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Sibiu - neuer Schwung für die Ökumene

Sibiu

Sibiu/Hermannstadt in Rumänien ist heuer nicht nur Kulturhauptstadt Europas, sondern beherbergte vom 4. bis zum 9. September 2007 auch die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung, an der mehr als 2000 Delegierte aus ganz Europa teilnahmen. Die ersten beiden ökumenischen Versammlungen fanden in Basel und Graz statt. Das Treffen stand unter dem Motto: "Das Licht Christi scheint auf alle".

Sibiu, auf deutsch Hermannstadt, ist gut gewählt für dieses Treffen. Das friedliche Miteinander hat hier Tradition. Das Bild der Altstadt von Sibiu prägen die majestätischen Kirchen von drei verschiedenen Konfessionen: die orthodoxe Kathedrale, die der Hagia Sophia in Istanbul nachgebildet ist, die evangelische Kirche aus dem Mittelalter, und direkt in ihrer Nähe die katholische Kathedrale, in der in drei Sprachen gepredigt wird: rumänisch, deutsch und ungarisch.

In der am letzten Tag nach zähem Ringen beschlossenen Schlusserklärung wird der Verantwortung für die Schöpfung, den Migranten und der Globalisierung besondere Aufmerksamkeit gezollt. Im Blick auf die Ökumene heißt es in dem fünfseitigen Text, das Zeugnis der Kirchen für Erneuerung und Einheit werde nur dann glaubwürdig sein, "wenn wir unsere Reise in Richtung auf eine sichtbare Einheit fortsetzen". In Sibiu sei die "schmerzhafte Wunde der Trennung der Kirchen" erneut spürbar geworden. Tiefer als diese Trennungen seien aber die "gemeinsamen Wurzeln". Es gebe keine Alternative zum ökumenischen Dialog.

Die europäischen Staaten werden in der Schlusserklärung aufgefordert, ungerechtfertigte Festnahmen gegenüber Migranten zu stoppen und geordnete Zuwanderung zu gewährleisten und für die Integration von Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylwerbern zu sorgen. Die Kirchen werden aufgerufen, ihre seelsorglichen Bemühnungen um Migranten zu verstärken und auch für die Rechte ethnischer Minderheiten wie der Roma einzutreten.

Das Resumee der österreichischen Delegierten fiel vorsichtig positiv aus. Die frühere Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Oberin Christine Gleixner, freute sich, dass viele inhaltliche Impulse der österreichischen Delegation in den Schlusstext eingeflossen seien. Gerade die Passagen über Globalisierung und Migration würden die "österreichische Handschrift" tragen.

Viele Delegierte, so auch die Vorsitzende der österreichischen "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung", Isolde Schönstein, vermissten Konkretisierungen des christlichen Anspruchs auf Weltgestaltung. Sie forderten Handlungsempfehlungen und Selbstverpflichtungen der Kirchen.

Volo Santo mit Rahmen
Bischof Heitz

Bischof Bernhard Heitz von der altkatholischen Kirche in Österreich hat die Versammlung in erster Linie als "Fest der Kirche" erlebt. Zwar sei in den großen Referaten deutlich geworden, dass es in der Ökumene einige schwerwiegende Probleme zwischen Ost und West gebe, diesbezüglich stelle er an solche Großveranstaltungen aber ohnehin nur geringe Erwartungen: "Was viel wichtiger ist, sind die tausenden Begegnungen und Gespräche und die wunderbaren Feiern der Gebetsstunden", so Heitz.

Der Unmut vieler Delegierter über die sehr knapp bemessenen Zeitfenster für die inhaltliche Auseinandersetzung drückte sich in vielen enttäuschten Kommentaren in den Pausen aus. Ein spontan einberufenes "Alternatives Forum" am Freitagnachmittag kündigte "wirkliche Diskussionen" statt "Belehrungen und Grußworte" an. Reinhard Voß, Generalsekretär von "Pax Christi"-Deutschland meinte in Basel 1989 und auch in Graz 1997 hätten die Versammlungen der Vielfalt kirchlicher Initiativen viel mehr Platz eingeräumt.


Was ist Ihre Meinung?

  • Für wie wichtig halten Sie ökumenische Bemühungen?
  • Erleben Sie selbst die Trennung der Kirchen? Wie?
  • Wie sinnvoll sind derartige Großveranstaltungen im Hinblick auf die Ökumene?
  • Was kann im kleinen Bereich geschehen?

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Quellen: Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich
Schlusserklärung
Kurier
stephanscom.at

(Josef Falk)