auspflanzung neuer Sorten rund 15 Jahre.


Wie denken Sie darüber?

  • Wo sehen Sie den Hauptgrund für den aktuellen weltweiten Anstieg der Lebensmittelpreise?
  • Was halten Sie vom lange Zeit propagierten Einsatz von Biotreibstoffen?
  • Eine Lösung vieler Umweltprobleme oder eine der Ursachen für den Hunger in der Welt?
  • Soll vermehrt Gentechnik zur Bekäpfung des Hungers eingesetzt werden?

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Quellen: FAZ.NET
scinexx
Rotes Kreuz
NDR Info

(Josef Falk)