Thema Mai 2008 01 / 282 22 44
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Religion, warum nicht? - Kirche, nein Danke!?

Esoterik, Spiritualität

Ein Stock zur Abwehr von Erdgeistern, die Buddhastatue unterm Kruzifix. In deutschen Wohnzimmern, so der Befund des Konstanzer Soziologen Oliver Susami, zeigt sich das, was Experten "Patchwork-Religiosität" nennen: Viele Menschen basteln sich ihr eigenes, spirituell-religiöses Weltbild zusammen.

Seit drei Jahren führt Susami Interviews über das religiöse und spirituelle Sinnsuchen im Alltag, indem er sich "heilige Orte" in Privatwohnungen zeigen lässt. Das, was früher der Herrgottswinkel war, wird heute zur bunten Religionscollage, in der sich persönliche Erinnerungsgegenstände mit Marienbildchen oder hinduistischen Gottheiten zu einer Art Hausaltar verbinden.

Die Feldforschung von Oliver Susami zeigt, dass es modernen Individualisten häufig um eine Art spirituelle Wellness und nicht um christliche Gemeinschaft geht. "'Ich will Gottesdienst mit mir selbst machen', hat mir ein Interviewpartner gesagt", erzählt Susami. Morgens früh zum Gottesdienst aufzustehen sei out; in sei es dagegen, im Internet zu surfen, um mehr über Meditation oder Reinkarnation zu erfahren. "Und Buddhafiguren gibt es mittlerweile in jedem Baumarkt."

Der Religionssoziologe Michael Ebertz kommt mit anderen Methoden zu einem ähnlichen Ergebnis. Er hat 1000 repräsentativ ausgewählte Deutsche ausführlich befragt, was und warum sie glauben, wie oft sie beten, welche Rolle Religion in ihrem Alltag spielt.

Dabei bezeichnete sich jeder zweite der Befragten als "religiös", knapp jeder fünfte sogar als "hochreligiös". Immerhin 29 Prozent der West- und zehn Prozent der Ostdeutschen gaben an, täglich zu beten. Gleichzeitig sinkt die Zahl der aktiven Kirchenmitglieder weiter.

Wie sind nun derartige Umfrageergebnisse zu interpretieren?

Buddha
Zollitsch

Michael Ebertz will nicht von einer "Rückkehr der Religion" sprechen - auch deshalb, weil das Christentum ja niemals weggewesen ist. Für ihn zeigen diese Studien aber ein neues Interesse an religiösen Themen.

Ähnlich sieht es der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er sieht eine religiöse Sehnsucht bei der angeblich gottlosen Generation der jungen Menschen. Das zeige, dass das religiöse Suchen zur Grundbefindlichkeit des Menschen gehöre.

An diesem religiösen Suchen, so Zollitsch, müsse die Kirche anknüpfen. Man müsse wieder offensiver die christliche Frohe Botschaft vertreten. Und auch der Soziologe Michael Ebertz empfiehlt - gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Individualisierung - nicht dem vermeintlichen Zeitgeist nachzulaufen. Vielmehr solle klar und bestimmt christliche Theologie und Überzeugung ohne Abstriche vertreten werden. Nur das könne langfristig überzeugen.


Was ist Ihre Meinung?

  • Was halten Sie davon, sich seine Religion aus verschiedenen Elementen zusammenzustellen?
  • Kann eine solche "Patchwork"-Religion "wahr" sein?
  • Bleibt sie nicht immer eine "Erfindung" des jeweiligen Menschen?
  • Oder ist eine solche Zusammenstellung vielleicht sogar besser, weil sie "das Beste von allem" nimmt?

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Quellen: Konradsblatt

(Josef Falk)