Thema April 2008 01 / 282 22 44
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Qumran - Keine Spur von Verschwörung

Qumran Landkarte

Mythen und Verschwörungstheorien ranken sich um die antiken Handschriften, die vor rund 60 Jahren rund um die Ruinenhöhle Qumran in der Nähe des Toten Meeres gefunden wurden.

In den Texten würden derart brisante Tatsachen über Jesus stecken, dass der Vatikan die Inhalte zurückhalte. Solches und noch viel mehr wird dem unkundigen Leser in christentumkritischen Skandalbestsellern wie "Sakrileg" (Da Vinci Code) oder "Verschlusssache Jesus" vorgegaukelt. Auch wenn sich Bücher mit solch reißerischen Themen millionenfach verkaufen, bleiben solche Behauptungen lediglich eine millionenfach geglaubte Lüge.

Auf seriöse Art und Weise beschäftigte sich im Februar 2008 an der Universität Wien der internationale Forschungskongress "The Dead Sea Scrolls in Context: Integrating the Dead Sea Scrolls in the Study of Ancient Texts, Languages, and Cultures". Die Konferenz wurde vom Institut für Judaistik in Kooperation mit der Hebräischen Universität Jerusalem veranstaltet.


Aber was sind eigentlich die sogenannten "Qumran-Rollen"

Im Jahre 1947 entdeckte ein Beduinenhirte am Toten Meer bei der Suche nach einer entlaufenen Ziege diese Schriftrollen, die in Tonkrügen aufbewahrt wurden und offensichtlich unversehrt Jahrhunderte überstanden hatten. Diese Schriftrollen beinhalten liturgische Schriften des Alten Testaments, außerdem verschiedene außerbiblische Schriften. Zeitlich stammen die Handschriften aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

Qumran Landkarte

Nachdem die Handschriften von Qumran heute weitgehend veröffentlicht sind, verlagert sich das Interesse der Forschung zunehmend von der Edition der Texte zu ihrer Interpretation.

Wenn diese Handschriften auch nichts enthalten, was den christlichen Glauben erschüttern könnte, wie gewisse Bücher suggerieren, so sind sie doch für das Bibelverständnis von hoher Bedeutung.

Die biblischen Handschriften aus Qumran haben das Verständnis der Textgeschichte der Hebräischen Bibel bzw. des Alten Testaments revolutioniert. Die nichtbiblischen Handschriften gewähren erstmals detaillierte Einblicke in die Geistesgeschichte des Judentums vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit des beginnenden Christentums.

Da die Texte vom Toten Meer aus einer Zeit stammen, in der sich sowohl das rabbinische Judentum als auch das frühe Christentum entwickelt hat, sind sie auch für die Verständigung zwischen Juden und Christen von zentraler Bedeutung, und ihre Erforschung trägt zu einem friedlichen Miteinander der abrahamitischen Religionen bei. Die Bibliothek von Qumran bietet einmalige Einblicke in das Leben einer antiken Religionsgemeinschaft und ist daher auch für das Verständnis anderer antiker Kulturen von großer Bedeutung.

Qumran Grotte

So habe das Studium der Qumran-Texte etwa Licht auf das Werk von Paulus geworfen, der in einem Umfeld agierte, in dem die Sünde weniger als Handlung, sondern vielmehr als Seinszustand galt. "Man hat nicht eine bestimmte Sünde begangen, sondern war der Sünde verfallen", so der Judaistik-Professor und Qumran-Forscher Armin Lange von der Universität Wien.


Was ist Ihre Meinung zu den hinter der Qumran-Debatte stehenden Fragen?

  • Geben die Schriften der Bibel den Menschen Jesus wahrheitsgetreu wieder?
  • Oder wurde die Gestalt Jesu von Anbeginn an verfälscht?
  • Gibt es Anzeichen dafür, dass der Vatikan Fakten verschleiert, die Glaubenswahrheiten auf den Kopf stellen würden?
  • Was halten Sie von Büchern wie "Sakrileg"? - Reine Fiktion - oder enthalten sie doch einen wahren Kern? Wenn ja, worin liegt dieser?

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Quellen: Qumran-Kongress
ORF
idea - "Die Schriftrollen von Qumran"

(Josef Falk)