Thema Jänner 2008 01 / 282 22 44
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Spe salvi - Enzyklika über die christliche Hoffnung


Am 30. November 2007 veröffentlichte Papst Benedikt XVI. seine zweite Enzyklika. Nach "Deus caritas est" ("Gott ist die Liebe") setzt sich der Papst nun mit der christlichen Hoffnung auseinander. Der Titel der Enzyklika "Spe salvi" ist ein Zitat aus dem Römerbrief ("Spe salvi facti sumus") - "Auf Hoffnung hin sind wir gerettet" (Röm 8,24).

Was aber ist die christliche Hoffnung? Wie wird sie beschrieben in "Spe salvi"?

Jeder Mensch hat ja viele kleine oder größere Hoffnungen - verschiedene Hoffnungen in den verschiedenen Phasen seines Lebens. Manchmal füllt den Menschen eine dieser Hoffnungen ganz aus, so dass er keine weiteren Hoffnungen braucht. In der Jugend kann es die Hoffnung auf die große, erfüllende Liebe sein, die Hoffnung auf eine bestimmte Karriere, auf den einen oder anderen Erfolg.

Hoffnung

Wenn dann aber diese Hoffnungen eintreten, zeigt sich, dass dies doch nicht alles war - dass der Mensch eine darüber hinaus reichende Hoffnung braucht - dass ihm nur etwas Unendliches genügen könnte, das immer mehr sein wird als das, was er je erreichen kann (Nr. 30).

In diesem Sinn hat die Neuzeit die Hoffnung auf die zu errichtende vollkommene Welt entwickelt, die durch die Erkenntnisse der Wissenschaft und einer wissenschaftlich fundierten Politik machbar geworden schien.

Eine dieser Versuche, das "Reich Gottes" durch das "Reich der Menschen" zu ersetzen, ein "Paradies auf Erden" zu schaffen, war die klassenlose Gesellschaft des Karl Marx. Mit der Enteignung der herrschenden Klasse und mit dem Sturz der politischen Macht, mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel sollte das "neue Jerusalem" geschaffen werden. Alle Widersprüche sollten aufgehoben sein, der Mensch und die Welt endlich im reinen mit sich selber sein. Nun gehe alles von selber auf dem richtigen Weg, weil allen alles gehört und alle einander das Beste wollen (Nr. 21).

Soweit die Theorie! Die Praxis hat aber nicht die heile Welt freigelegt, sondern trostlose Zerstörung hinterlassen.

Hoffnung

Das christliche Angebot - erlöst durch Liebe

Das christliche Angebot ist ein anderes: Nicht die Wissenschaft, nicht die Politik erlöst den Menschen, sondern die Liebe. Das gilt zunächst im innerweltlichen Bereich. Wenn jemand in seinem Leben die große Liebe erfährt, ist dies ein Augenblick der "Erlösung", die seinem Leben einen neuen Sinn gibt. Aber er wird bald auch erfahren, dass die ihm geschenkte Liebe allein die Frage seines Lebens nicht löst. Sie bleibt angefochten. Sie kann zerstört werden - durch den Tod, durch die Zeit.

Der Mensch braucht die unbedingte Liebe. Wenn es diese unbedingte Liebe gibt mit ihrer unbedingten Gewissheit, dann - erst dann - ist der Mensch erlöst, was immer ihm auch im Einzelnen zustoßen mag. Das ist gemeint, wenn wir sagen: Jesus Christus hat uns "erlöst". Durch ihn sind wir Gottes gewiss geworden (Nr. 26).

In diesem Sinn gilt, dass, wer Gott nicht kennt, zwar vielerlei Hoffnungen haben kann, aber im letzten ohne Hoffnung, ohne die große, das ganze Leben tragende Hoffnung ist.


Vom Glauben erwarten wir die Hoffnung auf das "ewige Leben".

Aber da steht nun die Frage auf: Wollen wir das eigentlich - ewig leben? Vielleicht wollen viele Menschen den Glauben heute einfach deshalb nicht, weil ihnen das ewige Leben nichts Erstrebenswertes zu sein scheint. Sie wollen nicht das ewige Leben, sondern dieses jetzige Leben. Ewig - endlos - weiterzuleben scheint eher Verdammnis als Geschenk zu sein (Nr 10).

Diese Paradoxie löst eine tiefere Frage aus: Was ist das eigentlich "Leben"? Und was bedeutet das eigentlich "Ewigkeit"?

Es gibt Augenblicke, in denen wir plötzlich spüren: Ja, das wäre es eigentlich - das wahre "Leben" - so müsste es sein. Eigentlich wollen wir doch nur eines - "das glückliche Leben", das Leben, das einfach Leben, einfach "Glück" ist. Wir möchten das Leben selbst, das eigentliche, das dann auch nicht vom Tod berührt wird; aber zugleich kennen wir das nicht, wonach es uns drängt. Das Wort "ewiges Leben" versucht, diesem unbekannt Bekannten einen Namen zu geben.

Wir können nur versuchen, aus der Zeitlichkeit, in der wir gefangen sind, herauszudenken und zu ahnen, dass Ewigkeit nicht eine immer weitergehende Abfolge von Kalendertagen ist, sondern etwas wie der erfüllte Augenblick, in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen (Nr. 12).

Hoffnung

Dieses "ewige Leben" ist nicht einfach nur das "Jenseits" - etwas, das uns nach dem Tod erwartet. Das "ewige Leben" ist das wirkliche Leben, das ganz und unbedroht, in seiner ganzen Fülle einfach Leben ist. Jesus hat von sich gesagt, er sei gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle, im Überfluss, haben.

Darauf dürfen wir als Christen hoffen.


Was ist Ihre Meinung?

  • Hoffnung - was bedeutet das für Sie?
  • Kann man das Auslangen finden mit den Hoffnungen dieser Welt - der Hoffnung auf eine erfüllende Liebe - auf eine Karriere - auf Gesundheit?
  • Brauchen wir tatsächlich eine Hoffnung, die über diese Welt hinausweist?
  • Kann der Glaube für Sie eine derartige Hoffnung bieten?

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Quellen: Enzyklika "Spe salvi"

(Josef Falk)