"Das Licht ist an für Dich" - versprechen seit kurzem
Plakate und Radiospots in der US-Hauptstadt Washington. Mit der bislang
größten Werbekampagne ihrer Geschichte ruft die katholische
Erzdiözese Washington im Fernsehen, in Broschüren,
auf Bussen und im Internet zur Beichte auf.
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Die ungewöhnliche Aktion des neuen Erzbischofs Donald Wuerl reagiert auf die auch in Washington wahrnehmbare Krise des Bußsakraments.
Nicht nur in Amerika spielt die Beichte heute im Leben der meisten Katholiken keine große Rolle mehr, man spricht von einem "vergessenen Sakrament". Aber es ist nicht nur die allgemeine Verdunstung von Glaubensleben und Glaubenspraxis, die zur Krise der Beichte führt. Auch Katholiken, die nicht zu den "Fernstehenden" gehören, sondern den Glauben leben, sonntags die heilige Messe besuchen, sich um ein lebendiges Gebetsleben bemühen und sich in der Pfarrgemeinde engagieren, haben oftmals den Zugang zum Sakrament der Versöhnung verloren.
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Das Sakrament der Versöhnung hat sehr deutliche biblische Ursprünge:
- Mk 1,15: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium."
- Der Ruf zur Umkehr ist ein wesentlicher Teil der Verkündigung
des Reiches Gottes.
- Als das klassische "Stiftungswort" für das Sakrament
der Buße wird Mt 16,19 verstanden: "Ich werde dir die Schlüssel
des Himmelreiches geben: Was du auf Erden binden wirst, das wird
auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen
wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein." Auch der Auftrag
an die Jünger in Joh 20,30 gilt als Begründung des Bußsakraments:
"Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr
die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert."
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Da das Neue Testament keine systematische Darstellung der
jesuanischen oder apostolischen Bußpraxis liefert, gab es
auch im Laufe der Kirchengeschichte unterschiedliche Ausprägungen
des Sakraments der Buße:
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Ursprünglich gab es nur die Taufe zur Vergebung der Sünden. Daher haben es viele vorgezogen, mit der Taufe bis zum Lebensende zu warten. Was aber, wenn ein Mensch sich früher taufen ließ und danach eine schwere Sünde beging? Nach langen Streitigkeiten und Diskussionen kam die Kirche zu der Überzeugung, dass dem Sünder eine nochmalige Chance, später dann auch mehrere Chancen eingerämt werden konnten. Der Sünder hatte jedoch - unter vorübergehendem Ausschluss aus der Eucharistiegemeinschaft - harte Bußleistungen zu erfüllen: Fasten, soziales Engagement, besondere Gebetsübungen, Verzicht auf öffentliche Ämter und Heirat.
Die östliche Kirche praktizierte seit dem vierten Jahrhundert eine individuelle
Beichte bei einem Seelenführer. Iroschottische Missionare
brachten im sechsten Jahrhundert diese Bußform auf das europäische
Festland. Im 16. Jahrhundert wurden dann die "Beichtstühle"
üblich.
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Gerade der Beichtstuhl ist es, der heute auch das Symbol für das schlechte
Image der Beichte ist. Das ist auch der Grund, warum heute für
viele, die das Sakrament der Buße überhaupt noch empfangen,
das Beichtgespräch in einem Beichtraum ansprechender
ist: Ein schön gestalteter Raum, in dem der Priester und der
Gläbige an einem Tisch sitzen und ein Gespräch von Angesicht
zu Angesicht führen.
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Andere aber sehen gerade auch die positiven Seiten des Beichtstuhls: Der Beichtwillige tritt in einen dunklen und somit diskreten Raum ein. Es bleibt zwischen dem Priester und ihm eine gewissen Anonymität, die auch erstrebenswert sein kann. Der Priester wird als Hörender wahrgenommen. Das Gitterfenster soll auch eine gewisse Distanz und Diskretion ausdrücken. Wenn der Beichtende aus dem dunklen Beichtstuhl tritt, erlebt er eine Art "Auferstehung", vom Dunkel ins Licht, befreit von Schuld geht das Leben lichtvoll wieder weiter.
Die Beichte ist in der Krise. Über die Gründe wird viel spekuliert. Es gibt nicht einen einzigen oder einige wenige Gründe für diese Entwicklung. Diese hat wohl ein wenig damit zu tun, dass Menschen versuchen, in Psychotherapien und Talkshows Schuldgefühle zu bewältigen, dass Schuld mehr und mehr durch Erziehung, Milieubedingtheit und unbewusste Motivationen wegpsychologisiert wird; vielleicht auch damit, dass das Sündenbewusstsein abhanden gekommen ist. Eine Rolle spielt sicher auch die weit verbreitete Ansicht, dass Kirche in erster Linie vor allem Spaß machen müsse. Und beichten zu gehen, so gut es unter therapeutischen und sakramentalen Menschen für den Menschen ist, ist sicher nicht etwas, das Spaß macht - und deswegen wird es aus dem religiösen Leben vielfach ausgeblendet.
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Das Sakrament der Buße mag für viele von uns nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Umkehr und Sündenvergebung sind aber die Grundpfeiler der Lehre Jesu und des Christentums. Deshalb lassen es auch wir uns gesagt sein: "Das Licht ist an für uns".
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Was meinen Sie?
- Gibt es tatsächlich eine Krise des Bußsakraments?
- Falls ja, worin sehen Sie die Gründe für diese Krise?
- Gehen Sie selbst (noch) beichten?
- Bevorzugen (bzw. würden Sie bevorzugen) einen Beichtstuhl oder ein Beichtgespäch?
- Was müsste sich ändern, dass das Bußsakrament wieder häufiger empfangen würde?
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