Thema Februar 2008 01 / 282 22 44
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Stammzellen - Zwischen Hoffnung und Horror

"Stammzellen-Therapie bringt neue Hoffnung für Herzinfarkt-Patienten". "Stammzellen - Hoffnung für Zuckerkranke". "Auch für die Behandlung von Parkinson hofft man auf Stammzellen". "Hoffnung im Kampf gegen tödliche Muskelschwäche".

Das sind nur einige Schlagzeilen, die man in Zeitungen und im Internet über die Wunderwaffe "Stammzellen-Therapie" lesen kann. Für viele leidende Menschen ist diese Entwicklung der Medizin die letzte Hoffnung.

Stammzellen

Was sind nun diese Stammzellen?

Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht ausdifferenziert sind. Das heißt, sie liegen noch nicht in einer Form vor, die sie für ihre Verwendung im Organismus spezialisiert (z. B. als Hautzelle oder Leberzelle), vielmehr ist ihre spätere Verwendung noch offen.

Problematisch an den Stammzellen ist jedoch die Art ihrer Gewinnung: um zu der heute noch bedeutendsten Form der Stammzellen - den embryonalen Stammzellen - zu kommen, muss jeweils ein früher menschlicher Embryo zerstört werden ("verbrauchende" Embryonenforschung).

Das Thema "Stammzellenforschung" war auch Gegenstand eines hochkarätigen bioethischen Forschungsgesprächs an der Theologischen Fakultät der Universität Wien. Tenor dieses Gesprächs war, dass die Zukunft der Stammzellenforschung und der Therapie mit Stammzellen eindeutig nicht bei den umstrittenen embryonalen Stammzellen liege.


Wie der Wiener Humangenetiker Prof. Markus Hengstschläger betonte, sehe er die Zukunft weigehend bei den neu entdeckten "induzierten pluripotenten Stammzellen" (iPS) sowie den adulten Stammzellen, während die Bedeutung der embryonalen Stammzellen abnehmen wird.

Bei den von Hengstschläger angesprochenen "induzierten pluripotenten Stammzellen" handelt es sich um Hautzellen von Erwachsenen oder auch von Neugeborenen, in die mit Hilfe von Viren bestimmte aktive Gene eingeschleust und damit in diesen Zellen vorhandene inaktive Gene wieder aktiviert werden. Das hat zur Folge, dass sich die Zellen wieder wie Stammzellen verhalten und sich in verschiedene andere Zelltypen weiterentwickeln können.

Hengstschlaeger
Mueller

Sigrid Müller, Professorin für Moraltheologie an der Universität Wien, sah in den neuen iPS einen ethisch verträglichen und zukunftsfähigen Weg, der auch politisch gefördert werden sollte.

Man war sich auch einig, dass der Forschung an embryonalen Stammzellen - trotz aller Hoffnungen, die auch immer noch auf ihr liegen - der große Durchbruch nach nunmehr schon zehn Jahren versagt geblieben sei. Es gebe keine therapeutischen Erfolge, da solche Stammzellen immer die große Gefahr von Tumorbildungen mit sich brächten.

Zwar gäbe es auch bei der iPS-Forschung noch keine derzeit verwertbaren Ergebnisse für Therapien, räumte Hengstschläger ein, er erwarte sich hier in den nächsten zwei bis drei Jahren aber durchaus erfolgversprechende Erkenntnisse. Man könne bereits mit dem derzeitigen Wissensstand gute naturwissenschaftliche Argumente gegen die Verwendung embryonaler Stammzellen auf den Tisch legen.


Was ist Ihre Meinung?

  • Wie weit darf die Medizin gehen, bei ihrem Bemühen, Krankheiten zu heilen?
  • Ist es vertretbar, für diesen Zweck menschliche Embryonen zu "verbrauchen"?
  • Wird durch die Zerstörung von Embryonen zum Zweck der Heilung von Krankheiten eine Grenze überschritten, die die Menschheit nicht überschreiten sollte?
  • Oder aber ist der Sieg über manche Krankheiten der höhere Wert?

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Quellen: www.kirchen.net

(Josef Falk)