Thema Mai 2007 01 / 282 22 44
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Klima, Kyoto, Kirche


Welche Konsequenzen hat der Klimawandel in einer Welt, in der jahrelange Entwicklungsbemühungen in wenigen Sekunden oder Stunden von einem Orkan oder einer Flutwelle zunichte gemacht werden? Diese Frage stand auf der Tagesordnung einer von "Christian Aid" organisierten und vom Weltkirchenrat (ÖRK) unterstützten Konsultation, die von 12. bis 15. April dieses Jahres in London stattfand.

Auf der Tagesordnung standen neue Anpassungsstrategien sowie Ziele und Zeitvorgaben für die Emissionsreduktionen. Außerdem sollten Möglichkeiten geprüft werden, wie sich Glaubensgemeinschaften an einer Klimakampagne der weltweiten Zivilgesellschaft, die im Laufe dieses Jahres starten soll, beteiligen können.

Das Engagement der Kirchen gründet sich in der Überzeugung, dass Gott alle Lebewesen in Abhängigkeit zueinander und zu der unbelebten Natur geschaffen hat. Diese Abhängigkeit kann erfahren - und gefeiert - werden als Solidarität und Partnerschaft. Im Rahmen dieser Partnerschaft lädt Gott die Menschheit zur Schaffung einer immer lebenswerteren Welt ein. Wo die Menschen diese Einladung ausschlagen, wird das gesamte Leben auf unserem Planeten - jetzt und in der Zukunft - bedroht.

In diesem Licht ist der Schutz der Atmosphäre sowohl eine moralische Verantwortung als auch eine spirituelle Antwort auf die göttliche Einladung an die Menschheit.

Die Konsultation vom April 2007 sollte ökumenische Positionen für die Lobbyarbeit im Zusammenhang mit den zwischenstaatlichen Klimaverhandlungen nach 2012 - dem Jahr, in dem die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls abläuft - neu bestimmen und aktualisieren. Ferner sollten Möglichkeiten geprüft werden, wie Glaubensgemeinschaften sich an einer vorgeschlagenen Klimakampagne der weltweiten Zivilgesellschaft beteiligen können.

Bereits im Vorjahr hat die katholische Kirche Deutschlands ein Positionspapier zum Klimawandel herausgegeben. In diesem Papier wird der Stand der Forschung zum globalen Klimawandel aufgearbeitet, Bewertungskriterien aus der Perspektive der Nachhaltigkeit und der Gerechtigkeit mit den Opfern entwickelt und Handlungsoptionen für die internationale und die nationale Politik, für die Wirtschaft und den Einzelnen sowie für die Kirche und ihre Einrichtungen aufgezeigt.

Es wird insbesondere darauf hingewiesen, dass die Lasten des Klimawandels sehr ungleich verteilt sind. Je ärmer und schwächer die Menschen, Regionen oder Länder sind, desto geringer sind ihre Möglichkeiten, den Folgen des Klimawandels auszuweichen. Im Vergleich zu den reichen Industrienationen sind die Länder des Südens, aber auch die Arktis erheblich stärker betroffen. Ähnliches gilt für die ärmeren Bevölkerungsgruppen, die alten und kranken Menschen sowie die Kinder in den wohlhabenden Ländern.

Das "Protokoll von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen", das am 16. Februar 2005 in Kraft getreten ist, habe die vereinbarte Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes bislang nicht erreichen können. Deshalb - so das Positionspapier der Deutschen Bischofskonferenz - müssen weitere Verhandlungen mit dem Ziel deutlich substanziellerer Reduktionen folgen.

Insbesondere wird in dem Positionspapier auch auf den möglichen Beitrag der Kirche eingegangen:

  • Eine Verankerung der Schöpfungsverantwortung im Selbstverständnis der Kirche - in Diakonie, Verkündigung und Liturgie
  • Ein entschiedenes Eintreten für Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen sowie des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns zugunsten des Klimaschutzes, sowohl auf lokaler und regionaler wie auf nationaler, europäischer und globaler Ebene
  • Ermutigung, Förderung und Durchführung praktischer Initiativen für klimafreundliches Handeln und eine Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger.

Was denken Sie?

  • Halten Sie den Klimawandel für eine ernsthafte Gefahr und ein Problem für die Welt?
  • Sind die Warnungen übertrieben?
  • Sollen sich die Kirchen damit beschäftigen oder liegt das außerhalb ihres Kompetenzbereichs?
  • Was können die Kirchen zur Bekämpfung dieser Gefahr beitragen?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM

Quellen: Ökumenischer Rat der Kirchen
Moving beyond Kyoto (pdf)
Text der Deutsche Bischofskonferenz zum Klimawandel (pdf)
Zusammenfassung des Textes der Deutschen Bischofskonferenz zum Klimawandel

(Josef Falk)