Thema September 2007 01 / 282 22 44
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Das wahre Antlitz Jesu?

In dem kleinen Dorf Manoppello in den Abruzzen (Italien) wird das "Volo Santo" aufbewahrt, jenes Tuch aus Muschelseide, das den auferstandenen Christus zeigen soll.

Bei dem Volo Santo (ital. "Heilige Antlitz") handelt es sich um einen 17,5 cm breiten und 24 cm hohen Schleier. Dieser ist ein hauchdünnes, nahezu transparentes Tuch, gemacht aus Byssus. Dieses edle Material, das schon die Ägypter für ihre Pharaonen fertigten und das die Juden in der antiken Welt ihren Hohen Priestern verehrten, ist aus Muschelhaar gewoben. Es sind Fäden, viermal so dünn wie Frauenhaar, mit denen sich Steckmuscheln an die Unterwasser-Felsenwelt klammern.

Volo Santo

Bemalt werden kann dieser Stoff nicht, wie Chiara Vigo absolut sicher weiß, die auf Sardinien als letzte bekannte Byssus-Weberin der Welt lebt. Heinrich Pfeiffer, Professor für christliche Kunstgeschichte an der Gregoriana-Universität in Rom, erklärt, warum: "Die Fäden haben das Meersalz aufgesogen. Auf ihrer Oberfläche hält keine Farbe." Mikroskopische Untersuchungen des Tuches an den Universitäten in Bari und Bologna haben gezeigt, dass es keinerlei Farbspuren aufweist.

Und doch zeigt dieser Schleier ein Bildnis: Es ist das Gesicht eines Mannes mit langen Haaren, Bart, geöffneten Augen und leicht geöffnetem Mund; seine Zähne sind nur von einer Seite erkennbar. Auf dem Gesicht sind rötliche Flecken sichtbar, die von einigen als Wunden durch Folterungen oder Geißelungen interpretiert werden.

Wenn dieses Gesicht nun nicht gemalt ist, wenn ein Druck oder noch modernere Projektionsmethoden auszuschließen sind - wie ist dieses Gesicht dann zu erklären?

Der Legende nach zeigt das Tuch das Gesicht des auferstandenen Jesus Christus.

Im Johannes-Evangelium heißt es: "Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster zum Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle" (Joh 20,3-7).

Eine der Deutungen sagt, dass es sich beim Schleier von Manopello um das Schweißtuch aus dem Grab Jesu handelt. Die Schwierigkeit dieser Deutung besteht allerdings darin, dass der Schleier nicht den Abdruck des Gesichts Jesu wiedergibt. Wäre er etwa dem Leichnam Jesu auf das Gesicht gelegt worden und hätten sich die Züge des Toten darin abgezeichnet, müsste das Bild verzerrt sein, was aber nicht der Fall ist.

Eine andere Deutung besagt, dass es sich bei dem Tuch um das Schweißtuch der Veronika oder auch um ein Selbstbildnis Albrecht Dürers handelt.

Wenn dieses Stück Stoff auf den Ursprung der Christenheit zurückgeht, wo ist es gewesen in der Zeit, bevor es in dem Dorf Manoppello auftauchte? Heinrich Pfeiffer erzählt die Geschichte der Reliquie so:

Volo Santo mit Rahmen
Karte Manoppello

Das Tuch sei zunächst im Besitz von Maria, der Mutter Christi gewesen. So sei es wohl auch mit ihr von Jerusalem nach Kleinasien gekommen. Ein Text aus dem fünften Jahrhundert aus Kappadokien beschreibt das Antlitz Christi auf einem Stück Stoff, das "aus dem Wasser gezogen" und "nicht von Menschenhand geschaffen" sei.

Älteste Ikonenmalereien aus dem vierten Jahrhundert zeigen, so Pfeiffer, bereits die typischen Merkmale des Antlitzes auf dem Byssus-Tuch: die Stirnlocken, den zum Teil ausgerissenen Bart, das gewellte Haar, das asymmetrische Gesicht, die Faltenlinien an den Mundwinkeln, die nach oben blickenden Augen.

Vieles deutet darauf hin, dass das Tuch später nach Rom gebracht und im alten Petersdom ausgestellt wurde. Beim Neubau des Petersdoms verschwand die Reliquie.

Hängt in einem unbekannten italienischen Dorf das wahre Bild Christi? Kritiker des Manoppello-These halten die Theorie Pfeiffers für Fantasterei.

Ein Beweis im naturwissenschaftlichen Sinne für die Echtheit des Schleiers von Manoppello ist wohl nicht möglich. Es ist allerdings ein faszinierender Gedanke, dass dem Gläubigen hier der auferstandene Christus entgegenblickt!


Was ist Ihre Meinung?

  • Was halten Sie von Reliquien, wie dem Turiner Grabtuch oder dem Schleier von Manoppello?
  • Könnten diese ein realer Hinweis auf die Auferstehung Jesu sein?
  • Oder halten Sie das alles für eine Form von Aberglaube?
  • Haben diese Dinge irgend eine Auswirkung auf Ihren Glauben?

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Quellen: Die Urikone Christi?
Das Wunder von Manoppello
WELT ONLINE
Das Volo Santo von Manoppello

(Josef Falk)