Thema Dezember 2006 01 / 282 22 44
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Lob der Disziplin


Was vor einigen Jahren noch niemand laut auszusprechen gewagt hätte, wird nun offen diskutiert: Die Begriffe Disziplin und Autorität halten wieder Einzug in die pädagogische Debatte.

Mit seinem Buch "Lob der Disziplin" (List Verlag) scheint der Pädagoge und langjährige Leiter des Eliteinternats Schloss Salem, Bernhard Bueb, einen Nerv getroffen zu haben.

Nach Dr. Buebs Meinung fehlt in der heutigen Gesellschaft ein Konsens über "richtige" Erziehung. Eltern mangelt es an Anhaltspunkten, welche Werte Heranwachsenden vermittelt werden sollen. Eben diese Orientierung will der zweifache Familienvater mit seiner Streitschrift, in der er Disziplin als Basis für Glück und Freiheit voraussetzt, vermitteln.

"Der Erziehung ist seit Jahrzehnten das Fundament weggebrochen: Die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin", schreibt Bueb. Es habe sich der Glaube breit gemacht, die Erziehung der Kinder werde schon irgendwie gelingen. Eine schematische Herangehensweise an Erziehung lehnt Bueb jedoch ab: "Rezepte sind der Feind aller Pädagogik." Autorität, die von der Liebe und Fürsorge für die Kinder getragen werde, mache keine Angst, sondern schaffe Vertrauen. Schüler wünschten sich Lehrer, die wüssten, was sie wollen.

Buchautor Bueb tritt für klare Konsequenzen ein. Strafen dürften jedoch niemals demütigend für die Kinder sein. "Es gibt Strafen, die aus dem Repertoire der Erziehenden verschwinden müssten." Neben körperlicher Züchtigung sei auch Liebesentzug "eine gemeine und unpädagogische Strafe. Eine solche Strafe kann nur jemand verhängen, der keine rechte Liebe hat."

Nur wer früh gelernt hätte, Verzicht zu üben, Autoritäten anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen, könnte später sein Leben selbstbestimmend in die Hand nehmen.

Disziplin dürfe jedoch nie zum Selbstzweck werden. Sie dürfe nur im Wechselspiel mit Liebe stattfinden, Pädagogik sei stets eine Gratwanderung zwischen Disziplin und Liebe. Die Disziplin sei oft missbraucht worden. Nach dem Scheitern der antiautoritären Erziehung gelte es, die Disziplin zu rehabilitieren.

Aber schon der Untertitel des Buches - "Eine Streitschrift" - verrät, dass der Autor mit Widerspruch rechnet. Und der bleibt auch tatsächlich nicht aus:

Mit Formulierungen, wie "rückwärtsgewandte Kasernenhofpädagogik" oder "Salto mortale in die 50er-Jahre" werden die Forderungen Buebs vielerorts abgelehnt.

Ein Kommentator in der "Zeit" meint, dass es tatsächlich den Anschein hätte, dass die orientierungslos gewordene Jugend für ein gewisses Maß an Härte geradezu dankbar sei. Es sei jedoch die Frage zu stellen, ob ein Pädagoge wie Bueb diesem Unterwerfungsbegehren folgen oder ihm nicht viel eher entgegenarbeiten sollte.


Was ist Ihre Meinung?

  • Mangelt es an Disziplin - heutzutage?
  • Herrschten früher in den Schulen andere Umgangsformen?
  • Sind Respekt, Disziplin und Gehorsam gute und notwendige Werte?
  • Oder aber ein "Salto mortale zurück in die 50er-Jahre"?

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