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Franz Jägerstätter

Er folgte seinem Gewissen

Jaegerstaetter

Der Vatikan hat am 1. Juni 2007 offiziell das Martyrium des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter (1907-1943) bestätigt. Die Seligsprechung kann damit konkret geplant werden - und wird voraussichtlich am 26. Oktober 2007 stattfinden.

Mit der Veröffentlichung dieses Dekrets ist das Seligsprechungsverfahren für Franz Jägerstätter abgeschlossen. Nun müssen noch Datum und Ort der Seligsprechung festgelegt und der bevollmächtigte Vertreter des Papstes bestimmt werden, der den feierlichen Akt der Kanonisation im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes vornimmt. Laut den im Vorjahr promulgierten neuen Normen für Seligsprechungen erfolgen diese normalerweise in den jeweiligen Diözesen "oder an einem anderen geeigneten Ort".

Das Leben

Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 als Sohn der ledigen Bauernmagd Rosalia Huber und des Franz Bachmaier in St. Radegund (Bezirk Braunau am Inn) geboren und hieß ursprünglich Franz Huber. Im Jahr 1927 heiratete seine Mutter den Bauern Heinrich Jägerstätter, der Franz adoptierte. Am 9. April 1936 heiratete er Franziska Schwaninger. Dieser Ehe entstammen drei Töchter.

Durch das Studium religiöser Literatur, regelmäßige Bibellesung und häufige Gottesdienstbesuche wurde für ihn bald klar, dass seine Weltanschauung mit dem Nationalsozialismus unvereinbar sei. Sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus zeigt sich zunächst darin, dass er sich aus dem öffentlichen Leben seiner Gemeinde immer mehr zurückzog.

Franz Jägerstätter wurde bereits im Sommer 1940 33jährig zur Wehrmacht einberufen, konnte aber durch Intervention des Bürgermeisters nach wenigen Tagen auf seinen Hof zurückkehren. Im Oktober 1940 wurde er erneut zur Grundausbildung nach Enns einberufen, wo er in den Dritten Orden des hl. Franziskus eintrat. Er wurde auf Ansuchen seiner Heimatgemeinde im April 1941 als "unabkömmlich" eingestuft, konnte zu seiner Familie zurückkehren und war danach Mesner in seiner Heimatpfarre.

In dieser Zeit festigte sich sein Entschluss, nicht wieder zum Militär einzurücken. Als er im Februar 1943 die Einberufung zur Wehrmacht erhielt, erklärte er, den Wehrdienst zu verweigern. Er wurde zunächst nach Linz ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis gebracht und später nach Berlin verlegt. Er weigerte sich weiterhin, seine Wehrdienstverweigerung zu widerrufen. Am 6. Juli 1943 verurteilte ihn das Reichskriegsgericht zum Tode. Auf sein Angebot, Sanitätsdienst zu leisten, ging das Gericht nicht ein.

Am 9. August wurde Franz Jägerstätter durch das Fallbeil hingerichtet.

Familie
Marke

Würdigung

Trotz dieses beeindruckenden Bekennermutes wurde das Handeln Franz Jägerstätters nicht immer von allen positiv beurteilt. Viele Weltkriegsteilnehmer sahen in der Würdigung des Beispiels Jägerstätters eine Verurteilung ihres eigenen Handelns. Ja, sogar von Verrat war die Rede. Auch Jägerstätters Witwe Franziska wurde der Vorwurf gemacht, sie sei am Tod ihres Mannes mitschuldig, weil sie ihn nicht von seiner Wehrdienstverweigerung abgehalten habe.

Erst in jüngster Zeit, anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung, meinte der Wiener Neustädter Militärsuperior Siegfried Lochner, dass "der Jägerstätterkult eine gemachte und importierte Sache" sei. Er bezeichnete Jägerstätter als "bedauernswertes Opfer seines irrenden Gewissens". Demgegenüber bezeichnete der Salzburger Weihbischof Andreas Laun Franz Jägerstätter als einen "Mann, wie ihn jede Zeit dringend braucht".

Wie denken Sie über Franz Jägerstätter?

  • Hat er durch sein Handeln Verrat begangen - an seiner Familie, an seinem Vaterland?
  • Kann Franz Jägerstätter ein Vorbild für uns sein?
  • Befürworten Sie seine Selig- und vielleicht spätere Heiligsprechung?
  • Was halten Sie grundsätzlich von Selig- und Heiligsprechungen?

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Quellen: Mag. Dr. Erna Putz
Diözese Linz
KATH.NET

(Josef Falk)