Thema Dezember 2007 01 / 282 22 44
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Spenden - Mehr als eine Pflicht

Klingelbeutel

Nur zur Weihnachtszeit?

Die Weihnachtszeit weckt unter anderem auch unser Bedürfnis nach der guten Tat. Nicht zuletzt deshalb ist diese Zeit auch die Hochsaison für verschiedenste Organisationen, um für Spenden für ihre Aktivitäten zu werben.

Eine der bekanntesten und diesbezüglich erfolgreichsten Organisationen ist die vom ORF initiierte Hilfskampagne "Licht ins Dunkel". Alljährlich wird am Heiligen Abend in einer 14-stündigen Fernsehsendung um Spenden für Sozialhilfe- und Behindertenprojekte in Österreich gebeten. Das Ergebnis steigerte sich von (umgerechnet) 2500 Euro im Jahr 1973 auf 5,5 Millionen Euro.

Allein dieses Ergebnis widerspricht der oft gehörten Klage über eine Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber auch in vielen anderen Lebensbereichen werden Bürger (und Kirchenmitglieder) um einen Beitrag zur Erfüllung von Aufgaben gebeten, die früher aus anderen Quellen finanziert wurden.

Dabei ist die Spendentätigkeit vor allem an das Lebensalter und die damit verbundenen Einkommensverhältnisse gekoppelt. Die aktivste Spendenschicht ist in der Altersgruppe der Menschen zu finden, die 65 Jahre und älter sind. Hier spenden nicht nur zirka 60 Prozent zumindest einmal jährlich, in dieser Klientel sind zudem die quantitativ bedeutendsten Zuwendungen zu finden. Die in diesem Segment vereinte Generation der älteren Spendenden, die sich traditionell hauptsächlich im humanitär-karitativen Bereich engagiert, stirbt jedoch langsam aus. Charakteristisch für diese Altersgruppe ist zudem eine vergleichsweise hohe Kirchenbindung, wie sie sich in den nachfolgenden Generationen in dieser Form nicht mehr zeigt.


Spenden - eine uralte christliche Tradition

Generell spielt die Kirchenbindung eine nicht unwichtige Rolle für die Spendentätigkeit. Menschen, die einer religiösen Gemeinschaft angehören, spenden nachweisbar mehr als andere. Für Deutschland zeigt sich zudem, dass im überwiegend katholischen Bayern die Spendenfreudigkeit höher ist als im protestantischen Norden.

Es erscheint durchaus berechtigt, in diesem Umstand einen Auswirkung der klassischen katholischen Almosenlehre zu sehen, die der privaten Hilfe immer einen hohen Stellenwert beigemessen hat. Spenden ist eine uralte christliche Tradition. Es ist von jeher unumstritten, dass das Almosen ein Ausdruck christlicher Barmherzigkeit ist. Als Ergänzung zu öffentlichen und sozialstaatlich verbrieften Hilfen besitzt die Barmherzigkeit in Form privater Wohltätigkeit eine wichtige Funktion. Bereits im Judentum wurde das Geben von Almosen nicht als Ausdruck individueller Großzügigkeit, sondern als die Erfüllung einer von Gott auferlegten Pflicht verstanden.

Spende

Spenden oder Gerechtigkeit

Aber ist Spenden nicht bloß ein "Kurieren an Symptomen"? Wäre es nicht besser, Strukturen und politische Verhältnisse zu ändern, die zu Armut - und damit zur Notwendigkeit von Spenden - führen? Sollte man sich nicht für Gerechtigkeit einsetzen - anstelle Almosen zu geben?

Almosen

Gerechtigkeit kann nur den Menschen zuteil werden, die sich bereits in einem konkreten Solidargebilde befinden und somit in der Lage sind, ihre Grundrechte auch einzuklagen. Dort, wo diese Solidargemeinschaften fehlen, ist übergreifende christliche Solidarität gefragt. Gerade am Beispiel der armen Länder zeigt sich, wie eine Spende die Gerechtigkeit nicht aufhebt, sondern vielmehr ergänzt, indem sie eine Änderung der Strukturen fördert. Damit kann gezielte Wohltätigkeit in Form von Spenden gesellschaftliche und politische Prozesse initiieren, die der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen. Mit der Blickrichtung der Ursachenbeseitigung von Not und Armut geht intelligentes Spenden damit weit über das simple Kurieren von Symptomen hinaus.

Spenden sammeln

Bereits im Judentum heißt es: Größer ist (der zu Almosen) anregt, als der, welcher sie gibt." Die Magna Charta christlichen Fundraisings ist bis heute der 2. Korintherbrief (2 Kor 8 und 9) des Apostels Paulus mit der darin beschriebenen Kollekte für Jerusalem. Paulus entwickelt eine Theologie der Kollekte, die die erfahrene Gnade Christi zum Ausgangspunkt des eigenen Handelns für andere macht.

Um seiner Aufgabe gerecht zu werden, kann und muss das Fundraising christlicher Institutionen über den reinen Spendenzweck hinausweisen. Es muss, um glaubwürdig und ethisch vertretbar zu sein, sowohl auf Hintergründe und Ursachen der Not eingehen als auch zum Beispiel für die Nöte sozialer Randgruppen sensibilisieren. Dies unterstreicht, dass Fundraisingmaßnahmen auch bewusstseinsverändernde Implikationen entfalten müssen.


Was ist Ihre Meinung?

  • Ist Spenden sinnvoll?
  • Ist es bloßes "Almosengeben" - wäre es nicht besser, die politischen Verhältnisse so zu ändern, dass niemand mehr auf eine Spende angewiesen ist?
  • Oder kann Spenden selbst dazu beitragen, eine gerechtere Welt zu schaffen?

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Quellen: Konradsblatt

(Josef Falk)