Thema Februar 2007 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Globale Ehtik - Weltethos


Von manchen wurde das Ende des Kalten Krieges auch als das "Ende der Geschichte" betrachtet. Die Demokratie westlichen Zuschnitts hatte sich durchgesetzt - es schien keine weltpolitischen Widersprüche mehr zu geben, weitere Entwicklung im weltweiten politischen Zusammenleben sei nicht zu erwarten (Francis Fukuyama).

In den Jahren seither hat die zunehmende Globalisierung die Welt vor immer dringender werdende weltweite Probleme gestellt: ungleiche Verteilung des Wohlstandes in der Welt, Hunger, Bedrohungen durch Völkermord und ethnischer Säuberung, Flüchtlingsströme, ökologische Krise, Terrorismus und die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen - die Gefahren sind nicht beseitigt.

Keines dieser Probleme kann durch eine einzelne Nation gelöst werden. Da die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit offensichtlich ist, stellt sich die Frage, ob diese Zusammenarbeit nicht auch durch allgemeine - globale - Moralvorstellungen gestützt sein muss.

Aber gibt es überhaupt weltweit gültige Normen? Und wenn ja, aus welchen Quellen lassen sie sich begründen?


"Allgemeine Erklärung der Menschenrechte"

Ein Ansatz zur Durchsetzung weltweiter moralischer Standards ist die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1948. Trotz des unbestrittenen zivilisatorischen Fortschritts dieser Deklaration, zeigt sie auch die Problematik der Globalen Ethik. Da die Menschenrechte im allgemeinen und die Menschenrechtsdeklaration im besonderen ihren Ursprung im Westen haben, wird von Kritikern hinter der Forderung der weltweiten Geltung der Menschenrechte westlicher "Kulturimperialismus" vermutet.

Während die Menschenrechtserklärung die Rechte des Individuums in den Vordergrund stellt, beruhen etwa die "asiatischen Werte" auf Gemeinschaft, Familie, Disziplin, Loyalität. Auch aus diesem Grund genießen die westlich orientierten Menschenrechte in jenen Ländern nicht ungeteilte Zustimmung.

Die Rolle der Religionen

Von Seiten der Religionen hat sich vor allem der Theologe Hans Küng in Bezug auf eine Globale Ethik mit seinem "Projekt Weltethos" einen Namen gemacht.

Dieses Projekt beruht auf drei Grundüberzeugungen:

  • Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.
  • Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.
  • Kein Dialog zwischen den Religionen ohne Grundlagenforschung in den Religionen.

Es ist zentrales Anliegen dieses Projekts eine allen Menschen gemeinsame elementare Ethik zu formulieren - ein Weltethos. Damit ist keine neue Weltideologie gemeint oder der Versuch einer uniformen Einheitsreligion. Der Weltethos soll nicht an die Stelle der Tora, der Bergpredigt, des Koran, der Bhagavadgita, der Reden des Buddha oder der Sprüche des Konfuzius setzen.

Die erste Ausformulierung einer solchen Globalen Ethik ist die "Erklärung zum Weltethos des Parlaments der Weltreligionen". Dieses Regelwerk wurde vom 28. August bis zum 4. September 1993 in Chicago durch Vertreter vieler verschiedener Religionen zusammengestellt und sollte unter anderem die Menschenrechtserklärung von 1948 ethisch begründen. Es beteiligten sich 6500 Menschen aus 125 Religionen und religiösen Traditionen. Die Grundforderung lautet: Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden!

Das mit dieser Erklärung begonnene Projekt wird in der "Stiftung Weltethos" weitergeführt. Diese Stiftung verdanke ihre Gründung Graf K. K. von der Groeben, der im Jahr 1995 das Buch "Projekt Weltethos" las und sich unter dem Eindruck der Lektüre entschloss, für die Verbreitung des Gedankes eines "Weltethos" eine namhafte Summe bereitzustellen. Aus den Zinserträgen des Stiftungskapitals wird die Arbeit eines kleinen Forschungsteams unter der Leitung von Hans Küng im Dienst eines Weltethos langfristig gesichert.


Was denken Sie?

  • Kann es weltweit einheitliche Moralvorstellungen geben?
  • Gibt es sie vielleicht ohnehin - oder muss etwas getan werden zu deren Erreichung?
  • Sind die Religionen dafür eher hinderlich oder förderlich?
  • Was ist vom "Projekt Weltethos", das durch Hans Küng initiiert wurde, zu halten?
  • Kann es ein Schritt zum Frieden sein?
  • Besteht die Gefahr, dass die Religionen dadurch verwässert werden und ein religiöser Einheitsbrei übrig bleibt?

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